Tesla öffnet sich bidirektionalem Laden – Hardware bereits verbaut

Tesla öffnet sich bidirektionalem Laden – Hardware bereits verbaut
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Anwendungen und Elektroautos für Vehicle-to-Grid (V2G) sind für den Endkunden noch gar nicht verfügbar. Doch es gibt bereits Projekte, die das bidirektionale Laden noch einfacher machen wollen. Neben entsprechenden Testprojekten von beispielsweise Nissan oder auch VW scheint es zumindest noch keine Serienlösung am Markt zu geben. Dies könnte sich zeitnah ändern. Denn wie das Branchenportal electrek.co nun von einem Elektrotechniker erfahren hat, welcher für einen Konkurrenten am „Teardown“ eines Model 3 beteiligt war, sollen sowohl das Model 3, als auch das Model Y für das bidirektionale Laden vorbereitet sein.

Notwendig könnte diese Technologie werden, da man davon ausgehen kann, dass das Ansteigen von Elektrofahrzeugen auf der Straße, die Nachfrage nach Elektrizität erhöhen wird. Durch die Möglichkeit E-Autos aktiv in das Stromnetz einzubinden, um beispielsweise Strom-Nachfragespitzen abzufedern, können diese Teil der Lösung sein. Erst Mitte März gab Chefstratege Michael Jost zu verstehen, dass die Batterien von Elektroautos zur Stabilisierung des Energienetzes genutzt werden können. Hierzu sollten die Batterie in Zeiten des Überangebots aufgeladen und der Strom zu Zeiten, in denen die Versorgung mit Strom aus Wind- und Sonnenenergie gering ist, wieder an das Netz verkauft werden.

In der Vergangenheit von Tesla war es so, dass sowohl Tesla-CEO Elon Musk als auch Mitbegründer und ehemaliger CTO JB Straubel Bedenken geäußert hatten, die Möglichkeit einer bidirektionale Aufladung in Tesla-Fahrzeuge zu integrieren. Ausschlaggebend sei hierfür sei die Gefahr einer beschleunigten Batteriealterung. Zudem sei zum damaligen Zeitpunkt die Anzahl an Tesla-Fahrzeugen zu gering gewesen, um einen Unterschied am Stromnetz herbeizuführen. Mittlerweile bewegt man sich aber auf eine Anzahl an Fahrzeugen zu, welche durchaus einen Unterschied machen könnten.

2018 schien Musk bereits ein wenig umzuschwenken und erklärte, dass Tesla die Vehicle-to-Grid-Technologie „überdenken“ könnte. Der Elektrotechniker, welcher mit dem Auseinanderbauen des Model 3 beauftragt war, konnte in Erfahrung bringen, dass das verbaute Ladegerät bereits bidirektionales Laden ermöglicht. Seine Aussage gegenüber electrek lautete wie folgt: „Was ich beim Auseinandernehmen des Model-3-Ladegeräts gelernt habe, ist, dass das Design vollständig bidirektional ist. Das bedeutet, dass Strom auf die gleiche Weise wie im vorherigen Beispiel von Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt werden kann, aber auch Strom in umgekehrter Richtung fließen kann, der von der Batterie kommt und auf der Wechselstromseite landet. Dies wird als DC/AC-Wechselrichter bezeichnet, und wenn diese Technologie in einem Fahrzeug vorhanden ist, wird sie als V2G (Vehicle to Grid) bezeichnet.“

Der Elektrotechniker zeigt sich zuversichtlich, dass die bidirektionale Ladefähigkeit des Tesla Model Y als auch Tesla Model 3 durch ein Over-the-Air-Software-Update ermöglicht werden könnte. Dies wäre ein weiterer, wichtiger Schritt für die E-Mobilität nach vorne, wenn auf einen Schlag sämtliche Tesla Model 3 / Model Y die Fähigkeit zum bidirektionalen Laden erhalten würden. Wir warten gespannt auf weitere Entwicklungen aus dem Hause Tesla.

Quelle: electrek.co – Tesla quietly adds bidirectional charging capability for game-changing new features

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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