Händler wenden sich offenbar von Stellantis ab

Händler wenden sich offenbar von Stellantis ab
Copyright:

MikeDotta / Shutterstock.com

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Beim Autokonzern Stellantis scheint der jahrelange Streit mit Teilen seines Händlernetzes weiterhin Spuren zu hinterlassen. Wie die Automobilwoche berichtet, zögern offenbar zunehmend Partner, die neuen Händlerverträge zu unterschreiben. Damit droht Stellantis ausgerechnet dort ein Problem, wo der Konzern zuletzt wieder stärker um Vertrauen geworben hat: bei den Betrieben, die seine Fahrzeuge letztlich an die Kunden bringen.

Eigentlich sollen die neuen Verträge ab 2027 mehr Planungssicherheit schaffen. Nach mehreren Übergangslösungen setzt Stellantis in Deutschland wieder auf unbefristete Händlerverträge und hat sich vom zwischenzeitlich geplanten Agenturmodell verabschiedet. Die Händler bleiben damit klassische Verkäufer der Fahrzeuge. Allerdings können künftig die Preise im Autohaus von den Onlinepreisen der Marken abweichen – ein Punkt, der im Handel für Diskussionen sorgt.

Dass einige Händler dennoch offenbar über einen Rückzug oder zumindest eine Verringerung ihres Engagements nachdenken, kommt nicht aus dem Nichts. Schon seit Jahren gilt das Verhältnis zwischen Stellantis und Teilen seines Vertriebsnetzes als angespannt. Bereits 2025 berichteten Händler von Margenkürzungen, Lieferproblemen und IT-Pannen. Das Vertrauen sei erheblich beschädigt worden. Stellantis reagierte inzwischen unter anderem mit höheren Grundmargen, einem neu organisierten Außendienst sowie zusätzlichen Mitarbeitern im Service.

Markenbreite bringt Probleme mit sich

Die Spannungen treffen dabei einen Konzern mit ungewöhnlich vielen Marken. Unter dem Dach von Stellantis befinden sich insgesamt 14 Automobilmarken. Zu den wichtigsten in Europa zählen Peugeot, Citroën, Opel beziehungsweise Vauxhall, Fiat, Jeep, Alfa Romeo und DS Automobiles, daneben gehören unter anderem Abarth, Lancia und Maserati zum Konzern. In Nordamerika spielen vor allem Jeep, Ram, Dodge und Chrysler eine wichtige Rolle.

Die enorme Markenbreite ist Stärke und Problem zugleich. Plattformen, Motoren und Software lassen sich zwar konzernweit nutzen, gleichzeitig müssen zahlreiche Marken mit eigenen Händlernetzen und Profilen ausreichend voneinander abgegrenzt werden. Gerade kleinere Marken wie Lancia, DS oder Alfa Romeo stehen vor der Herausforderung, ausreichende Stückzahlen zu erreichen und gleichzeitig ihre Eigenständigkeit zu bewahren.

Hinzu kommen die wirtschaftlichen Probleme der vergangenen Jahre. Stellantis verbuchte 2025 einen Nettoverlust von 22,3 Milliarden Euro. Der Konzern begründete einen Großteil davon mit außergewöhnlichen Belastungen im Zuge einer strategischen Neuausrichtung. Gleichzeitig räumte Geschäftsführer Antonio Filosa ein, das Tempo der Antriebswende überschätzt zu haben. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 153,5 Milliarden Euro.

Erste Anzeichen der Erholung

Inzwischen gibt es allerdings Anzeichen einer Erholung. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Zulassungen von Stellantis in den EU30-Staaten um 3,8 Prozent auf 1,37 Millionen Fahrzeuge. Fiat, Citroën und Opel entwickelten sich dabei überdurchschnittlich. In Deutschland legten die Pkw-Zulassungen der Konzernmarken im ersten Halbjahr sogar um 15 Prozent auf mehr als 183.000 Fahrzeuge zu, während sich die Zahl der neu zugelassenen reinen Elektroautos nach Konzernangaben mehr als verdoppelte.

Gerade deshalb wäre ein weiterer Schwund im Händlernetz für Stellantis problematisch. Neue Modelle und steigende Zulassungen allein reichen nicht, wenn ein Teil der Handelspartner die wirtschaftliche Perspektive nicht mehr überzeugend findet. Stellantis muss daher nicht nur seine Modellpalette und Profitabilität stabilisieren, sondern auch beweisen, dass der zuletzt beschworene Neustart im Verhältnis zu den Händlern dauerhaft trägt.

Quelle: Automobilwoche: Späte Rechnung für Stellantis: Händler unterschreiben neue Verträge nicht

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Autohandel

BMW plant mit keinem einzigen Händlerstandort weniger

BMW plant mit keinem einzigen Händlerstandort weniger

Sebastian Henßler  —  

Rund zwei Millionen Euro kostet der Umbau eines Autohauses auf Retail Next. Doch es gibt bei BMW mehr Anfragen, als der Hersteller momentan begleiten kann.

Autohändler Weller: China-Marken gewinnen nur über den Preis

Autohändler Weller: China-Marken gewinnen nur über den Preis

Sebastian Henßler  —  

Burkhard Weller verkauft seit 1979 Autos. Heute führt er MG und BYD, sieht deren Erfolg aber nüchtern: Die Autos seien solide, punkten aber nur beim Preis.

Kundenzufriedenheit: Xpeng bleibt bei E-Auto-Fahrern vorn

Kundenzufriedenheit: Xpeng bleibt bei E-Auto-Fahrern vorn

Daniel Krenzer  —  

Xpeng bleibt Spitzenreiter bei der E-Auto-Zufriedenheit 2026. Tesla holt auf, Škoda überrascht. Die Uscale-Studie zeigt Gewinner und Verlierer.

Smart #2: Händler berichten von außergewöhnlichem Ansturm

Smart #2: Händler berichten von außergewöhnlichem Ansturm

Daniel Krenzer  —  

Der neue Smart #2 sorgt offenbar für einen Bestellansturm. Der elektrische Zweisitzer lockt mit günstigen Leasingraten und 290 km Reichweite.

Agora warnt vor E-Auto-Prämie für Gebrauchte

Agora warnt vor E-Auto-Prämie für Gebrauchte

Daniel Krenzer  —  

Agora Verkehrswende warnt vor Kaufprämien für gebrauchte Elektroautos. Händler und Autovermieter fordern dagegen eine Förderung junger Gebrauchter.

Hohe Laufleistung: Gebrauchte E-Autos robuster als Benziner

Hohe Laufleistung: Gebrauchte E-Autos robuster als Benziner

Daniel Krenzer  —  

Eine britische Auswertung von 47,4 Millionen Hauptuntersuchungen zeigt: E-Autos schneiden bei hoher Laufleistung deutlich besser ab als Benziner.