VDMA: Verbrennungsmotoren „ökologisch und ökonomisch vorteilhaft“

VDMA: Verbrennungsmotoren „ökologisch und ökonomisch vorteilhaft“
Copyright:

shutterstock / 1912050430

Iris Martinz
Iris Martinz
  —  Lesedauer 2 min

Dass Unternehmen, die vom Motorenbau und Treibstoffverkauf leben, naturgemäß keine Freude mit dem geplanten Verbrenner-Aus ab 2035 in der EU haben, liegt auf der Hand. Es ist auch legitim, die Vor- und Nachteile zu diskutieren. Der deutsche Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) zeigt jetzt aber trotzig mit dem Zeigefinger auf die Treibstoffindustrie. Demnach wäre „nicht der Motor das Problem„, sondern allein die bisher eingesetzten fossilen Treibstoffe. Verbrennungsmotoren hingegen wären „ökologisch und ökonomisch vorteilhaft„.

In einer Pressemitteilung fordert VDMA-Präsident Karl Haeusgen daher folgerichtig, den Verbrennungsmotor als realistischen Technologiepfad beizubehalten. Aber eben mit CO2-neutralen, grünen eFuels. Die Pläne der EU-Kommission, von 2035 an nur noch batterie- und brennstoffzellenelektrische Fahrzeuge auf dem europäischen Markt zuzulassen, hält er für den klima- und innovationspolitisch falschen Weg. Und er führt ökonomische Nachteile ins Treffen, wie den Verlust von 160.000 Arbeitsplätzen allein in der Wertschöpfungskette Antriebsstrang. Dies habe eine vom VDMA erstellte Studie ermittelt. Arbeitsplätze in der Verarbeitung von Materialien für Batteriezellen und im Umfeld der Ladeinfrastruktur würden erst zeitverzögert entstehen und auch nicht in derselben Höhe. Das würde sogar die industrielle Stärke Europas gefährden, weil die EU „ihre technologische und industrielle Führungsrolle beim Verbrennungsmotor zugunsten anderer Regionen, die an technologischer Offenheit festhalten, aufgeben“ würde, betont Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer im VDMA. Anfang des Jahres hatte man bereits den unfairen Wettbewerb in der Zellproduktion beklagt, weil die Zellfertigung in Europa fehle. Diese nimmt jetzt aber zunehmend Fahrt auf.

Man wünsche sich daher eine größere Vielfalt klimaneutraler Antriebstechnologien, die die Abhängigkeiten knapper Rohstoffimporte reduzieren und die volkswirtschaftliche Resilienz erhöhen würden. Damit seien aber die Hersteller von eFuels in der Pflicht. Denn auch im Bestand sowie bei Baumaschinen, Landmaschinen, Kommunalfahrzeugen und im Transport würde es nicht ohne eFuels gehen. Dazu sollten die nachhaltigen, erneuerbaren Kraftsstoffe für die Flottenregulierung auch angerechnet werden können. Ein solcher Mechanismus liege bereits auf dem Tisch und könne im Rahmen des Fit-for-55 Gesetzgebungsprozesses schnell umgesetzt werden.

Welchen Beitrag die Motorenhersteller zur Erreichung der Klimaziele leisten könnten oder wollten, darauf geht der VDMA in seiner Mitteilung nicht ein. Haeusgens Vorgänger Carl Martin Welcker hatte 2019 noch erklärt, der Transformationsprozess der Mobilität sei für den Maschinenbau eine Chance auf zusätzliche Wertschöpfung. Ohnehin sollte den betroffenen Unternehmen genügend Zeit bleiben, um sich auf den Wandel einzustellen und um Geschäftsmodelle und Technologien den neuen Anforderungen anzupassen. Davon ist jetzt wohl keine Rede mehr.

Quelle: VDMA – Pressemitteilung vom 21. April 2022

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in e Fuels: News & Informationen

Kommentar: Ein Ölverband nennt sich technologieoffen

Kommentar: Ein Ölverband nennt sich technologieoffen

Sebastian Henßler  —  

Wer fordert eigentlich echte Technologieoffenheit? Ein Tankstellenverband, dessen eigenes Geschäftsmodell seit Jahrzehnten fest am Verbrennungsmotor hängt.

Studie: Biokraftstoffe verschärfen Lebensmittelkrise

Studie: Biokraftstoffe verschärfen Lebensmittelkrise

Daniel Krenzer  —  

Die Nachfrage nach Biokraftstoffen könnte bis 2030 um 70 Prozent steigen. Experten warnen vor steigenden Lebensmittelpreisen.

Studie: Profitieren E-Fuels von schwächelnder E-Mobilität?

Studie: Profitieren E-Fuels von schwächelnder E-Mobilität?

Daniel Krenzer  —  

E-Fuels unter der Lupe: Eine aktuelle Studie der E-Fuel Alliance wirft mehr Fragen als Antworten auf.

E-Fuels aus der Wüste retten den Verbrenner nicht

E-Fuels aus der Wüste retten den Verbrenner nicht

Daniel Krenzer  —  

E-Fuels gelten als Hoffnung für den Verbrenner. Doch Energieverluste, Kosten und neue Importabhängigkeiten sprechen gegen ihren Einsatz im Pkw.

EU muss ohne Verbrenner-Verbot mit deutlich mehr Emissionen rechnen

EU muss ohne Verbrenner-Verbot mit deutlich mehr Emissionen rechnen

Tobias Stahl  —  

Bei der geplanten Abschwächung des Verbrenner-Verbots muss die EU sich auf ein deutliches Plus an CO2-Emissionen einstellen, warnt Transport & Environment.

ReFuels erreichen erstmals den regulären Kraftstoffvertrieb

ReFuels erreichen erstmals den regulären Kraftstoffvertrieb

Sebastian Henßler  —  

In Mannheim startet eine Pilotanlage, die fossile, biogene und strombasierte Kraftstoffe direkt mischt und deren Klimawirkung für jede Lieferung erfasst.

Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobil- und Kraftstoffindustrie wollen mit Biokraftstoffen Verbrenner am Leben erhalten. Allerdings gibt es nicht genügend des Treibstoffs.