Mit dem neuen EX60 richtet Volvo den Blick auf ein Segment, das für die Marke bislang unbesetzt war und im europäischen Markt weiter an Bedeutung gewinnt. Der mittelgroße elektrische SUV soll eine Lücke schließen, die im Zuge der schrittweisen Elektrifizierung des Modellprogramms immer deutlicher geworden ist. Für den deutschen Markt misst das Unternehmen dem Modell eine zentrale Rolle bei, wie Deutschlandchef Herrik van der Gaag in Gesprächen zum Marktstart deutlich macht.
Bislang war Volvo im Elektrobereich vor allem an den Rändern des SUV-Spektrums präsent. Der kleine EX30 adressiert das Einstiegssegment, der EX40 deckt die Kompaktklasse ab, während der EX90 als großes Elektro-SUV positioniert ist. Dazwischen fehlte ein Angebot, das volumenstarke Kundengruppen anspricht. Genau dort setzt der EX60 an. Van der Gaag spricht gegenüber der Automobilwoche von einer strukturellen Ergänzung des Portfolios und verweist darauf, dass Volvo damit erstmals auch im elektrischen Mittelklasse-SUV-Segment vertreten ist.
Welche Stückzahlen der Hersteller konkret erwartet, lässt der Manager offen. Gleichzeitig macht er klar, dass der EX60 für die weitere Entwicklung in Deutschland und Europa ein Schlüsselmodell sein soll. Als Referenz nennt er den XC60, der über Jahre hinweg das meistverkaufte Modell der Marke in wichtigen europäischen Märkten war. An diesen Erfolg will Volvo nun in elektrischer Form anknüpfen. Die Erwartung sei, dass der EX60 sowohl bestehende Kund:innen bindet als auch neue Zielgruppen erreicht.
Vom bestehenden Kunden zur neuen Zielgruppe
Ein Teil der Nachfrage dürfte aus dem eigenen Bestand kommen. Nach Einschätzung von van der Gaag werden viele Fahrer:innen, die bislang ein kleineres elektrisches Modell genutzt haben, den Schritt in eine größere Klasse erwägen. Gleichzeitig sieht Volvo Potenzial bei Kund:innen, die bisher keinen direkten Bezug zur Marke hatten, sich aber im wachsenden Markt der mittelgroßen Elektro-SUVs orientieren. Gerade in Deutschland spielten dabei mehrere Faktoren zusammen, darunter die bekannte Positionierung der Marke in den Bereichen Sicherheit, Nachhaltigkeit und Alltagstauglichkeit.
Hinzu kommt aus Sicht des Unternehmens ein günstiges Umfeld im Dienstwagensektor. Die steuerlichen Rahmenbedingungen für elektrisch angetriebene Autos erleichterten den Umstieg, insbesondere für gewerbliche Nutzer. Dieser Aspekt gewinnt an Bedeutung, da ein erheblicher Teil der Neuzulassungen in Deutschland auf Firmenkunden entfällt. Volvo rechnet damit, dass der EX60 hier eine wichtige Rolle übernehmen kann.
In den vergangenen Jahren hat der Hersteller viele frühere Diesel-Kunden schrittweise an elektrifizierte Antriebe herangeführt. Plug-in-Hybride dienten dabei als Übergangslösung. Der letzte Diesel wurde bereits vor zwei Jahren ausgeliefert. Laut van der Gaag haben viele Kund:innen inzwischen Erfahrung mit dem Laden gesammelt und seien bereit, vollständig elektrisch zu fahren. Schon heute entfallen in Deutschland rund 60 Prozent der Verkäufe auf elektrische oder teil-elektrische Autos.
Politische Unsicherheit bremst die Kaufentscheidung
Gleichzeitig bremst aus Sicht des Managers die politische Debatte um CO₂-Vorgaben und mögliche Änderungen der Regulierung. Anhaltende Diskussionen über ein Ende bestehender Regelwerke sorgten für Unsicherheit, sowohl bei privaten Käufern als auch im Flottengeschäft. Diese Unklarheit erschwere langfristige Entscheidungen, betont van der Gaag. Unabhängig davon hält Volvo an seinem Ziel fest, bis 2030 mindestens 90 Prozent des Angebots zu elektrifizieren.
Der Blick auf die jüngere Marktentwicklung fällt differenziert aus. Zwar gingen die Verkäufe in Deutschland im vergangenen Jahr leicht zurück, der Marktanteil blieb jedoch stabil. Seit dem Amtsantritt von van der Gaag ist der Anteil deutlich gestiegen. Auch die wachsende Zahl an Marken innerhalb des Geely-Konzerns bereitet ihm wenig Sorgen. Die einzelnen Anbieter seien klar voneinander abgegrenzt, Überschneidungen gering. Volvo setze dabei bewusst auf seine eigenständige Identität und eine Historie, die sich nicht kopieren lasse.
Quelle: Automobilwoche – „Wir werden kräftig erobern“: Volvos Deutschlandchef macht den EX60 zur Premium-Kampfansage







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