Berlin im Januar 2026. Ein Sabotageakt legt große Teile des Stromnetzes lahm, Tausende Haushalte sitzen über Tage im Dunkeln und blicken auf eine der verwundbarsten Seiten moderner Versorgungssysteme. Von diesem Blackout begleitet ist auch Krakeele zu vernehmen, das vor der Nutzlosigkeit von E-Autos in solchen Situationen warnt. Doch das ist Quatsch, denn E-Autos sind in solchen Situationen künftig immer mehr Lösung als Problem. Denn in diesen Tagen rückt eine Frage in den Fokus, die manche bislang eher als theoretisches Zukunftsthema abgetan haben: Können Elektroautos im Krisenfall als Notstromquelle dienen?
Die Antwort lautet: Jein – doch das Potenzial wächst. Denn der Akku eines Elektroautos ist weit mehr als nur Antriebsenergie für Straße und Alltag. Mit modernen Ladetechnologien lässt sich dieses Energiespeicher-Potenzial künftig auch für die Stromversorgung von Haushalten, Geräten und – perspektivisch – sogar lokalen Netzen nutzen. Über das sogenannte bidirektionale Laden berichtete nun auch das Nachrichtenportal NTV.
Bereits heute gibt es Elektroautos, die über Vehicle-to-Load (V2L) Strom aus der Batterie abgeben können – etwa über eine 230-Volt-Steckdose direkt am Fahrzeug. Damit lassen sich kleinere Geräte laden, Camping-Equipment betreiben oder im Notfall ein Heizlüfter versorgen. Doch das ist nur der Anfang. Der nächste Schritt heißt Vehicle-to-Home (V2H): Hier wird das E-Auto zur Power-Bank fürs Haus. Die Batterie speist dann über eine bidirektionale Wallbox Strom in das Hausnetz – ganz ähnlich wie ein stationärer Speicher. Diese Technologie steckt aktuell zwar noch in vielen Piloten und frühen Installationen einiger Pioniere, zeigt aber, dass das Elektroauto im Krisenfall den klassischen Benzin-Generator ersetzen kann.
Zehn Tage Strom für einen Haushalt
Auch auf LinkedIn diskutieren Experten genau diesen Wandel: V2H könnte ein E-Auto in die Lage versetzen, nicht nur Beleuchtung und Kühlschrank zu versorgen, sondern auch ganze Wohnbereiche – vorausgesetzt, Fahrzeug, Wallbox und Elektroinstallation sind entsprechend vorbereitet. Ein 80 kWh großer Akku könnte einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3000 kWh etwa zehn Tage mit Strom versorgen, ohne außerhalb der Stromausfall-Zone nachgeladen werden zu müssen. Das funktioniert natürlich nur mit eigenem Stellplatz in Ein- und Mehrfamilienhäusern, wovon es in den betroffenen Berliner Bezirken aber einige gibt.
Noch einen Schritt weiter geht Vehicle-to-Grid (V2G), bei dem das Auto nicht nur das lokale Hausnetz, sondern sogar das öffentliche Stromnetz unterstützt. Das öffnet Perspektiven für intelligentere Netze, schwankende erneuerbare Energien und zusätzliche Einnahmen für E-Auto-Besitzer.
Doch ein Haken bleibt: In echten Blackout-Situationen, bei denen Teile des Netzes abgeschaltet sind, greift aus Sicherheitsgründen ein Netzschutz – und verhindert eine Rückspeisung ins öffentliche Netz. Damit fällt V2G im Ernstfall aus. Für Haushalte und Inselbetrieb stehen also heute V2H-Lösungen im Vordergrund. „Während die Nachbarn also frieren und im Dunkeln sitzen, könnte in einem solchen Szenario mit einem V2H-fähigen Elektroauto ein sehr langer Zeitraum überbrückt werden“, schreibt Hymes Energy auf LinkedIn dazu.
Für eine breite Umsetzung braucht es allerdings mehr als nur Technik: Standardisierte Infrastruktur, regulatorische Klarheit, intelligente Steuerungssysteme und klare Sicherheitsregeln sind vonnöten. Mit wachsender Zahl bidirektional ladbarer Fahrzeuge und Pilotprojekten entsteht langsam ein Ökosystem, in dem das E-Auto nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern aktiver Teil der Energieversorgung wird. Das Elektroauto entwickelt sich dabei zum dezentralen Energiespeicher. In Krisenzeiten kann es heute bereits Lasten tragen, morgen vielleicht ganze Häuser längerfristig versorgen. Die Zukunft der Mobilität ist damit zugleich eine Zukunft der energetischen Resilienz – und das Potenzial ist längst größer, als viele bisher glauben.
Quelle: NTV – Können Elektroautos als Notstromquelle dienen?; LinkedIn








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