Dass der deutsche Automobilhersteller Volkswagen seine Kosten senken und dafür auch die Zahl der Beschäftigten weiter deutlich verringern muss, wird inzwischen kaum noch bestritten. Offen ist vielmehr, wie ein Stellenabbau in dieser Größenordnung sozialverträglich gelingen soll. Genau diese Frage stellt nun auch Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo und spricht dabei sogar mögliche betriebsbedingte Kündigungen an.
Wie die Automobilwoche berichtet, hat Cavallo auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg Zweifel geäußert, dass die neuen Sparziele allein mit den bisher eingesetzten Instrumenten erreichbar sind. Über Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge werde sich der zusätzlich geplante Personalabbau ihrer Ansicht nach kaum vollständig bewältigen lassen. „Plant der Vorstand betriebsbedingte Kündigungen? Und selbst wenn: Wie will er die denn durchsetzen?“, fragte die Betriebsratschefin. Die Beschäftigungssicherung bei der Volkswagen AG gilt bis Ende 2030.
Der Hintergrund ist ein noch einmal deutlich ausgeweiteter Sparkurs. Der Anfang September vom Aufsichtsrat beschlossene „Zukunftsplan 2030“ sieht zusätzlich zu bereits vereinbarten Programmen eine Reduzierung um rund 50.000 Stellen im indirekten Bereich vor. Etwa die Hälfte davon entfällt auf Deutschland. Auch rund ein Viertel der derzeit etwa 21.500 Managementstellen soll verschwinden. Volkswagen begründet dies mit zu hohen Kosten, komplizierten Strukturen und einem gegenüber Wettbewerbern zu großen Personalapparat.
Altersteilzeit und Abfindungen bislang bevorzugt
Dass Personalabbau auch ohne klassische Entlassungswellen funktionieren kann, hat Volkswagen bislang durchaus gezeigt. Bei VW, Audi, Porsche und Cariad waren bereits zuvor rund 50.000 Stellen in Deutschland zum Abbau vorgesehen. Konzernchef Oliver Blume erklärte im Sommer, dass dafür bereits rund 37.000 Verträge unterschrieben worden seien. Im Mittelpunkt stehen Altersteilzeit und andere freiwillige Lösungen wie Abfindungen.
Bei der Volkswagen AG allein sollen bis 2030 mehr als 35.000 Stellen sozialverträglich entfallen. Einen erheblichen Teil davon hat das Unternehmen inzwischen bereits vertraglich vereinbart. Wie bereits berichtete, schreitet damit nicht nur der Personalabbau, sondern auch die Reduzierung der Produktionskapazitäten deutlich voran.
Mit den nun zusätzlich vorgesehenen Stellen dürfte der vergleichsweise geräuschlose Weg allerdings schwieriger werden. Neben Altersteilzeit und Abfindungen bieten sich natürliche Fluktuation, eine zurückhaltende Neubesetzung frei werdender Stellen sowie interne Wechsel an. Gerade in Bereichen, in denen gleichzeitig neue Kompetenzen für Software, Batterietechnik und Elektromobilität benötigt werden, kann zudem Qualifizierung helfen, Beschäftigte innerhalb des Konzerns zu halten. Ein Stellenabbau muss schließlich nicht zwangsläufig bedeuten, dass jeder wegfallende Arbeitsplatz mit einem ausscheidenden Mitarbeiter verbunden ist.
Nicht nur streichen, auch verschieben
Wie wichtig eine solche Differenzierung ist, zeigt derzeit auch die Produktion. In Wolfsburg werden wegen schwächerer Nachfrage nach Verbrennern Sonderschichten für Golf und Tiguan gestrichen. Gleichzeitig soll die Produktion von Elektroautos im Werk Emden hochgefahren werden. Der Umbau der Automobilindustrie vernichtet damit nicht nur Arbeit, sondern verschiebt sie auch.
Für Volkswagen besteht die Herausforderung deshalb darin, zwei Dinge gleichzeitig zu schaffen: den offensichtlich zu großen Kosten- und Personalapparat deutlich zu verkleinern und dennoch möglichst viele Beschäftigte in neue Aufgaben zu überführen. Je größer der zusätzliche Abbau ausfällt, desto schwieriger wird diese Balance. Betriebsbedingte Kündigungen wären dabei die härteste Variante – und angesichts der bis 2030 eigentlich geltenden Beschäftigungssicherung kurzfristig ohnehin kein einfacher Weg.
Quelle: Automobilwoche – VW-Betriebsratschefin Cavallo: „Plant der Vorstand betriebsbedingte Kündigungen?“









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