Tesla: Massive Einbrüche beim Gewinn durch Preisreduktion

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Tesla

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Tesla musste im ersten Quartal 2023 einen leichten Umsatzrückgang verzeichnen. Der Gewinn des amerikanischen Automobilherstellers sank massiv. Stark getrieben durch die Preissenkungen in der jüngsten Vergangenheit.

In den ersten drei Monaten des Jahres 2023 konnte Tesla einen Umsatz von 23,33 Milliarden US-Dollar erwirtschaften, davon 19,96 Mrd. Dollar aus dem Automotive-Bereich des Unternehmens. Im vorherigen vierten Quartal 2022 kam das Unternehmen zuletzt auf einen Umsatz von 24,32 Mrd. Dollar. Der Gewinn fiel deutlich rückläufiger als der in den Vorquartalen aus. Tesla brachte es im ersten Quartal auf lediglich 2,51 Mrd. Dollar Gewinn, was einem Rückgang von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal (Q1/2022 – 3,32 Mrd. Dollar) sowie von 32 Prozent gegenüber dem Vorquartal (Q4/2022 – 3,69 Mrd. Dollar) gleichzusetzen ist.

CO₂-Zertifikat-Verkauf zahlt auf Quartalsgewinn von Tesla ein

Bedenkt man nun noch, dass ein Teil der Umsätze, die ohne „Eigenleistung“ erzielt wurden, aus dem Verkauf von CO₂-Zertifikaten (regulatory credits) stammten – 521 Millionen Dollar – ordnet dies das Ergebnis entsprechend ein. Tesla berichtet regelmäßig über die eigene Marge. Eine Marge, die auf 11,4 Prozent gesunken ist, von Werten, die sich üblicherweise bei um die 15 Prozent bewegen. Dies war zu erwarten, da die Basis für teils massive Preissenkungen weltweit ihren Ausschlag geben mussten.

Tesla selbst begründet dies eher mit höheren Beschaffungskosten für Rohstoffe, Aufwände im Logistikbereich und Garantien. Ebenso seien Investments in das Hochfahren der 4680-Zellfertigung getätigt worden. Der E-Autohersteller meint damit umgehen zu können: „Obwohl wir im ersten Quartal bei vielen Fahrzeugmodellen in allen Regionen Preissenkungen durchgeführt haben, haben sich unsere operativen Margen in einem überschaubaren Rahmen reduziert. Wir erwarten weitere Kostensenkungen bei unseren Fahrzeugen, einschließlich verbesserter Produktionseffizienz in unseren neuesten Fabriken und geringere Logistikkosten, und wir konzentrieren uns weiterhin auf operative Hebelwirkung bei unserer Skalierung“, so Tesla im Quartalsbericht für den Zeitraum Januar bis März 2023.

Die Aussage erscheint zumindest in Bezug auf eine Meldung des Herstellers zur letzten Preissenkungswelle stimmig. Dort gab man zu verstehen, dass diese Preissenkungen aus dem Grund möglich seien, dass Tesla seit der Einführung des Model 3 in Europa im Jahr 2019 die Fertigungskapazitäten exponentiell skaliert und verbessert hat. Hierdurch werde es möglich, das „beste Produkt zu branchenführenden Kosten herstellen“ zu können.

Tesla hält an Jahresziel von 1,8 Millionen Fahrzeugen in 2023 fest

Zur Einordnung: Anfang April wurde bekannt, dass der amerikanische Automobilhersteller 422.875 E-Fahrzeuge ausgeliefert hat. Gleichzeitig habe man in den ersten drei Monaten des Jahres 440.808 Elektroautos gefertigt. Der Absatz selbst setzt sich aus 412.180 Model 3 und Model Y sowie 10.695 Model S und Model X zusammen. Produziert wurden 421.371 Einheiten von Model 3/Y und 19.437 Model S/X, so Tesla in seiner offiziellen Mitteilung.

An dem bereits vor drei Monaten publik gemachte Produktionsziel von 1,8 Millionen Einheiten für 2023 halte man fest. Ansonsten gab man nur zu verstehen: „Cybertruck ist weiterhin auf Kurs, um noch in diesem Jahr in der Gigafactory Texas die Produktion aufzunehmen. Darüber hinaus machen wir weiterhin Fortschritte bei unserer Plattform der nächsten Generation.“

Quelle: Tesla – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Smartino:

Auch ich glaube, dass Tesla zu hoch bewertet ist. Deshalb habe ich meine Teslapapiere längst abgestossen. (und leider in VOW3 umgetauscht).

Aber seither sind die Aktien von VW auch in ein Jammertal gestürzt, trotz tiefem KGV: -54% in 2 Jahren!
Darüber äussert sich Marc nie. Ich möchte von ihm wissen, wie er diesen Absturz schönredet, obwohl er damals VW in den Himmel gelobt und ständig auch bei jeder unpassenden Gelegenheit auf Tesla herumgehackt hat. Soviel zur Trefferquote seiner Prognosen.

Frank Beetz:

Ich kann da ehrlich gesagt auch kein Teslabashing sehen.

Der Aktienkurs ist innerhalb von 18 Monaten von 400.- auf gestern 165.- gefallen – das sind nunmal die objektiven Tatsachen. Ich denke die darf man schon mal aussprechen.

