VW plant umfassende Umstrukturierung der deutschen Werke

VW plant umfassende Umstrukturierung der deutschen Werke
Copyright:

Razbitnov / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Volkswagen hat kurz vor Weihnachten einen Zukunftspakt mit der IG Metall und dem Betriebsrat abgeschlossen. Ein zentraler Punkt war die Neustrukturierung der deutschen Standorte, um Kosten deutlich zu reduzieren. Dabei steht eine dauerhafte Verringerung der Produktionskapazitäten um 734.000 Einheiten im Fokus, etwa 25 Prozent. Zudem sollen bis 2030 etwa 35.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Werkschließungen sind im Kompromiss nicht explizit vorgesehen, dennoch ist die Zukunft einiger Standorte ungewiss, wie die Automobilwoche aufgearbeitet hat.

Das Stammwerk in Wolfsburg steht demnach vor erheblichen Veränderungen. Der Golf, lange das Aushängeschild der Marke, wird ab 2027 nur noch in Mexiko produziert. Dort entstehen bereits seit 2014 Modelle für den nordamerikanischen Markt. Für Wolfsburg bedeutet dies den Wegfall zweier Montagelinien. Nach dem Auslauf des Touran bleiben lediglich Tiguan und Tayron übrig. Um die verbliebenen Linien zu füllen, werden der ID.3 und der Cupra Born aus dem Werk Zwickau an den Stammsitz geholt.

Der geplante Stellenabbau betrifft voraussichtlich viele der derzeit fast 70.000 Beschäftigten in Wolfsburg. Er soll über Vorruhestandsregelungen erfolgen. Ab 2029 ist der Bau eines Elektro-Golf auf der neuen SSP-Plattform geplant. Dennoch dürften die Produktionszahlen der Vergangenheit, wie über 800.000 Einheiten in 2015 und 2016, nicht mehr erreicht werden. Künftig könnte die Kapazität bei etwa 400.000 Einheiten liegen.

Das Werk in Emden gilt nach der Vereinbarung als mittelfristig gesichert. Hier entstehen der ID.7 und sein Kombi sowie der ID.4. Trotz guter Nachfrage erreichen diese Modelle nicht die Stückzahlen des ehemaligen VW Passat, der nach Bratislava verlagert wurde. Die Jahresproduktion könnte sich bei rund 150.000 Fahrzeugen stabilisieren. Ob zwei Elektromodelle für die langfristige Auslastung genügen, hängt vom Erfolg des Elektrohochlaufs ab. Sollte dieser ausbleiben, könnte das Werk erneut zur Diskussion stehen.

In Zwickau verbleibt nach der Verlagerung von ID.3 und Cupra Born nur der Audi Q4 e-tron. Dessen Produktionszahlen bleiben begrenzt. 2023 wurden laut Audi-Geschäftsbericht rund 125.400 Einheiten gefertigt. Mit nur einer Montagelinie ist die langfristige Wirtschaftlichkeit des Standorts ungewiss. Zusätzlich belastet, dass Audi auch an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm Kapazitätsprobleme hat. Sollte der Q4 e-tron auslaufen, würde sich die Existenzfrage für Zwickau erneut stellen.

Osnabrück steht vor einem noch größeren Problem. Nach dem Ende der Produktion von Porsche Boxster und Cayman bleibt nur das T-Roc Cabrio übrig, das maximal 20.000 Einheiten pro Jahr erreicht. Ein profitabler Betrieb ist damit kaum möglich. Ein Verkauf der Produktionsstätte scheint die wahrscheinlichste Option. Ob ein chinesischer Wettbewerber oder eine andere Branche den Standort übernimmt, bleibt offen.

Die Gläserne Manufaktur in Dresden endet 2025. Ursprünglich als Prestigeprojekt für den Phaeton gestartet, dient sie seit 2016 für Kleinserien, zuletzt vom ID.3. Alternativkonzepte sind laut Vereinbarung in Arbeit, doch auch ein Verkauf des Standorts ist nicht ausgeschlossen.

Das Werk Hannover, Sitz von Volkswagen Nutzfahrzeuge, bleibt Produktionsstandort für ID.Buzz und Multivan. Trotz Investitionen zur Kostensenkung bleiben Herausforderungen. Der ID.Buzz hat bislang die Erwartungen nicht erfüllt. In Deutschland wurden 2024 nur 4121 Exemplare zugelassen. Der Multivan schneidet besser ab, erreicht aber nicht die Erfolge seiner Vorgänger. Auch in Hannover könnte es langfristig zu Stellenstreichungen kommen.

Quelle: Automobilwoche – VW-Kompromiss: Warum die Standorte keineswegs sicher sind

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Volkswagen (VW) Elektroautos

Xpeng will offenbar VW-Werk in Europa übernehmen

Xpeng will offenbar VW-Werk in Europa übernehmen

Daniel Krenzer  —  

Xpeng verhandelt laut Berichten mit VW über ein Werk in Europa. Die Debatte erinnert an Gerüchte um BYD und die Gläserne Manufaktur in Dresden.

VW ID. Polo GTI: Was kann der erste elektrische GTI?

VW ID. Polo GTI: Was kann der erste elektrische GTI?

Sebastian Henßler  —  

50 Jahre nach dem ersten Golf GTI elektrifiziert Volkswagen das Sportlabel. Der VW ID. Polo GTI kombiniert 226 PS Frontantrieb mit adaptivem Sportfahrwerk.

Sachsens Wirtschaftsminister will Chinesen ins VW-Werk holen

Sachsens Wirtschaftsminister will Chinesen ins VW-Werk holen

Sebastian Henßler  —  

Das VW-Werk Zwickau steht vor einer ungewissen Zukunft – Sachsens Wirtschaftsminister sieht chinesische Partner als möglichen Ausweg für 8000 Beschäftigte.

Vier VW-Werke könnten bald dichtmachen

Vier VW-Werke könnten bald dichtmachen

Sebastian Henßler  —  

Volkswagen erwägt, vier deutsche Werke auslaufen zu lassen: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Rund 40.000 Beschäftigte wären unmittelbar betroffen.

VW: „Krise ist für uns das neue Normal“

VW: „Krise ist für uns das neue Normal“

Sebastian Henßler  —  

VW-Beschaffungsvorstand Karsten Schnake rechnet mit Preiseffekten durch den Nahostkonflikt – und erklärt, warum Krise für Volkswagen längst zum Alltag gehört.

VW Gläserne Manufaktur: Gerücht von BYD-Einstieg dementiert

VW Gläserne Manufaktur: Gerücht von BYD-Einstieg dementiert

Sebastian Henßler  —  

BYD soll laut einem Bericht aus China über eine Teilübernahme der Dresdner Manufaktur verhandeln. Wolfsburg weist die Darstellung entschieden zurück.

BYD will wohl Teile des VW-Werks Dresden übernehmen

BYD will wohl Teile des VW-Werks Dresden übernehmen

Daniel Krenzer  —  

Chinesische Hersteller wollen offenbar VW-Kapazitäten in Dresden nutzen. BYD, Xpeng und MG könnten so ihre Europa-Strategie neu ausrichten.