Viel Kritik an VDI-Studie zu Ökobilanz von E-Autos

Viel Kritik an VDI-Studie zu Ökobilanz von E-Autos
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Die im Dezember veröffentlichte Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) „Wann wird Autofahren grün“ zur Ökobilanz von Elektroautos ist auf viel Kritik gestoßen. An mehreren Punkten seien sehr pessimistische Parameter zu Ungunsten des Elektroautos verwendet worden. Der Studie nach sind Elektroautos zwar immer noch deutlich klimafreundlicher als ein Verbrennerfahrzeug, frühestens aber erst ab 65.000 Kilometern, bei Nutzung des derzeit üblichen Energiemixes erst nach 90.000 Kilometern. In anderen Studien haben E-Autos bereits ab 20.000 bis 30.000 Kilometern einen Klimavorteil. Die Automobilwoche hat nun die gravierendsten Kritikpunkte an der VDI-Studie zusammengefasst.

Kritikpunkt: Zu negative Annahmen für Batterien

Bei den Klimaauswirkungen der Fahrzeugakkus rechnet die VDI-Studie mit 105 Kilo CO2 pro Kilowattstunde, was in etwa dem negativsten angenommenen Wert in der Literatur entspricht. Andere Studien kommen jedoch auf Werte von bis zu 61 Kilo CO2 pro Kilowattstunde. Kritiker bemängeln, dass der VDI auf seinen Annahmen der Vorstudie im Jahr 2020 beharre und die jüngeren Verbesserungen in der Batterietechnologie vernachlässige.

Kritikpunkt: Zu positive Annahmen für Verbrenner-Verbrauch

Kritiker bemängeln an der VDI-Studie, dass für die Berechnungen der Klimaauswirkungen von Verbrennerfahrzeugen zu optimistische Werte verwendet worden seien. So wurde für einen Golf mit 2-Liter-Dieselmotor ein Verbrauch von lediglich 3,6 Litern Diesel auf 100 Kilometer angenommen. Ein Blick in Portale wie Spritmonitor zeigt, dass solche Werte mit der Realität selten etwas zu tun haben.

Kritikpunkt: Falsche Annahmen zum Kohlestrom-Anteil

Der VDI berechnet bei einer steigenden Anzahl von Elektroautos einen steigenden Anteil von Kohlestrom in den Strommix ein. Anstatt den derzeit knapp 400 Gramm CO2 pro Kilowattstunde rechnet die Studie mit einer CO2-Emission von 750 Gramm – das ist fast doppelt so viel wie der aktuelle Energiemix in Deutschland. Dies ist aber laut Kritikern irreführend, da der Anteil der regenerativen Energien durch Elektroautos sogar höher werden könne, weil diese bedarfsgerecht geladen werden könnten. „Wenn zudem künftig der Anteil von bidirektional nutzbaren E-Autos noch zunehme, können E-Autos zu einer wichtigen Säule der Energiewende werden“, schreibt die Automobilwoche.

Kritikpunkt: Recycling bleibt unberücksichtigt

Zwar erwähnt der VDI die Möglichkeit, dass das Recycling vor allem der Batterien die Klimabilanz des Elektroautos weiter verbessern könnte, berücksichtigt dies trotz bereits existierender Projekte auch zum Second Life von Batterien in den Berechnungen jedoch nicht.

„Fest steht somit, dass die VDI-Studie nur einen Zwischenstand beim Ringen zwischen E-Mobilität und Verbrennerwelt darstellt“, schreibt die Automobilwoche dazu – und das offenbar mit Annahmen, die die Verbrennerwelt besser und die Elektroautos schlechter dastehen lassen, als es die Faktenlage zulasse.

Umwelt-Blogger Jan Hegenberg (Graslutscher) schrieb daher bissig, aber treffend über die VDI-Studie: „Wenn Batterien viel klimaschädlicher wären als sie sind, der Strommix viel schmutziger wäre als er ist und Verbrenner viel sparsamer gefahren würden als es der Fall ist, dann wären beide Antriebsarten etwa gleich gut.“

Quelle: Automobilwoche – „Kontroverse um VDI-Veröffentlichung: Ökobilanz-Studie schlägt hohe Wellen“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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