Und Tatsache ist auch, dass selbst bei diesem Kurs das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Tesla bei 47 steht.

Nur mal so zum Vergleich, VW:4 (bei ca. 8 Mio Fahrzeugen) !!!

Tesla ist derzeit ein Luftschloss – wenn die Produktion und der Verkauf irgendwann mal bei 3 Mio Autos liegt (frühestens in 2025) und der Kurs der Aktie bei 50.- (ich denke vor 2025), dann stimmen die Proportionen wieder.

Kein Mensch glaubt, dass Tesla Pleite geht – aber ich denke die Marke ist jetzt als Autobauer angekommen – eine von vielen.

Marc:

Es ist kein Bashing. Das verbitte ich mir. Ich nenne Argumente und trage sie in gescheiter Form vor. Dass da eine Meinung hintersteckt, ist bei jedem Kommentator so. Das ist ja das Ziel, dass es unterschiedliche Meinungen zu einem Thema gibt. Ich verstehe mich auch als Korrektiv zur unkritisch jubelnden Tesla-Gefolgschaft.

Smartino:

Diese Burg ist aber verdammt resistent, denn laut deinen ständigen Tesla-Untergangs-Prognosen brennt sie schon seit mindestens 2 Jahren lichterloh. Ich kann verstehen, dass du deshalb frustriert bist.

PS: Ich fahre keinen Tesla, aber dein notorisches Teslabashing ist einfach überflüssig.

Marc:

Wenn Tesla zum Quartalsende Sonderpreise macht, ist das wie beim Benzinpreis. Ist zwar klar zu sehen, aber nicht transparent, weil kurzfristig hin und her geändert. Außerdem wird indessen tatsächlich Rabatt am Telefon offeriert.

Wie auch immer Tesla-Freunde sich das schönreden, an der Börse wird das so gesehen, wie ich das sehe. Da brennt gerade die Burg.

Smartino:

„Gut, das hatte ich prognostiziert.“
Schön, wenn endlich mal eine deiner Prognosen zutrifft. In den letzten 2 Jahren sind sie meistens krass danebengelegen.

„Man hat den Kunden unfreiwillig zu hochvolatilem Kaufverhalten, das von Rabatten gesteuert wird, erzogen.“

Da redest du wohl von den etablierten deutschen Marken. Diese verscherbeln ihre Autos oft mit undurchsichtigen Rabatten. Gelesen in diesem Forum in einem Beitrag von brain: Er hat für seinen BMW stolze 18 % Rabatt ausgehandelt. Im Klartext heisst das: wer nicht feilscht wie auf dem Kamelmarkt in Riad und mindestens 15% Rabatt herausholen kann, muss sich betrogen fühlen.

Meines Wissens hatte Tesla immer klare Preise im Internet offengelegt. Und klar: Wenn der Hersteller die Produktionkosten senken kann, müssen auch die Verkaufspreise sinken!

MMM:

Ja, das sehe ich auch so. Vor allem fehlt ein „zivil motorisiertes“ Basismodell, also die Heckantriebsvariante, die es ja schon mal gab. In Verbindung mit einem etwas kleineren Akku (vielleicht 80 oder 85 kWh) müsste das Auto unter 80k€ kosten. Das ließe sich vielleicht verkaufen. Aktuell kommt ein Model S nicht unter 103.700 € ins Haus, und das auch nur in weiß. Das ist schon sehr, sehr stramm.

Immerhin gibt es inzwischen vernünftige Lenkräder zur Auswahl. Fehlen noch die zwei Hebelchen für Fahrtrichtung (vorwärts, rückwärts) und Blinker, dann wäre das gar kein schlechtes Auto.

Frank Beetz:

Wer auf Gedeih und Verderb wachsen will (oder muss?), der muss aber auch Produkte haben, die den Markt abdecken.

Mit 4 Auto-Modellen von denen 2 ihren Zenith schon lange gesehen haben, kann man den Weltmarkt nicht aufrollen.

Tesla ist jetzt ein Autohersteller wie alle anderen auch !

Jakob Sperling:

Firmen präsentieren auch Bilanzen für die Zukunft. Den sinkenden Gewinn sieht man erst dort. Das war der Ursprung der ganzen Meldung.

Frank Beetz:

Ich denke so langsam schalten die Käufer und Anleger wieder Ihr Gehirn ein.

Die Annahme das Tesla alle anderen etablierten Autobauer verdrängen würde – war und ist lächerlich.
Deren Kassen sind voller als je zuvor – dieser „Preiskrieg“ den Musk da führen möchte, verursacht bei Mercedes, VW und Co höchstens ein Achselzucken und kostet vielleicht ein paar Prozent Nettorendite – aber das war es dann auch.

Nicht alle Menschen wollen einen Tesla fahren und inzwischen bieten Dutzende von Herstellern EVs an, die weit begehrenswerter sind als die alten und verstaubten Modelle von Tesla.

Die Bewertung von Tesla an den Börsen im Vergleich zum Rest der Autobauer ist aber auch nach diesem Einbruch noch utopisch.

Ich würde jetzt retten was zu retten ist :-)

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