Die Türkei will bis 2053 klimaneutral werden, und bei der Elektromobilität hat das Land bereits deutlich an Fahrt aufgenommen. Eine aktuelle Analyse von Agora Verkehrswende zeigt, dass batterieelektrische Autos inzwischen einen relevanten Anteil am türkischen Neuwagenmarkt erreicht haben. Im August 2026 war bereits etwa jeder fünfte neu zugelassene Pkw rein elektrisch, in Deutschland war es zuletzt mehr als jeder vierte. Noch 2020 spielten E-Autos in der Türkei praktisch keine Rolle.
Auch der Fahrzeugbestand verändert sich entsprechend schnell. Im Juli 2026 waren gut 460.000 batterieelektrische Pkw in der Türkei registriert. Sie stellten damit 2,6 Prozent des gesamten Pkw-Bestands, 2022 waren es erst 0,1 Prozent. Gleichzeitig wächst der türkische Automarkt insgesamt stark: Seit 2014 erhöhte sich die Pkw-Flotte von rund zehn auf fast 17 Millionen Fahrzeuge.
Ein wichtiger Grund für den E-Auto-Boom ist Agora zufolge die Steuerpolitik. Die türkische Sonderverbrauchssteuer fällt für Elektroautos deutlich niedriger aus als für vergleichbare Verbrenner. Bei kleineren E-Autos beträgt sie abhängig von Preis und Leistung derzeit 25 bis 55 Prozent des Nettopreises, bei vergleichbaren Verbrennern 70 bis 100 Prozent. Für Fahrzeuge mit großen Verbrennungsmotoren können sogar bis zu 220 Prozent fällig werden. Zudem haben sich Kraftstoffe zuletzt erheblich stärker verteuert als Strom.
Togg treibt heimischen E-Auto-Markt an
Zum Wandel trägt auch der türkische Elektroautohersteller Togg bei. Mit dem SUV T10X und der Limousine T10F verfügt die Marke inzwischen über zwei rein elektrische Modelle. 2025 setzte Togg insgesamt 39.020 Fahrzeuge ab und erhöhte die Zahl seiner Nutzer auf mehr als 88.000. Im August 2026 waren T10X und T10F sogar die beiden meistverkauften Pkw-Modelle der Türkei – unabhängig von der Antriebsart.
Trotz der schnellen Entwicklung bleibt der Weg zum Klimaziel weit. Bis 2030 könnte der türkische Pkw-Bestand auf mehr als 25 Millionen Fahrzeuge wachsen. Um mit den nationalen Dekarbonisierungszielen vereinbar zu sein, müssten dann laut Agora Verkehrswende 44 Prozent der Pkw batterieelektrisch oder Plug-in-Hybride sein. Aktuell kommen elektrische und hybride Fahrzeuge zusammen auf rund sieben Prozent des Bestands.
Agora Verkehrswende empfiehlt deshalb neben weiteren Anreizen für Elektromobilität auch einen stärkeren Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie sozial ausgewogene Klimaschutzmaßnahmen. Für Europa ist die Entwicklung ebenfalls relevant: Zwei Drittel der türkischen Exporte im Automobilsektor gehen in die EU, Deutschland ist dabei der wichtigste Einzelmarkt – auch wenn die E-Autos von Togg noch nicht auf erhoffte Stückzahlen kommen.
Quelle: Agora Verkehrswende – Pressemitteilung vom 31. August 2026









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