Wie sich Stromkosten auf die Gesamtkosten eines E-Autos auswirken

Wie sich Stromkosten auf die Gesamtkosten eines E-Autos auswirken
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Elektroautos sind emissionsfrei und leise unterwegs und gelten als modern – doch sind sie auch wirtschaftlich sinnvoll? Diese Frage beantwortet regelmäßig der ADAC, der die aktuellen Gesamtkosten von Elektroautos, Plug-in-Hybriden sowie Benzin- und Dieselfahrzeugen miteinander vergleicht und stets aktuell hält. In einer aktuellen Auswertung vergleicht der Automobilclub, wie sich unterschiedliche Stromkosten auf die Vollkosten über eine Haltedauer von fünf Jahren bei einer jährlichen Kilometerleistung von 15.000 Kilometern auswirken.

Zwar ist das Angebot an bezahlbaren Elektroautos gewachsen und die Listenpreise sinken leicht, dennoch schneiden E-Autos im direkten Kostenvergleich oft noch schlechter ab als die vergleichbaren Verbrenner-Modelle. Hauptgrund ist der höhere Wertverlust durch die höheren Anschaffungskosten, dieser ist unabhängig vom Antrieb der mit Abstand größte Kostenfaktor. Auch gestiegene Ladepreise an öffentlichen Säulen und die aktuell moderaten Spritpreise sorgen dafür, dass Verbrenner meist günstiger unterwegs sind.

Bei Betrachtung der einzelnen Fahrzeugklassen fällt auf, dass es ab der unteren Mittelklasse durchaus E-Autos gibt, die in der Kostenbetrachtung günstiger sind als ihre jeweiligen Verbrenner-Pendants. Sobald die Anschaffungskosten eines E-Autos mit denen eines Verbrenners vergleichbar sind, gewinnt im Regelfall das E-Auto aufgrund der niedrigeren Kosten für den Treibstoff bzw. Strom. Im Segment der E-Klein- und -Kleinstwagen fehlen jedoch konkurrenzfähige Angebote, die nötig sind, um den Hochlauf der Elektromobilität zu beschleunigen.

Ein entscheidender Faktor bei Elektroautos sind die Stromkosten, die jedoch abhängig von den Lademöglichkeiten stark variieren. Deshalb hat der ADAC vier typische Szenarien durchgerechnet – von der PV-Anlage zuhause (18 Ct/kWh) bis hin zur reinen Nutzung öffentlicher Ladeinfrastruktur (60 Ct/kWh). Das Ergebnis: Bei teurem Strom sind E-Autos kaum konkurrenzfähig. Nur bei 16 Prozent der Modellvergleiche ist der Stromer günstiger als Diesel oder Benziner. Legt man die günstigen 18 Ct/kWh zugrunde, schneiden immerhin 36 Prozent der E-Modelle besser ab.

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ADAC

Die drei obigen Beispiele zeigen, dass man bei einem Strompreis von 18 Ct/kWh mit den elektrischen Modellen günstiger fährt als mit den entsprechenden Verbrenner-Optionen. Schon bei einem angenommenen Strompreis von 35 Ct/kWh sieht es anders aus: Dann sind beim BMW und beim Cupra die Dieselmodelle günstiger. Beim Opel Astra ist dies ab einem Strompreis von 45 Cent der Fall.

Ob sich ein Plug-in-Hybrid lohnt, hängt stark vom Fahrverhalten ab. Wer häufig elektrisch fährt und regelmäßig günstig lädt, kann profitieren. Ohne konsequentes Nachladen kehren sich die Vorteile jedoch schnell ins Gegenteil um – und die Kosten liegen deutlich höher.

Damit Elektromobilität wirtschaftlich attraktiver wird, fordert der ADAC mehr günstigere E-Modelle sowie faire, transparente Preise an öffentlichen Ladesäulen. Erst bei sinkenden Ladekosten und Kaufpreisen können E-Autos in allen Fahrzeugklassen mit Verbrennern konkurrieren.

Quelle: ADAC – Pressemitteilung vom 02.05.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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