Lithium aus Portugal: Lifthium Energy erhält 180 Millionen Euro vom Staat

Lithium aus Portugal: Lifthium Energy erhält 180 Millionen Euro vom Staat
Copyright:

Shutterstock / 2614231745

Tobias Stahl
Tobias Stahl
  —  Lesedauer 2 min

Das portugiesische Unternehmen Lifthium Energy erhält eine staatliche Förderung in Höhe von 180 Millionen Euro für den Bau einer Lithiumraffinerie im Norden des Landes. Das Unternehmen will mit der Raffinerie den schnell wachsenden Markt für E-Auto-Batterien bedienen, heißt es in einem Reuters-Bericht.

Mit 60.000 Tonnen Lithiumreserven ist Portugal Europas führender Lithiumproduzent. Lifthium will zudem Rohstoffe aus verschiedenen Regionen der Welt beziehen, darunter auch Südamerika. Bislang beliefert das Unternehmen hauptsächlich die Keramikindustrie, erst seit Kurzem strebt Lifthium auch die Produktion von Lithium in Batteriequalität an.

Das portugiesische Unternehmen meldete, dass die nicht rückzahlbare Förderung aus dem befristeten Krisen- und Transformationsrahmen („Temporary Crisis and Transition Framework“) der Europäischen Union gewährt wurde, der staatliche Anreize zur Beschleunigung der ökologischen und industriellen Transformation ermöglichen soll. Lifthium gehört zu 85 Prozent dem portugiesischen Mischkonzern José de Mello, weitere 5 Prozent sind im Besitz der Tochtergesellschaft Bondalti.

Die Raffinerie soll in der nordportugiesischen Stadt Estarreja entstehen, etwa 50 Kilometer südlich von Porto. Die José-de-Mello-Tochtergesellschaft Bondalti, Portugals größter Chemiekonzern, betreibt dort bereits mehrere Standorte. Lifthium strebt laut eigener Aussage an, den Betrieb in Estarreja bis 2030 aufzunehmen. Lifthium-Chef Duarte Braga erklärte, das Projekt schreite „mit Sorgfalt und Umsicht” voran, da der Markt für Lithium und das industrielle Umfeld in Europa in den letzten zwei Jahren deutlich schwieriger geworden seien.

Die staatlichen Anreize seien wichtig, aber derzeit liege der Schwerpunkt darauf, einen strategischen Partner zu finden und die Markt- und Finanzierungsbedingungen zu festigen, bevor eine endgültige Investitionsentscheidung getroffen werde, so Braga weiter. Neben dem Werk in Estarreja könnte Lifthium eine weitere Raffinerie in Spanien bauen, erklärte der Unternehmenschef.

Genug Lithiumhydroxid für rund 2 Millionen Elektroautos pro Jahr

Lifthium strebt eine jährliche Raffineriekapazität von 50.000 Tonnen Lithiumhydroxid an – das wäre ausreichend, um Antriebsbatterien für etwa zwei Millionen Elektroautos zu liefern, wobei proprietäre Technologien zum Einsatz kommen sollen, die den europäischen Umwelt- und Industriestandards entsprechen.

Die portugiesische Regierung hofft indes, noch in diesem Jahr eine lange verzögerte Ausschreibung für Lithium-Prospektionslizenzen zu starten. Die Lizenzen gelten als Schlüssel zum Aufbau einer heimischen Wertschöpfungskette und sollen Europas Abhängigkeit von Lithiumimporten aus Ländern wie China reduzieren.

Quelle: Reuters – Portugal’s Lifthium wins $210 million grant for lithium refinery

worthy pixel img
Tobias Stahl

Tobias Stahl

Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

Technologiefehler kosteten Europas Batterieindustrie Jahre

Technologiefehler kosteten Europas Batterieindustrie Jahre

Sebastian Henßler  —  

Europa setzte auf NMC, China auf LFP. Die Folgen dieser Entscheidung prägen heute Kosten, Know-how und Machtverhältnisse im Batteriemarkt.

Kreislaufwirtschaft: Deutschland unter den Vorreitern beim Batterierecycling

Kreislaufwirtschaft: Deutschland unter den Vorreitern beim Batterierecycling

Michael Neißendorfer  —  

Das Batterierecycling gehört zu den bedeutenden Zukunftsfeldern für die deutsche Wirtschaft. Um sein Potenzial zu nutzen, braucht es weitere Innovationen.

Salz statt Lithium: Eine neue Option für Batterien?

Salz statt Lithium: Eine neue Option für Batterien?

Sebastian Henßler  —  

Natrium-Ionen-Batterien gelten als mögliche Alternative zu Lithium. Warum Salzbatterien strategisch wichtig werden und was das für Europa bedeutet.

Kaiserslautern: ACC gibt Pläne für Batteriefabrik endgültig auf

Kaiserslautern: ACC gibt Pläne für Batteriefabrik endgültig auf

Tobias Stahl  —  

Der Batteriehersteller ACC wird keine Fabrik in Kaiserslautern errichten. Das gab das Unternehmen nun bekannt – und verwies auf die schwache Nachfrage.

Warum Europas Rohstofffokus am Kernproblem vorbeigeht

Warum Europas Rohstofffokus am Kernproblem vorbeigeht

Sebastian Henßler  —  

Lithium ist global verfügbar, doch Europa fehlt die industrielle Basis. Ein Lithium-Experte erklärt, warum Zellfertigung wichtiger ist als Rohstoffzugang.

Stellantis: Probleme in Batteriefabrik verzögern E-Auto-Modelle

Stellantis: Probleme in Batteriefabrik verzögern E-Auto-Modelle

Laura Horst  —  

Bei Stellantis kommt es zu Verzögerungen in der E-Auto-Montage, weil der Batteriehersteller ACC weitaus weniger Batterien pro Monat liefern kann als geplant.

Ohne China geht es nicht: Europas Batterie-Dilemma

Ohne China geht es nicht: Europas Batterie-Dilemma

Sebastian Henßler  —  

Nicht der Rohstoff begrenzt Europas Energiewende, sondern fehlende Skalierung. Ein nüchterner Blick auf Zellchemie, Industriepolitik und Lernkurven.