Beim Autokonzern Stellantis scheint der jahrelange Streit mit Teilen seines Händlernetzes weiterhin Spuren zu hinterlassen. Wie die Automobilwoche berichtet, zögern offenbar zunehmend Partner, die neuen Händlerverträge zu unterschreiben. Damit droht Stellantis ausgerechnet dort ein Problem, wo der Konzern zuletzt wieder stärker um Vertrauen geworben hat: bei den Betrieben, die seine Fahrzeuge letztlich an die Kunden bringen.
Eigentlich sollen die neuen Verträge ab 2027 mehr Planungssicherheit schaffen. Nach mehreren Übergangslösungen setzt Stellantis in Deutschland wieder auf unbefristete Händlerverträge und hat sich vom zwischenzeitlich geplanten Agenturmodell verabschiedet. Die Händler bleiben damit klassische Verkäufer der Fahrzeuge. Allerdings können künftig die Preise im Autohaus von den Onlinepreisen der Marken abweichen – ein Punkt, der im Handel für Diskussionen sorgt.
Dass einige Händler dennoch offenbar über einen Rückzug oder zumindest eine Verringerung ihres Engagements nachdenken, kommt nicht aus dem Nichts. Schon seit Jahren gilt das Verhältnis zwischen Stellantis und Teilen seines Vertriebsnetzes als angespannt. Bereits 2025 berichteten Händler von Margenkürzungen, Lieferproblemen und IT-Pannen. Das Vertrauen sei erheblich beschädigt worden. Stellantis reagierte inzwischen unter anderem mit höheren Grundmargen, einem neu organisierten Außendienst sowie zusätzlichen Mitarbeitern im Service.
Markenbreite bringt Probleme mit sich
Die Spannungen treffen dabei einen Konzern mit ungewöhnlich vielen Marken. Unter dem Dach von Stellantis befinden sich insgesamt 14 Automobilmarken. Zu den wichtigsten in Europa zählen Peugeot, Citroën, Opel beziehungsweise Vauxhall, Fiat, Jeep, Alfa Romeo und DS Automobiles, daneben gehören unter anderem Abarth, Lancia und Maserati zum Konzern. In Nordamerika spielen vor allem Jeep, Ram, Dodge und Chrysler eine wichtige Rolle.
Die enorme Markenbreite ist Stärke und Problem zugleich. Plattformen, Motoren und Software lassen sich zwar konzernweit nutzen, gleichzeitig müssen zahlreiche Marken mit eigenen Händlernetzen und Profilen ausreichend voneinander abgegrenzt werden. Gerade kleinere Marken wie Lancia, DS oder Alfa Romeo stehen vor der Herausforderung, ausreichende Stückzahlen zu erreichen und gleichzeitig ihre Eigenständigkeit zu bewahren.
Hinzu kommen die wirtschaftlichen Probleme der vergangenen Jahre. Stellantis verbuchte 2025 einen Nettoverlust von 22,3 Milliarden Euro. Der Konzern begründete einen Großteil davon mit außergewöhnlichen Belastungen im Zuge einer strategischen Neuausrichtung. Gleichzeitig räumte Geschäftsführer Antonio Filosa ein, das Tempo der Antriebswende überschätzt zu haben. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 153,5 Milliarden Euro.
Erste Anzeichen der Erholung
Inzwischen gibt es allerdings Anzeichen einer Erholung. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Zulassungen von Stellantis in den EU30-Staaten um 3,8 Prozent auf 1,37 Millionen Fahrzeuge. Fiat, Citroën und Opel entwickelten sich dabei überdurchschnittlich. In Deutschland legten die Pkw-Zulassungen der Konzernmarken im ersten Halbjahr sogar um 15 Prozent auf mehr als 183.000 Fahrzeuge zu, während sich die Zahl der neu zugelassenen reinen Elektroautos nach Konzernangaben mehr als verdoppelte.
Gerade deshalb wäre ein weiterer Schwund im Händlernetz für Stellantis problematisch. Neue Modelle und steigende Zulassungen allein reichen nicht, wenn ein Teil der Handelspartner die wirtschaftliche Perspektive nicht mehr überzeugend findet. Stellantis muss daher nicht nur seine Modellpalette und Profitabilität stabilisieren, sondern auch beweisen, dass der zuletzt beschworene Neustart im Verhältnis zu den Händlern dauerhaft trägt.
Quelle: Automobilwoche: Späte Rechnung für Stellantis: Händler unterschreiben neue Verträge nicht








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