Wie VW die Elektromobilität global und umfassend betrachtet sieht

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Volkswagen AG

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Volkswagens Konzernchef Herbert Diess sprach in einem Interview der Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX über die neue Konzernstrategie mit klarem Fokus auf die Elektromobilität, wie sich die Antriebswende in verschiedenen Märkten und Regionen entwickelt und was aktuell die wichtigsten Themen für die Zukunft der individuellen Mobilität sind.

In dem Gespräch verweist Diess darauf, wie schwer es ist, in allen Märkten und Regionen den passenden Antriebsmix anzubieten. Da gebe es „in Europa immer noch Märkte, die über 70, 80 Prozent Diesel haben“, was daran liege, dass der Diesel dort steuerlich begünstigt ist. „In anderen Märkten gibt es dagegen praktisch keine Diesel-Pkw, wie in den USA“, so Diess. Und dann seien da Länder wie etwa Norwegen, „wo der Verbrenner so stark benachteiligt wird gegenüber dem Elektrofahrzeug, dass fast immer Elektrofahrzeuge gekauft werden“. Das Diesel-Privileg in Deutschland – die steuerliche Begünstigung des Kraftstoffs – findet Diess nicht mehr zeitgemäß, da Plug-in-Hybride „auch auf der Langstrecke ähnlich effizient wie der Diesel“ seien.

Wann ein Land aus der Verbrennertechnologie aussteigen will, müsse jedoch „eine Regierung, eine Volkswirtschaft, eine Gesellschaft für sich entscheiden“, sagt Diess. Er geht auch davon aus, dass „etwa in Lateinamerika – wo es zum Beispiel eine funktionierende, flächendeckende Versorgung mit Bioethanol gibt – gar nicht über ein Verbrenner-Ausstiegsdatum“ diskutiert werden könnte.

Die Zukunft aber gehöre klar dem rein elektrischen Antrieb, so VWs Konzernchef. Und die E-Mobilität soll bald auch für alle Verbrauchergruppen erschwinglich werden. „Die Anfangsinvestitionen bei Fahrzeugen im Kleinwagensegment sind höher“, räumt Diess ein, verweist aber auch darauf, dass E-Autos „im Unterhalt schon heute günstiger als Verbrenner“ seien, was anfängliche Mehrkosten oft innerhalb weniger Jahre wieder ausgleicht: „Durch die niedrigen elektrischen Verbrauchskosten, deutlich geringere Wartungskosten und vielleicht auch niedrigere Versicherungsprämien wird Elektromobilität günstiger als Verbrennermobilität“.

Volkswagen arbeite für günstigere E-Kleinwagen auch „an einer Einstiegsplattform, die Autos kommen 2025 und sind in etwa in der Größe eines T-Cross“, kündigte Diess an. Und dass Elektroautos aufgrund ihrer als zu gering eingeschätzten Reichweite nur für städtisches Umfeld geeignet seien, findet der VW-Manager nicht, es sei sogar etwas Gegenteiliges zu beobachten: „Unsere Zahlen zeigen, dass wir mehr im ländlichen Raum absetzen und im Vorstadtbereich, weil es in der Stadt häufig noch an den Lademöglichkeiten fehlt“, erklärt er in dem Interview.

Eines der wichtigsten Themen aktuell ist die Versorgung mit ausreichend Batterien, damit die Hersteller mit E-Autos ins Massengeschäft übergehen können. Es herrsche, so Diess, „eine große politische Nachfrage nach Investitionen in die Zellfertigung – auch in Ländern, die mit der Elektrifizierung noch nicht so weit sind“. Er sagt, dass zwar „fast alle Volkswirtschaften jetzt um Zellfabriken“ ringen, dass aber auch „genug zu verteilen“ sei.

Mit seiner neuen, erst vor wenigen Wochen vorgestellten Strategie konzentriere sich der VW-Konzern „noch stärker auf Skalen und damit Plattformen bei Hardware und Software, bei Batterie und Laden und bei den Dienstleistungen“, erklärt Diess. Gleichzeitig wolle der Autohersteller „in der Verwaltung schlanker werden“ und sich „auch aus bestimmten Themen noch zurückziehen“, damit er sich „weiterhin kontinuierlich in der Wertschöpfung optimieren“ könne.

Quelle: RND – VW-Chef Diess: „Elektromobilität wird günstiger als Verbrennermobilität“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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