Im Tarifkonflikt beim deutschen Automobilhersteller Volkswagen steckt die IG Metall ihre Bedingungen für die kommenden Verhandlungen ab. Nachdem der Automobilhersteller zehn Tarifverträge gekündigt hat, verlangt die Gewerkschaft zunächst deren Wiedereinsetzung. Gleichzeitig macht VW-Verhandlungsführer Thorsten Gröger deutlich, dass sich die Arbeitnehmerseite auf eine Eskalation vorbereitet – und die Kündigungen auch nutzen könnte, um eigene Forderungen auf den Tisch zu legen.
„Zunächst ist das Ziel, die Verträge wieder in Kraft zu setzen“, sagt Gröger im Gespräch mit der Automobilwoche. Dabei soll es nach Vorstellung der IG Metall allerdings nicht zwingend bleiben. Weil Volkswagen die Vereinbarungen selbst gekündigt habe, könne nun auch die Gewerkschaft eigene Vorstellungen zu den darin geregelten Themen entwickeln.
Dazu zählen weit mehr als die Gehälter. Volkswagen hat Ende September insgesamt zehn Tarifverträge gekündigt, darunter den Entgelttarifvertrag und den Manteltarifvertrag. Damit stehen grundsätzlich auch Regelungen etwa zu Arbeitszeit, Urlaub, Zulagen, Eingruppierung und Ausbildung zur Disposition.
Die Tarifkommission der IG Metall hat für die anstehende Entgeltrunde bislang fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten beschlossen. Gleichzeitig verweist Gröger darauf, dass die im vorherigen Tarifabschluss vereinbarten Entgeltsteigerungen von insgesamt 5,5 Prozent bei Volkswagen bis Anfang 2031 aufgeschoben wurden.
IG Metall sieht VW am Zug
Wie hart die Auseinandersetzung werden könnte, hängt aus Sicht der Gewerkschaft vor allem vom weiteren Vorgehen des Konzerns ab. Gröger betont, die IG Metall suche keinen Konflikt, sei jedoch darauf vorbereitet. „Wir sind jederzeit in der Lage, einen Arbeitskampf scharfzuschalten“, sagt der Gewerkschafter.
Die Art und Weise, wie Volkswagen die Tarifverträge gekündigt hat, belastet das Verhältnis zusätzlich. Arbeitnehmervertreter und Konzern hatten sich eigentlich zu einem Überprüfungsgespräch über die Ende 2024 geschlossene Zukunftsvereinbarung getroffen. Nach Darstellung Grögers wurden die Kündigungen während des Gesprächs zunächst nicht angesprochen. Die Arbeitnehmerseite habe davon über Medienberichte erfahren.
Gröger spricht deshalb von einem „offenen Affront“. Einen großen Tarifkonflikt mit den eigenen Beschäftigten zusätzlich zu den wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns heraufzubeschwören, bezeichnet er als „verantwortungslos“.
Damit setzt sich der zuletzt deutlich verschärfte Ton zwischen Volkswagen und Arbeitnehmerseite fort. Wie bereits berichtet, hatte Betriebsratschefin Daniela Cavallo nach Bekanntwerden der Kündigungen eine heftige Auseinandersetzung zum Jahreswechsel angekündigt. Gröger wiederum hatte den Schritt als „übles Foul“ bezeichnet.
Streit darüber, wie neu die VW-Krise eigentlich ist
Uneinig sind Konzern und Gewerkschaft zudem darüber, wie stark sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit dem großen Tarifkompromiss von Ende 2024 tatsächlich verändert haben. Volkswagen verweist unter anderem auf den schwierigen europäischen Markt, den zunehmenden Wettbewerbsdruck aus China und die unsichere Handelspolitik der USA.
Die IG Metall erkennt die verschärfte Lage in Teilen an, hält dagegen aber viele Probleme für keineswegs neu. Der schwache europäische Automobilmarkt und die Schwierigkeiten in China seien schon Ende 2024 bekannt gewesen. Auch handelspolitische Risiken nach der Wahl Donald Trumps hätten zumindest berücksichtigt werden können.
Zugleich verweist Gröger auf die bereits vereinbarten Einschnitte. Die Einigung von 2024 sieht unter anderem den Abbau von rund 35.000 Stellen bis 2030 und eine deutliche Reduzierung der Produktionskapazitäten in Deutschland vor. Auch bei Arbeitsorganisation und Fabrikkosten haben die Beschäftigten Zugeständnisse gemacht.
Aus Sicht der Gewerkschaft kann Volkswagen deshalb nicht einfach weitere Belastungen auf die Belegschaft verlagern. Stattdessen müsse der Konzern stärker an Produktivität, Produktionstechnologie und Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Bei Elektroautos sieht Gröger Volkswagen dabei durchaus auf einem besseren Weg und nennt unter anderem ID. Polo und ID.7 als positive Beispiele.
Quelle: Automobilwoche – IG-Metall-Verhandler Gröger: „Wie weit dieser Konflikt geht, hat Volkswagen in der Hand








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