Steigende Strompreise, ein schwerer Strom-Schlag für die Elektromobilität

Steigende Strompreise, ein schwerer Strom-Schlag für die Elektromobilität
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 340038056

Wolfgang Plank
Wolfgang Plank
  —  Lesedauer 3 min

Im täglichen Trubel um Infektionszahlen und Corona-Beschränkungen ist eine Meldung weitgehend untergegangen: Im internationalen Vergleich zahlen deutsche Verbraucher aberwitzig hohe Strompreise. Teurer ist die Kilowattstunde fast nur noch in Entwicklungsländern wie Ruanda, Sierra Leone und Burkina Faso, hat das Vergleichsportal Verivox ermittelt. Europaweit ist die Rechnung bloß in Portugal höher.

Der Trend ist ein schleichender. Seit der Jahrtausendwende haben sich die Kilowattstunden-Kosten hierzulande auf im Schnitt 32,10 Cent mehr als verdoppelt. Hauptgründe sind Steuern und Abgaben wie etwa die EEG-Umlage oder Netzentgelte. Sie machen mittlerweile rund zwei Drittel des Strompreises aus. Unter den G20-Ländern ist die Bundesrepublik damit das Land mit der teuersten Elektrizität – und zwar mit weitem Abstand. Schon in der Türkei und in Italien auf den Plätzen zwei und drei ist die Kilowattstunde kaufkraftbereinigt rund zehn Cent billiger.

Wie sich diese Entwicklung mit dem von der Kanzlerin so sehnlich gewünschten Umstieg auf das Elektroauto verträgt, vermag derzeit niemand schlüssig zu erklären. Werden doch für Kaufzuschüsse und den Verzicht auf Kfz-Steuer staatliche Milliarden zuhauf ausgegeben. Zugegeben, Sprit ist derzeit wegen Corona weltweit weniger gefragt und damit günstiger als üblich – doch vom Versprechen, elektrisch fahre man besser, entfernt sich die Regierung immer weiter.

Schon jetzt ist Strom statt Sprit ein schlechtes Geschäft. Nach Berechnungen des ADAC verbraucht ein aktueller Diesel-Golf mit 150 PS rund 4,8 Liter auf 100 Kilometer. Bei einem Literpreis von 1,05 Euro liegen die Kosten damit bei rund 5,05 Euro. Ein eGolf mit 17,3 kWh Verbrauch für dieselbe Entfernung kommt bei 32,1 Cent dagegen auf 5,55 Euro. Von der spannenden Idee, ein E-Auto mache sich über die Jahre durch niedrigere Betriebskosten bezahlt, bleibt da nur ein Kurzschluss.

Und das ist bloß die Rechnung an der heimischen Steckdose. Wer auf öffentliche Stromtankstellen oder gar Schnellladesäulen ausweicht, kommt pro kWh schnell auch auf 77 Cent und mehr. Dann kosten 100 Kilometer happige 13,30 Euro – und damit fast schon das Dreifache im Vergleich zum Selbstzünder.

Wie aber soll eine Mobilitätswende gelingen, wenn Stromer zwar billiger werden, Strom jedoch ständig teurer? Schließlich schauen die Deutschen bei den Auto-Kosten zwar kaum auf den größten Brocken Wertverlust, dafür aber besonders gerne auf den Verbrauch. Nur so lässt sich die lange Zeit ungebrochene Liebe zum Diesel erklären, obwohl die Jahresfahrleistung den Mehrpreis und die höhere Kfz-Steuer oft nicht hergab. Hauptsache, an der Zapfsäule hat man ein gutes Gefühl. Das ist bei Elektrizität nicht anders.

Fatal ist der steigende Strompreis vor allem bei den ohnehin umstrittenen Plug-in-Hybriden. Da wird – erst recht bei Dienstwagen samt Tankkarte – purer Sprit dann sehr schnell deutlich attraktiver als das zeitraubende Laden. Irrwitz schlechthin: Der vorsätzliche Klima-Schaden wird mit einem saftigen Steuervorteil belohnt.

Das Geld wäre für billigeren Strom besser angelegt.

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Wolfgang Plank

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

Kia EV3 GT im Test: Leichtfüßiger als der größere EV4 GT

Kia EV3 GT im Test: Leichtfüßiger als der größere EV4 GT

Wolfgang Gomoll  —  

Im Test zeigt sich der Kia EV3 GT agil und leichtfüßig. Bei schnell folgenden Unebenheiten federt das Fahrwerk allerdings bisweilen etwas hölzern.

Opel baut Werk Eisenach für mehr Elektroautos um

Opel baut Werk Eisenach für mehr Elektroautos um

Daniel Krenzer  —  

Opel hat sein Werk in Eisenach umgebaut. Die Produktion läuft wieder regulär, der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge soll deutlich steigen.

Viele wollen weg: BMW beendet Abfindungsprogramm vorzeitig

Viele wollen weg: BMW beendet Abfindungsprogramm vorzeitig

Arun Niemann  —  

BMW erreicht sein Abfindungsziel früher als geplant. Hinter dem Programm steht ein größerer Umbau, mit dem bis Ende 2027 rund 8000 Stellen wegfallen sollen.

Elektroboom kostet Volkswagen rund eine Milliarde Euro

Elektroboom kostet Volkswagen rund eine Milliarde Euro

Sebastian Henßler  —  

Fast 150.000 Bestellungen für ID.Polo, Škoda Epiq und Cupra Raval: Volkswagen kommt kaum hinterher, doch die elektrischen Kleinwagen belasten die Marge spürbar.

Hyundai-Chef: Ioniq 3 kommt “genau zur richtigen Zeit”

Hyundai-Chef: Ioniq 3 kommt “genau zur richtigen Zeit”

Sebastian Henßler  —  

Mit dem Ioniq 3 startet bei Hyundai eine Produktoffensive. Bis Ende 2027 will die Marke mehr als 70 Prozent ihres Verkaufsvolumens in Deutschland erneuern.

Seat-Chef: Aus der Marke ist noch nicht beschlossen

Seat-Chef: Aus der Marke ist noch nicht beschlossen

Daniel Krenzer  —  

Bleibt Seat nach 2030 bestehen? Markenchef Markus Haupt spricht über mögliche Szenarien und den Einfluss der EU-CO₂-Vorgaben.

VW-Investitionsplanung verzögert sich bis ins neue Jahr

VW-Investitionsplanung verzögert sich bis ins neue Jahr

Arun Niemann  —  

135 Milliarden Euro stehen bei Volkswagen zur Abstimmung. Doch ungeklärte Werksperspektiven und Sparziele verzögern die Investitionsplanung wohl bis 2027.