Ursprünglich wollte Tesla-Chef Elon Musk in Grünheide nahe Berlin eine riesige Batteriefabrik bauen. Bis zu 250 Gigawattstunden Kapazität pro Jahr standen im Raum, ehe es um diese Idee ganz still wurde und in Brandenburg wohl nur noch große Optimisten (oder Pessimisten, je nachdem wie man es mit Tesla hält) damit rechneten, dass daraus überhaupt etwas wird. Nun berichtet aber die Berliner Zeitung: Ab 2027 soll eine Batteriefabrik den Betrieb aufnehmen, allerdings zunächst einmal mit bis zu 8 GWh Kapazität, was 3,2 Prozent der einstigen Utopie entspricht. Bislang wurden in Grünheide nur einzelne Komponenten für Batterien hergestellt.
Die neue Perspektive auf Teslas Batteriepläne in Grünheide sind ein vorsichtiges Comeback eines lange verschobenen Kapitels – weniger visionär, dafür greifbarer. Die nun geplante Kapazität entspricht der Größenordnung, die etwa 100.000 bis 130.000 Elektroautos mit Batterien versorgen könnte – ein solider Einstieg, aber weit entfernt von einer vollständigen Versorgung des Standorts. Denn bei Vollauslastung könnten in Brandenburg aktuell gut 375.000 Elektroautos pro Jahr hergestellt werden, auch wenn Tesla von diesen Zahlen aktuell deutlich entfernt ist.
Dass Tesla überhaupt wieder über Zellfertigung in Brandenburg spricht, ist bemerkenswert. In den vergangenen Jahren hatte sich der Fokus des Unternehmens deutlich Richtung USA verschoben, wo hohe staatliche Förderprogramme für Batterieproduktion lockten. Europa galt für den US-amerikanischen Hersteller dagegen als komplizierter Markt: höhere Energiekosten, strengere Umweltauflagen, komplexere Genehmigungsverfahren. Umso klarer ist das Signal, das Tesla mit der Wiederbelebung des Projekts sendet – der Standort Grünheide soll mehr sein als eine reine Fahrzeugmontage.
Strategisch ist der Schritt logisch. Eine eigene Zellproduktion vor Ort bedeutet kürzere Lieferketten, bessere Kontrolle über Kosten und Technologie sowie mehr Wertschöpfung in Europa. Gleichzeitig bleibt das Projekt ein pragmatischer Kompromiss: Die geplante Kapazität deckt nur einen Teil des Bedarfs, der Rest dürfte weiterhin aus externen Quellen stammen. Der Aufbau erfolgt also modular – mit der Option, später zu skalieren, falls Markt und Technik mitspielen.
Technologisch setzt Tesla dabei auf die deutlich verspätete 4680-Zellgeneration, die als Schlüssel für höhere Energiedichte und geringere Kosten gilt. Allerdings hat sich genau diese Technologie bisher als komplex erwiesen: Produktionsprobleme, Ausschussquoten und schwierige Hochläufe begleiteten die Einführung. Der geplante Starttermin 2027 lässt darauf schließen, dass Tesla inzwischen mehr Vertrauen in die Beherrschbarkeit der Prozesse hat, ohne jedoch das Risiko einer großen Kapazitätsexpansion einzugehen.
Ein Gewinn für Brandenburg
Für Brandenburg ist die Entwicklung dennoch ein Gewinn. Eine Zellfertigung stärkt die industrielle Basis der Region, schafft zusätzliche Arbeitsplätze und erhöht die Bedeutung der Gigafactory im europäischen Kontext. Gleichzeitig bleibt das Umfeld angespannt: Absatzprobleme im globalen E-Auto-Markt, Kostendruck und Diskussionen über Arbeitsbedingungen werfen Fragen auf, wie nachhaltig der Ausbau tatsächlich sein wird.
Am Ende steht ein Projekt, das weniger spektakulär klingt als Musks frühere Ankündigungen – aber realistischer. Statt Gigafactory-Gigantismus entsteht ein erster konkreter Schritt Richtung europäischer Batterieproduktion. Für Tesla ist das kein großer Wurf, sondern ein pragmatischer Neubeginn. Und genau darin liegt möglicherweise seine Stärke.
Quelle: Berliner Zeitung – Batterien aus Brandenburg: Wie Elon Musk das Werk in Grünheide retten will








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