An elf Standorten von Volkswagen haben die Beschäftigten Mitte März neue Betriebsräte gewählt. Das Ergebnis fällt deutlich aus: 304 von 359 Sitzen gingen an die IG Metall, was einem Anteil von 84,7 Prozent entspricht. Der im Vorfeld vielfach erwartete Rechtsruck in einzelnen Werken blieb weitgehend aus. Dominiert wurde der Wahlkampf von den geplanten Sparmaßnahmen des Automobilherstellers, der bis 2030 insgesamt 35.000 Stellen abbauen will. Kurz vor der Abstimmung sorgte zudem eine Boni-Diskussion rund um den unerwartet hohen Cashflow 2025 für zusätzlichen Gesprächsstoff.
Im Stammwerk Wolfsburg konnte die IG Metall rund um Spitzenkandidatin Daniela Cavallo, die amtierende Gesamtbetriebsratsvorsitzende, 52 von 67 Sitzen gewinnen. Damit sicherte sich die Gewerkschaft rund 74,8 Prozent der Stimmen – ein deutlicher Rückgang gegenüber 2022, als noch 85,5 Prozent auf die IG Metall entfielen. Wolfsburg ist damit der VW-Standort mit dem niedrigsten Ergebnis für die Gewerkschaft. Auch die Wahlbeteiligung sank marginal auf 59,1 Prozent, nach 59,3 Prozent vor vier Jahren. Hintergrund: Wegen der gesunkenen Beschäftigtenzahl von einst rund 68.000 auf nun etwa 61.000 Mitarbeiter:innen standen dieses Mal nur 67 statt zuvor 73 Mandate zur Wahl.
Cavallo erklärte nach Bekanntgabe des Ergebnisses: „Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben.“ In der Amtszeit der bis 2030 gewählten neuen Belegschaftsvertretung stünden gerade in der Konzernzentrale viele wichtige Aufgaben an. Auf Platz zwei landete in Wolfsburg die „Andere Liste“ von Frank Patta mit 14,1 Prozent. Patta, früher Gewerkschaftschef in Wolfsburg und einst enger Vertrauter des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh, hatte die „Hinterzimmerpolitik“ der aktuellen Führung kritisiert und sich gegen einen Umzug der Golf-Produktion nach Mexiko positioniert. Insgesamt zogen neben der IG Metall vier weitere Listen in den Betriebsrat ein.
Rechte Betriebsratlisten bleiben in Sachsen stabil
Besonders genau wurde auf die sächsischen Werke geschaut. Im Motorenwerk Chemnitz sicherte sich die IG-Metall-Liste „Zukunft“ 13 von 17 Mandaten, das AfD-nahe „Bündnis freie Betriebsräte“ (BFB) kam auf vier Sitze. Gegenüber 2022 konnte die Gruppierung damit keine Mandate hinzugewinnen; prozentual soll das Bündnis sogar weniger Stimmen erhalten haben. Der sächsische Verfassungsschutz kam zu dem Urteil, dass sich die Vereinigung überwiegend aus bekannten Rechtsextremisten zusammensetze. Im Vorfeld der Wahlen wurden zudem Kontakte zum Verein „Zentrum“ bekannt.
Auch im Werk Zwickau, wo bereits Anfang 2025 vorgezogen gewählt wurde, blieb das BFB bei vier Sitzen. Dabei war gerade hier ein deutlicher Zugewinn erwartet worden. Das Werk steht unter besonderem Druck: Als erster VW-Standort komplett auf E-Autos umgestellt, kämpft Zwickau mit Unterauslastung. Statt in drei wird nur noch in zwei Schichten gearbeitet, rund 1200 Arbeitsplätze wurden bereits abgebaut. Ab 2028 soll die Produktion von zwei auf eine Montagelinie verschlankt werden, der ID.3 nach Wolfsburg wandern. Mike Rösler, Spitzenkandidat der IG Metall und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender in Zwickau, betonte: „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben heute klar entschieden: Sie wollen eine starke Interessenvertretung der IG Metall im Betriebsrat.“
AfD-nahe Verein „Zentrum“ erstmals im VW-Betriebsrat vertreten
Eine Neuerung gab es im Werk Braunschweig: Dort zog der ebenfalls AfD-nahe Verein „Zentrum“ mit zwei Sitzen erstmals in einen VW-Betriebsrat ein. Die Liste kam auf 6,5 Prozent der Stimmen, trat allerdings auch nur mit zwei Kandidat:innen an. Das „Zentrum“ wurde 2009 von Oliver Hilburger im Mercedes-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gegründet. Hilburger gehörte zuvor der Christlichen Gewerkschaft Metall an, wurde wegen seiner Kontakte zur Neonazi-Szene und einer rechten Terrororganisation jedoch ausgeschlossen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft den Verein als rechtsextrem ein.
Abseits von Wolfsburg, Chemnitz und Braunschweig erzielte die IG Metall an allen Standorten über 80 Prozent. In Dresden, Osnabrück und bei VW Financial Services lagen die Werte sogar oberhalb von 90 Prozent. Am kleinsten VW-Standort, der Gläsernen Manufaktur in Dresden mit rund 300 Beschäftigten, entfielen 95,7 Prozent auf die Gewerkschaft. Die Pkw-Fertigung wurde dort zum Jahreswechsel eingestellt, gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden soll ein Innovationscampus entstehen.
Quelle: Automobilwoche – VW-Betriebsratswahl: IG Metall verliert in Wolfsburg deutlich / Manager-Magazin – AfD-naher Verein zieht erstmals in einen VW-Betriebsrat ein








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