VWs Gläserne Manufaktur wird zum Forschungsstandort umgebaut

VWs Gläserne Manufaktur wird zum Forschungsstandort umgebaut
Copyright:

Volkswagen

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Volkswagen hat die Weichen für die Neuausrichtung der Gläsernen Manufaktur Dresden (GMD) gestellt, wo die Automobilproduktion wie schon im Sommer angekündigt zum Ende des Jahres auslaufen wird: Gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen und der Technischen Universität Dresden will das Unternehmen ab dem kommenden Jahr dort einen Innovationscampus für zentrale Technologiefelder aufbauen, darunter Künstliche Intelligenz, Robotik, Mikroelektronik und Chip-Design. Dafür haben die beteiligten Parteien eine entsprechende Absichtserklärung, einen sogenannten Letter of Intent (LoI), unterzeichnet, so VW in einer aktuellen Mitteilung.

Vorgesehen ist demnach unter anderem, dass Volkswagen der TU Dresden umfangreiche Flächen in der 2002 eröffneten Manufaktur bereitstellt. Insgesamt investieren beide Partner in den kommenden sieben Jahren mehr als 50 Millionen Euro in Forschung, Technologieentwicklung sowie vier neue Stiftungsprofessuren. Darüber hinaus bleibe die Manufaktur als Auslieferungs- und Forschungsstandort sowie Erlebniswelt von Volkswagen erhalten.

Mit der Neuausrichtung der GMD setzt Volkswagen einen Punkt des vor einem Jahr gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite vereinbarten Programms „Zukunft Volkswagen“ um. Dieses sieht vor, die Fahrzeugfertigung in Dresden Ende dieses Jahres auslaufen zu lassen. Deutschlandweit werden die technischen Produktionskapazitäten bis 2028 um mehr als 730.000 Fahrzeuge pro Jahr verringert. Zudem hatten sich Unternehmen und Betriebsrat darauf geeinigt, an den deutschen Volkswagen Standorten bis zum Jahr 2030 sozialverträglich 35.000 Arbeitsplätze abzubauen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Marke sicherzustellen. Im Gegenzug wurde für alle Beschäftigten der Volkswagen AG und Volkswagen Sachsen GmbH eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2030 vereinbart.

„Wir haben uns die Entscheidung, die Fahrzeugproduktion in der Gläsernen Manufaktur nach mehr als 20 Jahren zu beenden, nicht leicht gemacht. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten war sie jedoch zwingend erforderlich“, kommentiert Thomas Schäfer, CEO der Marke Volkswagen. „Umso wichtiger ist es, dass wir in den vergangenen Monaten ein tragfähiges Zukunftskonzept für den Standort entwickeln konnten – mit einer klaren Perspektive für die kommenden Jahre. Gemeinsam mit der TU Dresden verwandeln wir die Manufaktur in einen Ort, an dem Mobilität, Technologie und Wissenschaft zusammenkommen.“

Zu Beginn des kommenden Jahres sollen vorerst alle dann noch 230 GMD-Beschäftigten ihren Arbeitsplatz in Dresden haben. Durch das Ausscheiden älterer Mitarbeiter werde diese Zahl in den kommenden Jahren weiter sinken. Den Beschäftigten, deren Tätigkeiten im Laufe der kommenden Monate und Jahre entfallen, biete das Unternehmen sozialverträgliche Alternativen an, etwa einen Wechsel an die Standorte Zwickau und Chemnitz oder Altersteilzeitregelungen und Aufhebungsverträge. Außerdem haben die Beschäftigten die Möglichkeit, ins Stammwerk nach Wolfsburg zu wechseln.

Fertigungslinien des ID.3 werden zurückgebaut

Der Zeitplan für die Gläserne Manufaktur sieht vor, dass ab Januar 2026 zunächst die Fertigungslinie des ID.3 zurückgebaut wird. Zudem wird der Umbau des Gebäudes zum Innovationscampus vorbereitet. Mitte 2026 starten die ersten gemeinsamen Forschungsprojekte mit der Technischen Universität, ab 2027 beginnt der Regelbetrieb. Perspektivisch wird die TU Dresden knapp die Hälfte der Flächen der Gläsernen Manufaktur nutzen.

Neben der strategischen Partnerschaft mit der TU Dresden bleibt die Gläserne Manufaktur als Auslieferungs- und Forschungszentrum sowie Erlebniswelt von Volkswagen erhalten. Nach der Autostadt in Wolfsburg ist die GMD der zweitgrößte Auslieferungsstandort für Volkswagen in Deutschland. Allein in diesem Jahr werden dort mit den Handelspartnern rund 3500 Fahrzeuge an Kunden und Kundinnen ausgeliefert.

Mit mehr als 100.000 Besuchern jährlich zählt die Manufaktur zu den Attraktionen der Stadt Dresden und bringt Menschen in Kontakt mit den Produkten von Volkswagen und dem Thema Fahrzeugbau. Das offene InnoXcampus-Konzept sieht vor, Besuchern Einblick in die Zukunftsthemen des Automobilbaus, der Robotik und Künstlichen Intelligenz zu bieten.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 04.12.2025

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Sebastian Henßler  —  

Luftlos, transparent, biologisch abbaubar: Hankooks Konzeptreifen bricht mit allen Konventionen. Was heute schon geht und was fehlt, bis er serienreif ist.

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Daniel Krenzer  —  

VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnt vor gefährdeten Werken in Deutschland. Kooperationen mit chinesischen Herstellern könnten helfen, Jobs zu sichern.

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Sebastian Henßler  —  

Nach den Protesten bei Mercedes-Benz fordert Bosch eine Taskforce. Auch beim Volkswagen-Konzern sollen laut IG Metall Beschäftigtenaktionen folgen.

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Daniel Krenzer  —  

Bei Automobilzulieferern steigt der Krankenstand laut AOK auf 8,94 Prozent. Besonders psychische Fehlzeiten nehmen demnach zu.

EU plant Ausweitung des CO2-Preises – Automobilverband kritisiert

EU plant Ausweitung des CO2-Preises – Automobilverband kritisiert

Maria Glaser  —  

Der europäische Verband ACEA hat eine Stellungnahme zur Ausweitung des CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM der EU veröffentlicht.

Normale Reifen am E-Auto: Ein teurer Kompromiss

Normale Reifen am E-Auto: Ein teurer Kompromiss

Sebastian Henßler  —  

Drei Viertel der E-Fahrer:innen kennen EV-Reifen, aber kaum jemand fühlt sich beim Kauf gut informiert. Drei Mythen über Reifen erklären, warum das so ist.