Kilowattstunde für drei Euro bei Tibber: Was ist denn da los?

Kilowattstunde für drei Euro bei Tibber: Was ist denn da los?
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Die sozialen Medien waren am Mittwochmorgen (26. Juni) voll davon: Kunden von Tibber, ein Anbieter von dynamischen und an die Strombörse gekoppeltem Strom, posteten den aktuellen Preis pro Kilowattstunde von zwischenzeitlich um die drei Euro – das ist fast zehnmal so hoch wie sonst gewohnt. Klar, Spitzen beim Preis gibt es bei Engpässen an der Strombörse immer einmal, dafür gibt es den Strom bei viel Sonne und Wind und wenig Verbrauch auch mal geschenkt – oder es wird sogar für den Verbrauch gezahlt. Doch was war da am Mittwoch los?

Hintergrund ist offenbar, dass es technische Probleme bei den Stromauktionen an der Börse gab. „Und nun fehlt günstiger Strom aus Frankreich“, erläutert SmartDroid. Ein namentlich nicht genannter Stromhändler wird wie folgt zitiert: „Die aus anderen Ländern verkauften Mengen fehlten. Deshalb waren die deutschen Preise [auf der Epex] extrem hoch und die französischen Preise sehr schwach“. Da das Angebot auf der Strombörse demnach entsprechend niedrig war, schnellte der Preis exorbitant nach oben. Der Einschätzung eines ebenfalls namentlich nicht näher benannten Experten nach sei dies die größte Entkopplung des Strompreises, die der europäische Markt bisher jemals erlebt habe.

Wer die dynamischen Stromanbieter wie Tibber nutzt, sollte auch am Mittwochabend noch einmal ein Auge auf die Preise haben, denn auch da wird noch einmal eine solche Spitze erwartet. Wie es im Artikel von SmartDroid heißt, habe Tibber bereits seinen Kunden empfohlen, den eigenen Stromverbrauch zu drosseln. Nur einmal hochgerechnet: Wer für drei Euro pro kWh sein Elektroauto lädt, der zahlt am Ende bei einem Verbrauch von 20 kWh stolze 60 Euro pro 100 Kilometer. Doch der Höchstbetrag galt am Mittwoch nur von 6 bis 7 Uhr, von 7 bis 8 Uhr waren es dann gut 1,40 Euro, ab 9 Uhr war mit 0,35 Euro wieder alles im Lot. Doch abends sollen die Preise noch einmal auf gut 2,40 Euro steigen, ist dem Tibber-Preischart zu entnehmen.

Bei Tibber lässt sich mit einem Smart Meter oder entsprechend ausgestatteten digitalen Zähler immer exakt der stundenaktuelle Strompreis zahlen – oder die Kunden zahlen den monatlichen Durchschnittspreis pro Kilowattstunde. Dieser dürfte von den kurzen Spitzen am Mittwoch aber in Summe nur wenig beeinflusst werden, sodass keine stark erhöhten Strompreise insgesamt für den Juni zu erwarten sind.

Aktualisierung am 26.06.2024 – 11:20 Uhr

Von Tibber hat sich Merlin Lauenburg, der Deutschlandchef des Unternehmens, wie folgt geäußert: „Ausschläge wie heute kann es am Day-Ahead-Markt der Strompreisbörse unter normalen Umständen und ohne technische Probleme eigentlich nicht geben. Dazu haben wir unsere Kund:innen bereits gestern Abend vorgewarnt. Die ungewöhnlich hohen Preisspitzen beschränken sich auf einige Stunden, in denen unsere Kund:innen mit stündlich-dynamischem Tarif zudem automatisch so wenig Strom wie möglich verbrauchen. Die Tibber-App kann Großverbraucher wie E-Autos so steuern, dass sie automatisch dann betrieben oder geladen werden, wenn der Strompreis am niedrigsten ist.“

Ferner ordnet es Lauenburg weiter ein und erklärt, dass Kund:innen im monatlich-dynamischen Tarif, bei dem verbrauchsgenau zum durchschnittlichen Börsenstrompreis des Monats abgerechnet wird, aufgrund der kurze Preisspitze auf den Monat gerechnet lediglich eine Erhöhung von weniger als 2 Cent pro Kilowattstunde verzeichnen sollen. Dies bedeutet, für einen durchschnittlichen 3-Personen-Haushalt wären das weniger als 5 Euro auf der Monatsrechnung.

Quelle: SmartDroid – „Probleme mit Strombörse sorgen für 3 Euro je kWh“ / Tibber – Per Mail am 26.06.2024

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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