Volkswagen will CO2-Grenzwert der EU ohne Pooling schaffen

Volkswagen will CO2-Grenzwert der EU ohne Pooling schaffen
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Michael Neißendorfer
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Der Volkswagen-Konzern plant einem Medienbericht zufolge, die europäischen Emissionsnormen im aktuellen Jahr erfüllen zu können, ohne sich auf den Verkauf von Elektroautos anderer Hersteller verlassen zu müssen. Es wäre das erste Mal, dass der weltweit größte Automobilhersteller die CO2-Flottengrenzwerte in Europa nur mit seinen eigenen Fahrzeugen einhalten kann.

Seit 2020 sind die Autohersteller in der EU verpflichtet, ihre durchschnittlichen Flottenemissionen auf 95 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer zu reduzieren. Gelingt das nicht, müssen sie hohe Geldstrafen zahlen. Es gibt aber ein Hintertürchen: Wer das Ziel zu verfehlen droht, kann sich mit anderen Herstellern, die weit unter der Grenze liegen, zusammentun, um so künstlich niedrigere Durchschnittswerte zu erreichen – das sogenannte CO2-Pooling. In 2021 gehörten die chinesischen Hersteller Geely, NIO und SAIC (mit der E-Auto-Marke MG) zum CO2-Pool von VW.

In diesem Jahr will der VW-Konzern auf die Hilfe der chinesischen Unternehmen verzichten und sich auf seine eigenen Marken verlassen, darunter Audi, Porsche, Škoda und Seat. Dies geht der Financial Times zufolge aus öffentlichen Dokumenten hervor, die bei der Europäischen Kommission eingereicht wurden. Der Hersteller hat dies bereits bestätigt: „Wir sind auf einen geschlossenen Pool umgestiegen und zuversichtlich, die EU-Emissionsziele selbst zu erreichen“, zitiert das Wirtschaftsmagazin einen VW-Sprecher.

In den vergangenen Jahren hatte sich beispielsweise Fiat Chrysler (FCA) mit dem E-Auto-Hersteller Tesla zusammengetan, um die CO2-Limits einzuhalten. Für den Deal zahlte FCA im Jahr 2020 gut 1,8 Milliarden Euro an Tesla, was erheblich weniger war als die drohenden CO2-Strafen. Nach der Übernahme von FCA in den Stellantis-Konzern zog sich das italo-amerikanische Bündnis aus der Vereinbarung zurück. Für 2022 haben Honda und Tesla einen Pooling-Deal abgeschlossen.

Die Strafe für das Verfehlen des Ziels beträgt 95 Euro für jedes Gramm pro Kilometer oberhalb des Limits, multipliziert mit der Anzahl der im Jahr neu zugelassenen Fahrzeuge. Volkswagen musste im vergangenen Jahr mehr als 100 Millionen Euro an Strafe zahlen, nachdem der Konzern trotz der Poolvereinbarung und der Einführung seines ersten Massenmarkt-E-Autos ID.3 die Ziele knapp verfehlt hatte. Mercedes-Benz und BMW erfüllten die Vorgaben im vergangenen Jahr, v.a. dank eines starken Anstiegs der Nachfrage nach Plug-in-Hybriden, die für die Ziele angerechnet werden.

Quelle: Financial Times – Volkswagen aims to meet EU emissions rules without Chinese help

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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