Kommentar: Ein Wasserstoff-Fehler namens Bielefeld

Kommentar: Ein Wasserstoff-Fehler namens Bielefeld
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Stadt Bielefeld/Umweltbetrieb

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Ein Kommentar von Sebastian Henßler

Bielefeld wollte es richtig machen. Klimaschutz im Alltag, sichtbar auf der Straße. Sieben wasserstoffbetriebene Müllwagen, Millioneninvestition, staatlich gefördert. Ein starkes Signal.
Nur: Ein Signal ersetzt kein funktionierendes System.

Wenn wie in Bielefeld Fahrzeuge regelmäßig 80 Kilometer zum Tanken fahren müssen, stimmt nicht die Tankstelle nicht – sondern die strategische Grundentscheidung. Und wenn es am Ende 180 Kilometer werden, ist nicht mehr die Infrastruktur das Problem, sondern das Konzept.

Müllfahrzeuge sind keine Fernverkehrs-Lkw. Sie fahren berechenbare Routen. Sie kehren jeden Tag zum Betriebshof zurück. Sie bewegen sich im Stop-and-Go. Genau dort spielen batteriebetriebene E-Fahrzeuge ihre Stärken aus.

Stattdessen setzt man auf Wasserstoff – also auf einen Energieträger, der erst mit erheblichem Energieeinsatz hergestellt, komprimiert, transportiert und im Fahrzeug wieder in Strom umgewandelt werden muss. Jeder dieser Schritte kostet Effizienz. Im Fernverkehr kann man das diskutieren. Im kommunalen Sammelverkehr wird es schwer, das zu rechtfertigen.

Was Bielefeld passiert ist, ist deshalb nicht nur eine Anekdote über Förderrichtlinien. Es ist ein Beispiel dafür, wie Technologiebegeisterung über Anwendungssinn gestellt wird. Man wollte die Kreislaufwirtschaft fördern: Müll wird Energie, Energie wird Wasserstoff, Wasserstoff bewegt Fahrzeuge. Das klingt rund. Aber ein Kreislauf ist nur dann sinnvoll, wenn er sich energetisch und wirtschaftlich trägt. Wenn am Ende Millioneninvestitionen stillstehen, weil die Versorgung nicht praktikabel ist, war die Reihenfolge falsch.

Das Gegenbeispiel liegt auf der Hand: In Karlsruhe setzt das kommunale Entsorgungsteam auf batterieelektrische Sammelfahrzeuge vom Typ Mercedes-Benz Trucks eEconic. Dort fährt man täglich rund 80 Kilometer. Geladen wird am eigenen Hof. Rekuperation im Stop-and-Go hilft zusätzlich. Kein Umweg, keine externe Tankabhängigkeit, kein infrastrukturelles Nadelöhr. Der Unterschied ist banal – aber entscheidend: Man hat vom Einsatzprofil her gedacht, nicht von der Förderkulisse.

Das eigentliche Problem in Bielefeld ist daher nicht, dass eine Wasserstoff-Tankstelle geschlossen wurde. Das Problem ist, dass man eine Technologie gewählt hat, die nur unter idealen Rahmenbedingungen funktioniert – in einem Einsatzbereich, der diese Idealbedingungen nicht braucht. Und von Beginn an nicht geboten hat.

Wasserstoff hat seine Berechtigung. Aber nicht überall. Im kommunalen Müllbetrieb Bielefelds wirkt er wie ein politischer Kompromiss zwischen Innovationswillen und Förderlogik. Batterieelektrik hingegen wäre dort schlicht die pragmatischere Lösung.

Die Lehre daraus ist unbequem: Nicht jede Zukunftstechnologie ist automatisch die richtige Technologie. Entscheidend ist der Anwendungsfall. Und der spricht hier eine klare Sprache.

Quelle: Bielefeld – Umweltbetrieb testet E-Müllwagen / Youtube – Realer Irrsinn: Tankstelle für Müllwagen 40 km entfernt | extra 3 / Westfalen-Blatt – Wasserstoff-Müllflotte steht jetzt still

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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