Alpitronic: Eine Südtiroler Firma prägt den Schnelllademarkt

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Alpitronic hat sich in wenigen Jahren vom Ingenieurdienstleister zu einem der prägenden Hersteller von Schnellladesäulen in Europa entwickelt. Das Unternehmen mit Sitz in Bozen produziert Gleichstrom-Systeme mit hoher Leistung, die vor allem an Autobahnen und Verkehrsknotenpunkten zum Einsatz kommen. Nach eigenen Angaben sind weltweit mehr als 135.000 Ladepunkte in Betrieb, über die täglich rund 325.000 Ladevorgänge abgewickelt werden.

Die wirtschaftliche Entwicklung verdeutlicht das rasante Wachstum, wie das Handelsblatt berichtet. 2017 beschäftigte die Firma rund 30 Mitarbeitende und erzielte etwa drei Millionen Euro Umsatz. Für 2025 nennt Alpitronic rund 1100 Angestellte und einen Jahreserlös von knapp einer Milliarde Euro. Neben dem Hauptsitz in Südtirol betreibt das Unternehmen Standorte in Bergamo und Bologna, in München und Nürnberg, im Vereinigten Königreich sowie seit 2024 auch in den USA. Von Wisconsin aus koordiniert Alpitronic die Produktion mit einem lokalen Partner.

Gegründet wurde das Unternehmen 2009 von den Elektroingenieuren Andreas Oberrauch, Alessandro Ciceri, Sigrid Zanon und Philipp Senoner. Zunächst war Alpitronic als Beratungsfirma tätig. Erst 2017 folgte der Einstieg in die eigene Produktentwicklung: Auf dem Weltkongress der Elektromobilität in Stuttgart präsentierte das Team erstmals eine selbst entwickelte Schnellladesäule, die zuvor für interne Tests bei BMW konzipiert worden war. Technisch setzte sie auf ein modulares Konzept: 150 bis 300 Kilowatt Ladeleistung wurden in einer einzelnen Einheit gebündelt, während Wettbewerber häufig zwei Säulen einsetzten. Für Betreiber verringerte das Installationsaufwand und Kosten.

Produktionszahlen steigen, Marktanspruch wächst

In den darauffolgenden Jahren stiegen die Produktionszahlen deutlich. 2018 wurden 80 Geräte gefertigt, 2019 bereits 900. Für 2023 wird eine Größenordnung von rund 20.000 produzierten Schnellladern genannt. Weltweit sind nach Unternehmensangaben heute über 135.000 Alpitronic-Ladepunkte in Betrieb. Im Schnitt finden dort rund 325.000 Ladevorgänge pro Tag statt. Senoner leitet daraus eine führende Marktposition ab. Alpitronic sei Marktführer unter den Schnellladesäulenherstellern in Deutschland und in der gesamten Europäischen Union.

Senoner spricht rückblickend von einer Phase mit starkem Nachfragewachstum, sieht aber auch eine Abkühlung seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres. 2023 sei durch eine sehr hohe Steigerungsrate geprägt gewesen, danach habe sich der Bedarf abgeschwächt, erklärte er im Gespräch mit Elektroauto-News Herausgeber Sebastian Henßler im vergangenen Jahr. Als Gründe nennt er unter anderem eine in vielen Ländern bereits gut ausgebaute Infrastruktur, die den aktuellen Bestand an Elektroautos bedienen könne.

Das abrupte Ende des Umweltbonus in Deutschland im Dezember 2023 habe die Zurückhaltung verstärkt. Weniger der Wegfall der Förderung selbst als das politische Signal habe Unsicherheit erzeugt. Kunden installierten zunächst bereits bestellte Säulen, statt neue Projekte zu starten. Deutschland sei bei der Ladeinfrastruktur inzwischen „sehr, sehr gut bedient“, sagte Senoner, nun müssten vor allem zusätzliche Elektroautos auf die Straße kommen, damit sich die Investitionen für die Betreiber rechneten.

Parallel arbeitet Alpitronic an höheren Ladeleistungen. Im vergangenen Sommer unterstützte das Unternehmen eine Rekordfahrt von Mercedes-AMG mit einem neuen Megawatt-System. Dabei kamen durchschnittlich mehr als 850 Kilowatt zum Einsatz, eine Größenordnung, die in Europa bislang kaum realisiert wurde. Senoner betonte jedoch, dass es dafür stets die enge Abstimmung zwischen Auto und Infrastruktur brauche. „Es braucht immer die Kombination aus Fahrzeug und Ladeinfrastruktur“, so Senoner. Die Technik dürfe weder an den Möglichkeiten der Säulen noch an denen der Autos vorbeientwickelt werden.

Was wirklich zählt: Zuverlässigkeit im Alltag

Für den Massenmarkt hält er Leistungen um 400 Kilowatt derzeit für ausreichend. Höhere Werte sieht er eher bei speziellen Anwendungsfällen oder Premium-Modellen. Entscheidend bleibe die Zuverlässigkeit. Unter Extrembedingungen mit hohen Umgebungstemperaturen habe das neue System seine Funktionsfähigkeit bewiesen. Langlebigkeit sei dabei eine Frage der Auslegung: Komponenten würden so dimensioniert, dass sie die geforderte Leistung über viele Jahre erbringen könnten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Software und Nutzererlebnis. Mit dem Übergang von technikaffinen Frühkäufern zu einer breiteren Kundschaft steige der Anspruch an einfache Bedienung. „Laden muss immer funktionieren“, formulierte Senoner die zentrale Leitlinie des Unternehmens. Dazu gehörten stabile Protokolle, reibungslose Interoperabilität mit unterschiedlichen Automarken und digitale Unterstützung während des Ladevorgangs.

Im Wettbewerb mit chinesischen Herstellern, die ihre Systeme zu niedrigen Preisen anbieten, setzt Alpitronic auf enge Kooperationen mit europäischen Autoherstellern und Betreibern. Gleichzeitig verweist Senoner auf die Bedeutung politischer Planungssicherheit für Investitionen in kritische, digital vernetzte Infrastruktur. Die Entwicklung des Schnelllademarktes bleibt damit eng mit industriepolitischen Rahmenbedingungen und der weiteren Verbreitung von Elektroautos verknüpft.

Quelle: Handelsblatt – „Wir sind das Rückgrat der europäischen Schnellladeinfrastruktur“

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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