Der deutsche Automobilhersteller Volkswagen will sich trotz des derzeit tiefgreifenden Konzernumbaus langfristig zum Industriestandort Europa bekennen. Unter dem Motto „For Europe“ verbindet der Konzern seine eigene Transformation zugleich mit Forderungen an die europäische Politik. Vorstandschef Oliver Blume sieht Unternehmen und Politik gemeinsam in der Verantwortung, Europas Automobilindustrie wieder wettbewerbsfähiger zu machen.
„Das ist eine gemeinsame Aufgabe: Die Wirtschaft muss wettbewerbsfähiger werden und attraktive Angebote schaffen, während die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen muss“, sagte Blume laut Pressemitteilung anlässlich einer Veranstaltung zur Pariser Automobilmesse. Volkswagen selbst treibe dafür nach seinen Worten „das größte Transformationsprogramm unserer Geschichte“ voran.
Konkret will der Konzern Komplexität abbauen, Plattformen und Komponenten stärker zwischen den Marken teilen und Entwicklungszeiten verkürzen. Auch künstliche Intelligenz soll dabei helfen. Gleichzeitig sollen Investitionen stärker auf Technologien und Geschäftsfelder konzentriert werden, die Volkswagen langfristig für relevant hält. Dazu zählen vor allem Elektromobilität, Batterietechnik und Software.
Als Beispiel nennt VW seine neue Familie kleinerer Elektroautos von Volkswagen, Škoda und Cupra. Modelle wie ID. Polo, ID. Cross, Škoda Epiq und Cupra Raval teilen große Teile ihrer Technik und werden in Spanien produziert. Damit will der Konzern Skaleneffekte erzielen und zugleich die europäische Wertschöpfung stärken.
VW fordert faireren Wettbewerb mit China
Von der Politik fordert Blume unter anderem bessere Voraussetzungen für Produktion innerhalb Europas und einen faireren Wettbewerb mit Herstellern aus China. „Wer hier verkauft, sollte unter vergleichbaren Bedingungen konkurrieren und auch hier in Europa Arbeitsplätze und Wertschöpfung schaffen“, sagte Blume laut der Nachrichtenagentur Reuters. Volkswagen unterstützt entsprechend Überlegungen zu „Made in Europe“-Vorgaben und begrüßt auch die jüngste Verständigung zwischen der EU und China beim Umgang mit chinesischen Plug-in-Hybriden.
Das Bekenntnis zu Europa fällt allerdings in eine Phase, in der Volkswagen seine europäischen Strukturen erheblich umbaut. Der Konzern will Kosten senken und Stellen abbauen, zugleich stehen bei der Softwaretochter Cariad weitere Einschnitte an. Ende September kündigte Volkswagen zudem mehrere Tarifverträge. Die IG Metall hat bereits deutlich gemacht, dass sie weitere Belastungen für die Beschäftigten nicht widerspruchslos hinnehmen will.
Damit zeigt sich die enorme Spannung hinter der neuen Europa-Botschaft: Volkswagen verspricht Investitionen, Elektromobilität und industrielle Wertschöpfung in Europa, versucht zugleich aber, seine Kostenbasis deutlich zu reduzieren. Denn offenbar ist ein Erfolg in Europa nur noch dann möglich, wenn bestehende Strukturen hinterfragt und angepasst werden. Ob der Konzern damit tatsächlich wieder dauerhaft wettbewerbsfähiger wird, dürfte nicht allein von politischen Rahmenbedingungen abhängen. Entscheidend wird ebenso sein, ob Volkswagen günstigere Elektroautos, leistungsfähige Software und effizientere Entwicklungsstrukturen tatsächlich schnell genug auf die Straße bekommt.
Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 1. Oktober 2026; Reuters – Volkswagen CEO says transformation is ’shared responsibility‘ in appeal to EU








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