Im Tanklager von Exolum Mannheim ist eine Pilotanlage in Betrieb gegangen, die einen neuen Ansatz für den Umgang mit erneuerbaren Kraftstoffen erprobt. Erstmals lassen sich dort unterschiedliche Kraftstoffarten direkt vor Ort präzise mischen und gleichzeitig ihre Klimawirkung digital erfassen. Das Projekt zielt darauf ab, regenerative Alternativen schrittweise in bestehende Versorgungsstrukturen zu integrieren, ohne diese grundlegend umbauen zu müssen.
Technisch basiert die Anlage auf einem sogenannten Inline-Blend-Verfahren. Sie ist an drei separate Lagertanks angebunden, die fossile, biogene und strombasierte Kraftstoffe bevorraten. Während der Abfüllung werden die jeweiligen Komponenten in festgelegten Anteilen zusammengestellt. Sensoren überwachen den Prozess kontinuierlich und stellen sicher, dass jede Mischung exakt den vorgegebenen Spezifikationen entspricht. Tankwagen können so erstmals auch Kraftstoffkombinationen laden, die über die bekannten Bioethanol-Anteile von E5 oder E10 hinausgehen.
Begleitet wurde der Aufbau der Anlage vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Wissenschaftler:innen unterstützten sowohl bei der technischen Auslegung als auch bei der Entwicklung der digitalen Bilanzierung. Für jede einzelne Lieferung wird automatisiert berechnet, wie hoch die eingesparte Menge an Treibhausgasen im Vergleich zu einer rein fossilen Abfüllung ausfällt. Diese Daten werden dokumentiert und können als offizieller Nachweis genutzt werden.
Transparenz als Voraussetzung für den Markthochlauf
Professor Thomas Hirth, Vizepräsident für Transfer und Internationales am KIT, sieht darin einen wichtigen Schritt für den Markthochlauf. Mit der neuen Anlage lasse sich erstmals bedarfsgerecht festlegen, wie viel fossiler und erneuerbarer Kraftstoff kombiniert werde, sagte er. Gleichzeitig werde die Klimawirkung unmittelbar sichtbar gemacht. Genau diese Transparenz sei entscheidend, um Vertrauen in neue Kraftstoffoptionen zu schaffen und ihren Einsatz auszuweiten.
ReFuels, wie die gemischten Kraftstoffe zusammengefasst werden, gelten vor allem in Bereichen als relevant, in denen batterieelektrische Lösungen an Grenzen stoßen. Dazu zählen etwa Schiffe, Flugzeuge oder schwere Nutzfahrzeuge im Fernverkehr. ReFuels besitzen eine ähnliche Energiedichte wie herkömmliche Kraftstoffe und lassen sich in bestehenden Motoren einsetzen. Hergestellt werden sie unter anderem aus Reststoffen der Land- und Forstwirtschaft, aus Industrie- und Haushaltsabfällen sowie aus CO₂ in Verbindung mit nachhaltig erzeugtem Wasserstoff.
Auch aus politischer Sicht wird das Projekt als Baustein der Klimastrategie betrachtet. Elke Zimmer, Staatssekretärin im Verkehrsministerium von Baden-Württemberg, betonte bei einem Besuch der Anlage, dass strombasierte und biogene Kraftstoffe dort eine Rolle spielten, wo Elektromobilität nicht oder nur eingeschränkt greife. Ziel sei es, regional produzierte erneuerbare Anteile beizumischen und so Nachfrage und Produktionshochlauf gleichzeitig zu fördern. Genannt wurden unter anderem Anwendungen bei Seehäfen am Bodensee, bei der Landespolizei oder im Flugverkehr an regionalen Flughäfen.
Digitale Nachweise schaffen neue Anreize
Ein weiterer Aspekt ist die Sichtbarkeit der Klimadaten. Durch die digitale Erfassung kann die eingesparte CO₂-Menge künftig sogar auf dem Tankbeleg ausgewiesen werden. Unternehmen erhalten damit eine belastbare Grundlage, um ihre Klimabilanz zu dokumentieren und regulatorische Vorgaben zu erfüllen. Nach Einschätzung der Projektbeteiligten entsteht dadurch ein zusätzlicher Anreiz, regenerative Kraftstoffanteile tatsächlich einzusetzen.
Koordiniert wird das Vorhaben auf wissenschaftlicher Seite von Dr. Olaf Toedter vom Institut für Kolbenmaschinen des KIT. Er verweist darauf, dass die flexible Mischung auch kleiner Mengen eine Voraussetzung dafür sei, ReFuels überhaupt in den Markt zu bringen. Auf diese Weise erreichten regenerative Kraftstoffe erstmals nicht nur Testumgebungen, sondern auch die Tanks von Endanwendern.
Eingebettet ist das Projekt in die Landesstrategie „Roadmap ReFuels“, mit der Baden-Württemberg seit 2018 den Einsatz klimafreundlicherer Kraftstoffe vorantreibt. Mehr als 40 Studien und Umsetzungsprojekte wurden bislang unterstützt. Die Mannheimer Pilotanlage wird im Rahmen des Projekts „BlendBilanz4Mobility“ mit rund 325.000 Euro gefördert und dient nun als praktische Erprobung für einen möglichen breiteren Einsatz.
Quelle: KIT – Start für klimafreundliche Kraftstoffmischungen / SpringerProfessional – Pilotanlage in Mannheim liefert reFuel-Blends








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