Sollten wir Tesla wegen Elon Musk ächten?

Sollten wir Tesla wegen Elon Musk ächten?
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Elon Musk, Mitte Oktober, bei einer Wahlkampf-Veranstaltung für Donald Trump. Quelle: Anna Moneymaker / Shutterstock / 2541109931

Daniel Krenzer
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  —  Lesedauer 3 min

Ein Kommentar von Daniel Krenzer

Elon Musk hat sich selbst auf eine neue Stufe der Kontroversität gehoben. Ein schwieriger, aber genialer Kopf war er schon immer. Doch mit seinen klaren politischen Bekenntnissen – zunächst zum designierten US-Präsidenten Donald Trump und dann zu verschiedenen anderen sehr rechten bis rechtsradikalen Parteien und Politikern im Ausland inklusive der AfD – rührt er noch mehr auf als zuvor. Ein Elektroauto-Pionier, der weltweit Rechte an der Macht sehen möchte, das passt irgendwie nicht in allgemein gängige Weltbilder.

Musk ist das Gesicht von Tesla. Und unabhängig davon, was er mit seiner Einflussnahme auf die weltweite Politik bezweckt, stellt sich vielen die Frage: Wie sollen wir nun mit der Marke Tesla umgehen? Sollte man das Unternehmen von seinem Geschäftsführer getrennt betrachten? Oder sollte man Tesla zukünftig meiden, ächten, scharf kritisieren? Schaut man sich soziale Netzwerke an, so gibt es zahlreiche Menschen, die sich entweder für den einen oder den anderen Weg entschieden haben. Was sind die Gründe dafür? Dazu zwei potentielle Standpunkte.

Einerseits: Tesla ist nicht Elon Musk

Mit dem Elektroautohersteller Tesla hat Elon Musk ein weltweit agierendes Unternehmen aufgebaut, das vielen Mitarbeitern und ihren Familien ihr täglich Brot sichert. Die kann man doch nicht in Sippenhaft nehmen. Zudem ist das Unternehmen im Bereich der Elektromobilität besonders innovativ und stößt immer wieder Entwicklungen an, die auch von vielen anderen Herstellern übernommen werden. Ohne Tesla wäre die Elektromobilität heute fraglos bei Weitem nicht so weit.

Bei wenigen Herstellern ist der Geschäftsführer medial so präsent wie Musk. Wer weiß schon, wie die Chefs von Mazda, BYD oder auch Volkswagen politisch im Detail so ticken? Aus gutem Grund halten sich da die meisten eher bedeckt. Doch letztendlich herrscht Meinungsfreiheit, die von allen erfordert, öfter unliebsame Dinge auszuhalten, als einem eigentlich lieb ist. Und dann sind Teslas Elektroautos auch noch zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis zu haben, da kann man schon mal ein Auge zudrücken.

Andererseits: Tesla wird durch Musk untragbar

Elon Musk ist so unmittelbar mit Tesla verbunden, dass eine Trennung gar nicht möglich ist. Zudem nutzt Musk auch seine mit Tesla eingenommenen Milliarden dafür, einen Donald Trump und andere dubiose Gestalten zu unterstützen. Wer einen Tesla kauft, der unterstützt neuerdings indirekt rechte Parteien und verhilft einem AfD-Sympathisanten zu mehr Geld.

Meinungsfreiheit endet dort, wo die Rechte anderer beschnitten werden. Und das ist bei der AfD definitiv der Fall. Denn wer von millionenfacher Remigration schwadroniert, kann nicht nur schwarze Schafe im Visier haben. Und eine Partei, deren Politiker vor allem durch aggressives Gegeifer und beleidigendes Verhalten und dessen Anhänger absurderweise oft mit blankem Hass auf genutzte Meinungsfreiheit auffallen, muss gerade in Deutschland mit seiner unrühmlichen Geschichte konsequent beschnitten werden. Dazu gehört es auch, klare Zeichen gegen ihre Befürworter zu setzen – wie etwa Elon Musk.

Wie nun entscheiden?

Für beide Herangehensweisen gibt es freilich Argumente. Und beide Standpunkte haben zumindest in Teilen ihre Berechtigung. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich für eine der beiden Varianten entscheidet oder sich bei dem Thema einfach raushält. Dieser innere Kampf wurde zuletzt erst bei den Kollegen der Welt ausgetragen, wo am Ende zugunsten einer Veröffentlichung eines Musk-Gastbeitrages entschieden wurde, die zuständige Ressortleiterin aber infolge dessen aus Protest ihre Kündigung einreichte. Beides ist legitim, letzteres zeugt von Anstand und beachtlicher Konsequenz.

Ja, auch wir in der Redaktion haben natürlich zu diesem Thema unsere persönlichen Meinungen. Die ändern aber nichts daran, dass wir journalistisch bei der Betrachtung der Elektroautos diejenigen von Tesla weiterhin gleichwertig zu denen aller anderen Hersteller behandeln werden – auch wenn uns von besonders innigen Tesla-Fans gerne immer wieder Gegenteiliges unterstellt wird. Wenn es aber um die Person Elon Musk geht, werden wir uns auch künftig den ein oder anderen kritischen Unterton erlauben. Auch das muss Meinungsfreiheit schließlich aushalten.

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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