Argylium: Europäischer Elektrolyt für Feststoffbatterien

Argylium: Europäischer Elektrolyt für Feststoffbatterien
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Maria Glaser
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Syensqo und Axens gaben Anfang des Jahres die Gründung von Argylium bekannt, einem neuen Unternehmen, das sich der Entwicklung und Produktion fortschrittlicher Elektrolyte für Feststoffbatterien in Europa widmet. Diese Zusammenarbeit sei ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Innovationskraft Europas bei der Batterieentwicklung der nächsten Generation, so die Pressemitteilung. Materialien für Feststoffbatterien marktreif zu machen, das sei die Idee von Argylium, so der Leiter für Forschung und Innovation bei Syensqo, Thomas Canova.

Vor allem angesichts der marktdominierenden Konkurrenz aus China mit Unternehmen wie CATL sowie der kaum nennenswerten europäischen Batterieindustrie ist der Bedarf an europäischen Unternehmen in der Branche groß. Feststoffbatterien werden als mögliche Weiterentwicklung heutiger Lithium-Ionen-Akkus betrachtet. Durch den Einsatz fester Elektrolyte anstelle flüssiger Komponenten bieten sie Vorteile in Bezug auf Sicherheit, Energiedichte und Ladegeschwindigkeit. Durch höhere Energiedichten lassen sich im Falle von Elektroautos weitere Reichweiten erzielen. Herstellung, Materialstabilität und Skalierbarkeit gelten jedoch weiterhin als zentrale Herausforderungen für eine breite industrielle Anwendung.

Mit der Gründung bündeln die beiden Unternehmen ihre Aktivitäten im Bereich Feststoffbatterien und führen unterschiedliche Kompetenzen zusammen. Argylium baut auf einem bestehenden Pilotprojekt von Syensqo auf, das in La Rochelle betrieben wird, sowie auf mehr als zehn Jahren Forschungs- und Entwicklungsarbeit in den Laboren des Unternehmens bei Paris. Der Schwerpunkt des neuen Unternehmens, ebenfalls mit Sitz in Frankreich, soll auf der Überführung dieser Forschungsergebnisse in industrielle Prozesse zur Herstellung von Sulfid-Festelektrolyten liegen.

Grundsätzlich bringe Syensqo Erfahrung in der Entwicklung fortschrittlicher Werkstoffe ein, so die Pressemitteilung. Das Wissenschaftsunternehmen verfügt über ein vielfältiges, globales Team von mehr als 13.000 Mitarbeitenden in 30 Ländern und arbeitet an nachhaltigen Produkten im Sinne einer Kreislaufwirtschaft, beispielsweise in den Bereichen Haushalt, Transport oder Anwendungen im Gesundheitswesen. Axens wiederum ist ein Unternehmen im Energiesektor und produziert Katalysatoren für die Öl- und Chemieindustrie. Es verfügt über langjährige Expertise im Prozessdesign, in der industriellen Skalierung und im weltweiten Betrieb großtechnischer Anlagen in der anorganischen Chemie.

Argyliums Strategie sei es, industrielle Anlagen in Europa für die Herstellung fortschrittlicher Batteriematerialien für Kathoden sowie das Recycling von Black Mass zu entwickeln, so der Executive Vice President für neue Entwicklungen und Transformation bei der Axens Group, Fabrice Bertoncini. Unter Black Mass versteht man die dunkle, pulverförmige Substanz, die nach dem Schreddern von Lithium-Ionen-Akkus während des Batterierecyclings übrig bleibt. Die entsteht aus wertvollen Rohstoffen, wie Lithium, Kobalt, Nickel oder Graphit.

Unterstützt wird Argylium durch das Know-How von IFPEN, einem französischen Forschungsinstitut für neue Energien mit Forschungszentrum in Lyon. IFPEN ist insbesondere in der Materialforschung sowie bei oxid- und sulfidbasierten Werkstoffen tätig. „Durch die Zusammenarbeit mit Axens und IFPEN verbessern wir die Chancen für eine erfolgreiche Skalierung der Pilotinnovationen von Syensqo und tragen dazu bei, die Ambitionen Europas im Bereich Elektrifizierung und Energiespeicherung voranzutreiben“, so Thomas Canova.

Produktionsskalierung von Feststoffelektrolyten

Nach Angaben der beteiligten Unternehmen soll Argylium eng mit europäischen Forschungseinrichtungen, Automobilherstellern, Batterieproduzenten und Akteuren aus dem Energiesektor zusammenarbeiten. Ziel sei es, die Voraussetzungen für eine mögliche kommerzielle Nutzung von Sulfid-Feststoffelektrolyten bis zum Ende des Jahrzehnts zu schaffen, so Fabrice Bertoncini. Argylium will in diesem Bereich marktführend werden.

Mit Argylium entsteht damit eine neue Industrieinitiative, die darauf abzielt, einen Teil der Wertschöpfungskette für Feststoffbatterien in Europa aufzubauen. Ob daraus ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil gegenüber asiatischen und nordamerikanischen Anbietern entsteht, hängt maßgeblich von der erfolgreichen Skalierung der Technologie und ihrer wirtschaftlichen Umsetzbarkeit ab.

Quelle: Axens und Syensqo – Pressemitteilung vom 6. Januar 2026

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Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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