Steuererleichterung für elektrische Dienstwagen: Vor allem Tesla profitiert

Steuererleichterung für elektrische Dienstwagen: Vor allem Tesla profitiert
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 641524333

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Von der staatlichen Förderung von elektrischen Dienstwagen durch Steuererleichterungen profitieren neben BMW insbesondere ausländische Anbieter von Elektro- und Hybridautos, allen voran Tesla. Das zeigt eine Auswertung der Zulassungszahlen durch das Center Automotive Research (CAR), die der Wochenzeitung Welt am Sonntag vorliegt.

Bislang seien die Daten für die ersten fünf Monate des Jahres auf dem Firmenwagenmarkt verfügbar. In dieser Zeit führen das auch sonst recht beliebte Model 3 von Tesla und der i3 von BMW die Rangliste der Dienstwagenneuzulassungen an. Beide kommen auf gut zehn Prozent Marktanteil. Noch bis April lag Tesla sogar allein auf dem Spitzenplatz. Laut CAR ist es lediglich einer kurzzeitigen Lieferverzögerung bei Tesla zu verdanken, dass der Münchner Hersteller knapp vorbeiziehen konnte. Bis Ende Mai wurden 1347 neue i3 als Firmenwagen zugelassen, vom Model 3 wurden genau 1300 Exemplare angemeldet.

„Das Rennen ist sehr offen, und es ist wahrscheinlich, dass Tesla in den nächsten Monaten mit dem Model 3 die Führungsposition bei den Elektroautos in den Firmen- und Dienstwagenneuzulassungen wieder übernimmt.“ Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research

Mit dem Renault Zoe liegt ein weiteres Modell eines ausländischen Herstellers auf dem dritten Platz. Die Franzosen verkauften in den ersten fünf Monaten 1168 Zoe als Firmenwagen. Dabei dominieren bei den Dienstwagen in Deutschland eigentlich traditionell heimische Fabrikate. Dass Tesla und Renault die Gewinner bei der neuen Regel sind, so Dudenhöffer, liege „am derzeit schlechten Angebot bei rein elektrischen Fahrzeugen der deutschen Autobauer, aber auch an den wenig überzeugenden Plug-in-Hybriden.“

Bisher war es nie gelungen, dass eine nichtdeutsche Automarke im Firmenmarkt eine so wichtige Position mit zeitweiser Segmentführerschaft eingenommen hat wie Tesla“, sagt Dudenhöffer weiter. Wer einen elektrischen Dienstwagen auch privat fährt, muss seit Beginn dieses Jahres nur noch 0,5 Prozent des Listenpreises pro Monat als geldwerten Vorteil zahlen. Fahrern von Diesel- und Benzinfahrzeugen berechnet das Finanzamt mit einem Prozent doppelt so viel.

Positiver Einfluss auf Zulassungszahlen von E-Fahrzeugen

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die neue Dienstwagenregelung die Elektroautoquote in Deutschland erhöht, so die Welt. Demnach lag der Marktanteil von E-Fahrzeugen nach Einführung der Steuererleichterung in den ersten fünf Monaten 2019 bei 3,4 Prozent. Im Jahr zuvor war er mit 2,3 Prozent noch deutlich niedriger. Insgesamt waren unter den 370.551 Firmenwagen, die zwischen Januar und Mai 2019 zugelassen wurden, 12.711 reine Elektroautos sowie Plug-in-Hybride.

Im Verkehrsministerium wird der Welt zufolge diskutiert, ob die Regelung leicht angepasst werden soll. Denkbar seien demnach weitere Prozentsätze wie 0,25 oder 0,75 Prozent, um genauere Anreize setzen zu können.

Quelle: Welt am Sonntag – Vorabmeldung vom 13.07.2019 // Welt – Statt Daimler und VW profitiert vor allem Tesla

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

Sebastian Henßler  —  

Tech-Konzerne kaufen den Chipmarkt leer, die Autobranche zahlt drauf. Einzelne Speicherbausteine sind bis zu 400 Prozent teurer geworden.

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Michael Neißendorfer  —  

Hält Europa an seinen CO2-Grenzwerten fest, könne es den Rückstand auf China noch vor 2030 aufholen und den Ölverbrauch im Verkehrssektor drastisch senken.

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Sebastian Henßler  —  

Tozero verarbeitet jährlich 1500 Tonnen Batterieabfälle und gewinnt daraus Lithium, Graphit und Nickel-Kobalt zurück. Die Kosten liegen unter Bergbauniveau.

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

Eine aktuelle Befragung zeigt: Die Deutschen wechseln verstärkt vom Verbrenner zum Elektroauto – und fordern von der Politik mehr Initiative für E-Mobilität.

SolidCore: Was hinter MGs Batterieversprechen steckt

SolidCore: Was hinter MGs Batterieversprechen steckt

Sebastian Henßler  —  

MG will als erster Automobilhersteller eine Semi-Solid-State-Batterie in Großserie nach Europa bringen. Der Hochlauf läuft, doch manche Fragen bleiben offen.

Experten und Verbände watschen „Klimaschutz“-Programm der Regierung ab

Experten und Verbände watschen „Klimaschutz“-Programm der Regierung ab

Michael Neißendorfer  —  

Verbände und Experten lassen kein gutes Haar am neuen „Klimaschutzprogramm“ der Bundesregierung. Wirklich neues habe es gar nicht zu bieten.

VDIK: Ladeinfrastruktur entscheidet über E-Auto-Hochlauf

VDIK: Ladeinfrastruktur entscheidet über E-Auto-Hochlauf

Sebastian Henßler  —  

VDIK-Präsidentin Labbé schlägt eine staatliche Ladekarte mit Guthaben vor. Damit ließen sich Tarifchaos und umständliches Laden auf einen Schlag beseitigen.