Citroën 2CV Concept: Die neue Ente aus nächster Nähe

Citroën 2CV Concept: Die neue Ente aus nächster Nähe
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Citroën | Dani Heyne

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 6 min

Kleine Elektroautos zu erschwinglichen Preisen sind längst keine Seltenheit mehr. Der Dacia Spring ist bereits länger erhältlich, der BYD Dolphin Surf rückt mit Förderung in eine ähnliche Preisregion, Smart peilt mit dem #2 weniger als 20.000 Euro an, und der VW ID. Polo startet bei 24.995 Euro. Ein in Europa gebautes Elektroauto für etwa 15.000 Euro gibt es dagegen bislang nicht. Diese Lücke soll ein Serienmodell schließen, das Citroën bis 2028 vorstellen will und dessen Vorbote eine fast 80 Jahre alte Idee neu interpretiert: das Citroën 2CV Concept.

Nach der Weltpremiere auf dem Pariser Autosalon stand die Studie nun in München, erstmals in Deutschland und als statische Präsentation, die einen Blick aus nächster Nähe erlaubte. Dabei zeigt sich schnell, dass die elektrische Neuauflage der “Ente” in natura anders wirkt als auf den Pressebildern. Der Eindruck von Kunststoff, den die offiziellen Aufnahmen vermitteln, weicht dem eines fertigen Autos, das in sich stimmig gezeichnet ist.

Spürbar kleiner als ein gewöhnlicher Kleinwagen erscheint das Concept Car dabei nicht, wohl aber ausgesprochen kompakt. Mit 3,76 Metern ist es sogar kürzer als das Original, ein Umstand, den Citroën Design Director Pierre Leclercq eigens betont: “Zum ersten Mal ist die Neuinterpretation eines Modells kürzer als das Original: 3,76 statt 3,85 Meter.” Ob sich dieser Unterschied auch optisch bemerkbar macht, lässt sich ohne direkten Vergleich kaum beurteilen, denn ein historischer 2CV stand in München nicht daneben.

Unabhängig davon zieht die Studie Blicke auf sich, nicht zuletzt wegen ihrer Außenfarbe “Infra Red”. Der vom historischen Farbton inspirierte Lack changiert je nach Lichteinfall zwischen tiefem Rot und einer Nuance, die in Richtung Pink geht. Hinzu kommen kleine Anspielungen auf die Historie. Dazu zählen die Ziffern 48, 90 und 26 auf der Frontscheibe für Premiere, Produktionsende und Konzeptvorstellung, eine Schildkröte auf dem Brems- und ein Hase auf dem Fahrpedal sowie ein digitales Kennzeichen mit den Spitznamen, die der 2CV weltweit erhalten hat. Selbst Hupe und Startgeräusch des Elektromotors sind dem Original nachempfunden.

Citroën 2CV Concept: Drei Entwürfe, bis die Ente stimmte

Dass die Studie so und nicht anders aussieht, ist das Ergebnis eines längeren Ringens, über das Anna von Teuffel aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Citroën in München berichtete. Zunächst entstand ein Entwurf auf der Plattform des C3, da eine bestehende Architektur den schnellsten Weg in die Produktion verspricht, doch die Proportionen passten nicht. Ein zweiter, kleinerer Anlauf lieferte jene schwarze Silhouette, die Stellantis bereits früher gezeigt hatte und die im Netz eine Flut an KI-Simulationen auslöste.

Den Designer:innen reichte auch dieser Stand nicht, wie von Teuffel deren Haltung wiedergibt: “Die Ente ist noch nicht scharf genug, noch nicht modern genug und nicht schick genug. Wir machen weiter.” Erst im dritten Anlauf entstand das heutige Concept Car, was zugleich erklärt, warum keine der kursierenden KI-Interpretationen dem Ergebnis gleicht. Gegenüber dem Original fallen die Linien straffer aus. Die Verbindung zum Vorbild halten freistehende runde Scheinwerfer mit LED-Signatur, eine Motorhaube mit Sicken, die an das Ur-Projekt erinnern, sichtbare Scheibenwischer, die gewölbte Dachlinie, 18-Zoll-Stahlräder und Blinker in den C-Säulen. Flache Karosserieflächen und separat montierte, einzeln austauschbare Stoßfänger sollen darüber hinaus Fertigung und Reparatur vereinfachen.

