Volvo EX60: Neuer Maßstab für elektrische SUVs?

Volvo EX60: Neuer Maßstab für elektrische SUVs?
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Volvo | Volvo EX60

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 5 min

Mit dem Volvo EX60 erweitert Volvo seine Elektromodellpalette nun auch in jenem Segment, das seit Jahren als Stabilitätsanker der Marke gilt. Dort, wo bislang der XC60 als Verbrenner den Kern des Geschäfts ausmacht, soll nun ein vollelektrisches SUV die Rolle des Taktgebers übernehmen. Entsprechend versteht Volvo den EX60 nicht als isoliertes Modell, sondern als Übergangspunkt zwischen der heutigen Produktwelt und einer kommenden Generation softwarebasierter Elektroautos.

Diese strategische Einordnung erklärt, warum der EX60 auf einer vollständig neuen technischen Grundlage steht. Mit der SPA3-Architektur setzt Volvo erstmals auf eine Plattform, die gemeinsam mit der chinesischen Konzernmutter Geely konsequent für elektrische Antriebe entwickelt wurde und nicht mehr aus bestehenden Verbrennerstrukturen abgeleitet ist. Der modulare Aufbau erlaubt es, Hardware und Software über den gesamten Lebenszyklus weiterzuentwickeln. Funktionen, Assistenzsysteme und Effizienzgewinne sollen damit nicht mehr ausschließlich an Modellwechsel gebunden sein, sondern schrittweise per Update ins Auto gelangen.

Volvo | Volvo EX60 Seitenansicht

Aus dieser Architektur ergibt sich unmittelbar die nächste technische Ebene. Die sogenannte Cell-to-Body-Bauweise ist nicht als Einzelinnovation gedacht, sondern als integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts. Indem die Hochvoltbatterie selbst tragende Aufgaben übernimmt, verändert sich nicht nur die Karosseriestruktur, sondern auch das Verhältnis von Gewicht, Bauraum und Energieinhalt. Volvo spricht von rund 20 Prozent höherer Energiedichte. In der Praxis wirkt sich das zugleich auf Reichweite, Ladezeiten und Materialeinsatz aus und senkt den CO₂-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus.

Neue Fertigungsmethoden für eine neue Modellgeneration

Diese Systemlogik setzt sich in der Produktion fort. Der EX60 ist das erste Serienauto der Marke, das mit Mega-Casting gefertigt wird. Große Aluminiumgussteile ersetzen zahlreiche Einzelkomponenten, vor allem im Heckbereich. Die Maßnahme dient nicht allein der Kostensenkung, sondern passt zur strukturellen Integration der Batterie und zur neuen Plattform. Produziert wird der EX60 im Werk Torslanda nahe Göteborg, wo Volvo bewusst die Fertigung der nächsten Elektroauto-Generation bündelt.

Volvo | Volvo EX60 Ansicht schräg hinten

Die technische Auslegung wirkt sich direkt auf das Antriebskonzept aus. Drei Leistungsstufen decken unterschiedliche Anforderungen ab, vom heckgetriebenen P6 bis zu den allradgetriebenen Varianten P10 AWD und P12 AWD. Während der P6 auf geringeres Gewicht und Effizienz zielt, verteilen die Allradversionen das Drehmoment variabel zwischen Vorder- und Hinterachse. Abhängig von der Konfiguration gibt Volvo Reichweiten zwischen 620 und bis zu 810 Kilometern an. Letzterer Wert markiert zugleich den bisherigen Reichweitenhöchststand eines Elektroautos von Volvo.

