Bei Volkswagens Softwaretochter Cariad steht offenbar der nächste tiefgreifende Umbau bevor. Wie die Automobilwoche nun ausführlich berichtet, sind von den geplanten Veränderungen rund 1600 Beschäftigte betroffen. Damit setzt Volkswagen die Neuordnung seiner Softwareaktivitäten fort – und der Druck auf die Belegschaft nimmt weiter zu.
Cariad befindet sich bereits seit Jahren in einem grundlegenden Umbau. Die 2020 gegründete Softwareeinheit sollte ursprünglich einen deutlich größeren Teil der Fahrzeugsoftware für die unterschiedlichen Konzernmarken zentral selbst entwickeln. Probleme bei der Entwicklung und wiederholte Verzögerungen bei wichtigen Fahrzeugprojekten führten jedoch zu einem Strategiewechsel. Unter VW-Konzernchef Oliver Blume setzt Volkswagen inzwischen wesentlich stärker auf externe Partner und regionale Lösungen.
Besonders sichtbar wird das an der Zusammenarbeit mit Rivian. Das Gemeinschaftsunternehmen soll wesentliche Bestandteile der Elektronik- und Softwarearchitektur für kommende Fahrzeuge in Europa und Nordamerika entwickeln. In China arbeitet Volkswagen unter anderem mit Xpeng und weiteren Technologiepartnern zusammen. Cariad konzentriert sich dagegen stärker auf ausgewählte Querschnittstechnologien wie Infotainment, Cloud-Anwendungen, Datenverarbeitung und automatisiertes Fahren.
1000 weitere Stellen bald weg?
Dieser Strategiewechsel hat erhebliche Folgen für die Beschäftigten. Bereits 2025 hatte Cariad angekündigt, seine damals rund 5900 Stellen deutlich zu reduzieren. Rund 1600 Arbeitsplätze sollten im Zuge der Restrukturierung wegfallen, vor allem über freiwillige Programme und Vorruhestand. Die Belegschaft ist seither deutlich geschrumpft. Aktuelle Berichte gehen noch von etwa 4300 Beschäftigten aus.
Wie umfangreich der nun bevorstehende weitere Einschnitt tatsächlich ausfällt, ist allerdings noch nicht vollständig geklärt. Handelsblatt und die Deutsche Presse-Agentur berichteten zuletzt unter Berufung auf Unternehmenskreise von rund 1000 weiteren Stellen, die wegfallen könnten. Das entspräche fast einem Viertel der noch verbliebenen Belegschaft. Cariad selbst hat diese Größenordnung bislang nicht offiziell bestätigt.
Der Umbau fällt zudem in eine ohnehin angespannte Phase bei Volkswagen. Der Konzern hat zum Jahresende mehrere Haustarifverträge gekündigt und will damit zusätzlichen Spielraum für Kostensenkungen schaffen. Betroffen sind unter anderem Regelungen zu Entgelt, Arbeitszeit, Urlaub und Zulagen. Für die Beschäftigten ändern sich diese Bedingungen zunächst zwar nicht automatisch, weil die Tarifverträge nachwirken. Die Arbeitnehmerseite stellt sich jedoch auf harte Verhandlungen ein.
Software-Abhängigkeit von Partnern dürfte wachsen
Unabhängig davon sieht der bereits 2024 vereinbarte Zukunftstarifvertrag bei Volkswagen den sozialverträglichen Abbau von rund 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 vor. Betriebsbedingte Kündigungen bleiben dort zugleich bis Ende 2030 ausgeschlossen.
Die Entwicklung bei Cariad zeigt dabei besonders deutlich, wie stark sich Volkswagens Strategie innerhalb weniger Jahre verändert hat. Software sollte einst zu einer weitgehend selbst entwickelten Kernkompetenz des Konzerns werden. Heute verteilt VW wichtige Aufgaben auf eigene Einheiten, die einzelnen Marken und externe Technologiepartner. Das kann Entwicklungskosten senken und den Zugang zu konkurrenzfähiger Technik beschleunigen. Gleichzeitig stellt sich jedoch zunehmend die Frage, welche Größe und welche Aufgaben für Cariad langfristig überhaupt noch vorgesehen sind.
Für Volkswagen dürfte der Balanceakt damit schwieriger werden: Der Konzern muss seine Kosten deutlich reduzieren, sollte aber gerade bei Software und Elektronik nicht weiter technologischen Boden gegenüber chinesischen Herstellern und Unternehmen wie Tesla verlieren. Ob eine nochmals deutlich kleinere Cariad diesen Spagat besser bewältigen kann, muss sich erst noch zeigen.
Quelle: Automobilwoche – Cariad: Drastischer Umbau betrifft 1600 Mitarbeiter in Deutschland









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