Lucid Motors richtet seinen Wachstumskurs neu aus. Nachdem der US-Hersteller im Jahr 2025 seine Produktion nahezu verdoppelt hatte, fällt der Ausblick für 2026 zurückhaltender aus. Zwischen 25.000 und 27.000 Autos will das Unternehmen in diesem Jahr fertigen. Zum Vergleich: 2025 liefen 17.840 Einheiten vom Band. Selbst am oberen Rand der Prognose entspräche das einem Anstieg von rund 50 Prozent, am unteren Ende wären es etwa 40 Prozent.
Interims-CEO Marc Winterhoff machte bei der Präsentation der Geschäftszahlen deutlich, dass vor allem der Crossover Gravity das Volumen tragen soll. Das zweite Serienmodell der Marke befindet sich im Hochlauf und wird nach Unternehmensangaben den Großteil der Fertigung ausmachen. Zugleich korrigierte Lucid die Produktionszahl für 2025 leicht nach unten. 538 Autos seien nicht in die offizielle Statistik eingeflossen, da interne Validierungsprozesse noch nicht vollständig abgeschlossen gewesen seien.
Ein drittes Modell steht ebenfalls in den Startlöchern, wird jedoch erst gegen Jahresende erwartet. Der Mittelklasse-Crossover, der voraussichtlich unter dem Namen Earth vermarktet werden soll, soll weniger als 50.000 US-Dollar kosten. Umgerechnet entspricht das etwa 42.500 Euro. Nach Angaben des Managements wird dieses Auto im laufenden Jahr nur begrenzt zur Stückzahl beitragen. Die Fertigung soll zunächst in Saudi-Arabien beginnen, bevor später eine Produktion in den USA folgt.
Die Rolle des Königreichs geht über den Produktionsstandort hinaus. Mehrheitseigner ist der saudische Staatsfonds Public Investment Fund. Darüber hinaus existiert eine Vereinbarung, wonach Saudi-Arabien über einen Zeitraum von zehn Jahren bis zu 100.000 Autos abnehmen will. Diese Partnerschaft verschafft Lucid langfristige Absatzperspektiven, auch wenn das operative Geschäft weiterhin Verluste schreibt.
Neben dem klassischen Verkauf setzt das Unternehmen auf neue Anwendungsfelder. Für 2026 ist eine kleine Serie von Gravity-Modellen vorgesehen, die als Robotaxis für Uber eingesetzt werden sollen. Winterhoff erklärte, dass die Stückzahlen zunächst gering bleiben. Ein größerer Hochlauf sei erst für 2027 geplant. Damit positioniert sich Lucid im Umfeld automatisierter Mobilitätsdienste, ohne kurzfristig relevante Effekte für Umsatz oder Gewinn zu erwarten.
Lucid muss sparen und baut Stellen ab
Finanziell zeigt sich ein gemischtes Bild. Im vierten Quartal belief sich der Nettoverlust auf rund 692 Millionen Euro entspricht. Für das Gesamtjahr summierte sich das Minus auf etwa 2,3 Milliarden Euro. Damit lag der Fehlbetrag leicht unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig konnte der Hersteller seine Erlöse deutlich steigern. Der Quartalsumsatz kletterte auf rund 445 Millionen Euro. Auf Jahressicht erzielte Lucid etwa 1,15 Milliarden Euro und einem Plus von 68 Prozent.
Um die finanzielle Lage zu stabilisieren, kündigte das Management weitere Sparmaßnahmen an. Ein Abbau von zwölf Prozent der Belegschaft soll in den kommenden drei Jahren Einsparungen von rund 425 Millionen Euro bringen. Winterhoff sprach von einer „schwierigen, aber notwendigen Entscheidung“, um die operative Effizienz zu verbessern und Ressourcen gezielter einzusetzen.
Auch auf Führungsebene bleibt Bewegung. Winterhoff führt das Unternehmen seit dem Abgang von Peter Rawlinson vor einem Jahr kommissarisch. Einen Zeitplan für die Benennung eines dauerhaften Vorstandsvorsitzenden nannte er nicht und verwies auf den Aufsichtsrat. In den vergangenen Monaten kam es zudem zu weiteren Wechseln. Der bisherige Produktchef Eric Bach verließ das Unternehmen und reichte Klage ein. Emad Dlala übernahm die Verantwortung für die Produktentwicklung und koordiniert nun Software, Hardware und Antrieb. Zudem wechselte Strategiechefin Claudia Gast zu General Motors.
Quelle: Automotive News – Lucid sees lower production growth in 2026 to about 26,000 despite midsize crossover launch / Reuters – Lucid sees slower 2026 production growth as fear of supply-chain snags lingers







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