Volvo | Volvo EX60 Heckansicht
Volvo | Volvo EX60 Blick in Kofferraum

Damit diese Reichweite auch im Alltag voll ausgespielt werden kann, spielt die Ladeinfrastruktur eine zentrale Rolle. Der EX60 setzt serienmäßig auf 800-Volt-Technologie. An geeigneten Schnellladesäulen lassen sich laut Hersteller innerhalb von zehn Minuten bis zu 340 Kilometer Reichweite nachladen, der Ladehub von zehn auf 80 Prozent soll rund 19 Minuten dauern. Ergänzt wird das System durch einen 22-kW-Onboard-Charger für AC-Laden sowie einen DC/DC-Booster, der auch das Laden an 400-Volt-Säulen ermöglicht. Die Vorbereitung für bidirektionales Laden zeigt, dass Volvo den EX60 nicht nur als Verkehrsmittel, sondern als Bestandteil eines künftigen Energiesystems betrachtet.

Volvo | Volvo EX60 Ladeanschluss

Software rückt vom Feature zum Fundament beim EX60

Diese technische Offenheit setzt sich auf der digitalen Ebene fort. Volvo versteht den EX60 als vollständig softwaredefiniertes Auto. Der Superset Tech Stack bildet die gemeinsame Basis aller kommenden Elektroautos der Marke. Rechenleistung liefern Nvidia Drive AGX Orin und eine Qualcomm 8255 CPU, ausgelegt auf langfristige Funktionsreserven. Over-the-Air-Updates sind integraler Bestandteil des Konzepts und nicht als Zusatzfunktion gedacht.

Volvo | Volvo EX60 Cockpitansicht

Vor diesem Hintergrund ordnet sich auch die Integration einer dialogorientierten KI auf Basis von Google Gemini ein. Sie ist direkt in das Infotainmentsystem eingebunden und soll Sprache nicht nur erkennen, sondern kontextbezogen interpretieren. Gesteuert wird das System über einen gebogenen 15-Zoll-OLED-Touchscreen, ergänzt durch ein digitales Fahrerdisplay. Die Benutzeroberfläche ist damit weniger als klassisches Bediensystem konzipiert, sondern als Schnittstelle zwischen Mensch, Software und Assistenzfunktionen.

Gerade bei der Sicherheit zeigt sich, wie eng Software und Hardware im EX60 miteinander verzahnt sind. Eine Kombination aus fünf Radaren, fünf Kameras und zwölf Ultraschallsensoren überwacht das Umfeld und den Innenraum. Neu ist ein multiadaptiver Sicherheitsgurt, der sich abhängig von Insassengröße, Sitzposition und Unfallszenario anpasst. Ergänzt wird dies durch ein Innenraumradar, das zurückgelassene Personen oder Tiere erkennt und automatisch Gegenmaßnahmen einleitet.

Volvo | Volvo EX60 Detailaufnahme Innenraum

Auf dieser technischen Basis arbeiten die Assistenzsysteme. Pilot Assist Plus unterstützt auf Autobahnen bis zu 130 km/h beim Lenken, beim Abstandhalten und beim Spurwechsel. Weitere Funktionen reichen von Querverkehrswarnungen über automatische Notbremsungen bis zu präventiven Lenkeingriffen. Viele dieser Systeme sind softwareseitig vorbereitet, um später erweitert oder verfeinert zu werden.

Ein Innenraum zwischen skandinavischer Ruhe und Digitalisierung

Der Innenraum folgt derselben Logik aus Reduktion und technischer Integration. Klare Linien, ein hoher Anteil recycelter Materialien und eine umfangreiche Ambientebeleuchtung prägen das Erscheinungsbild. Dreizonen-Klimaautomatik, elektrische Sitzverstellung und ein zusätzlicher Stauraum unter der Fronthaube unterstreichen den Anspruch, den EX60 als Familienauto mit digitalem Schwerpunkt zu positionieren.

Volvo | Volvo EX60 Frunk

Preislich startet der Volvo EX60 in Deutschland bei 62.990 Euro für den P6 in der Ausstattung Plus. Die leistungsstärkste Variante P12 AWD beginnt bei 71.990 Euro. Möchte man lieber die Ultra-Variante wird ein Aufpreis von 6800 Euro fällig. Die ersten Auslieferungen der P6- und P10-Versionen sind für den Sommer geplant, der P12 folgt später im Jahr.

Quelle: Volvo – Pressemitteilung per Mail

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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