Citroën | Dani Heyne

Hinter diesem Design steht ein Anspruch, der weit älter ist als die Studie selbst. Bereits 1937 entstand der 2CV unter dem Projektnamen TPV, kurz für “Toute Petite Voiture” (sehr kleines Auto). Er sollte vier Personen samt 50 Kilogramm Kartoffeln befördern, 60 km/h erreichen, leicht zu warten und sparsam im Unterhalt sein. Vorgestellt wurde er 1948 in Paris, gebaut bis 1990, mit mehr als fünf Millionen Exemplaren. “Das war das Lastenheft vor fast 80 Jahren und das ist immer noch eine Aufgabe, die wir in die Neuzeit bringen wollen”, erklärt von Teuffel.

Übertragen auf heute heißt das: Das E-Auto soll günstig bleiben, elektrisch fahren, sich einfach bedienen lassen und klug durchdacht sein. Gegen die wachsende Zahl an Assistenzsystemen will Citroën bewusst einen Kontrapunkt setzen, wobei offen ist, was davon in der Serie Bestand hat. Ein angestrebtes Gewicht von rund einer Tonne soll eine kleinere und damit günstigere Batterie ermöglichen. Angaben zu Akkukapazität, Leistung oder Reichweite macht der Hersteller zum jetzigen Zeitpunkt allerdings ausdrücklich nicht.

Viel Luft, viel Gelb und ein Eierhalter

Wie konsequent dieser Gedanke der Reduktion umgesetzt ist, zeigt sich vor allem im Innenraum. Trotz kompakter Außenmaße wirkt er offen und luftig. Dazu trägt das von Hand aufrollbare Stoffdach bei, das in München geöffnet war und aus der ersten Reihe den Blick nach hinten draußen freigab. Fehlende Kopfstützen nehmen eine optische Begrenzung weg, und weil es keine Mittelkonsole gibt, bleibt zwischen den beiden Sitzbänken viel Platz. Wie beim Original lässt sich die vordere Bank sogar herausnehmen, etwa für ein Picknick.

An die Stelle eines klassischen Armaturenbretts tritt ein Zylinder, der Einspeichenlenkrad, einen einzelnen Bedienhebel, den Gangwahlschalter mit Drucktasten und einen quadratischen 8-Zoll-Touchscreen trägt. Der Bildschirm besitzt drei physische Regler für Temperatur, Lautstärke und Gebläse, seine Grafiken stammen vom belgischen Comiczeichner Jean-Luc Delvaux. Ergänzend projiziert das System Smart Vision wichtige Informationen ins Sichtfeld, darunter eine digitale Version des Walzentachos aus dem Citroën GS. Vor Ort wirkt diese Bedienwelt aufgeräumt und ausreichend, ohne überladen zu sein, während die Grafiken des mittleren Displays eine verspielte Note einbringen.

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Ihren Charme bezieht die Studie jedoch aus den Details. In der Tür findet sich eine Eierablage als Verweis auf das alte Lastenheft, daneben eine Croissantablage. Anstelle einer Mittelkonsole sitzt ein herausnehmbarer Korb aus Holz und biobasiertem Kunststoff aus dem 3D-Drucker. Das Radio namens “Radioën” lässt sich ebenfalls entnehmen und außerhalb des Autos als Lautsprecher nutzen. Schlaufen aus Gurtmaterial als Türöffner, ein Tartan-Muster in Gelbtönen und beige Akzente, die an das Bakelit früher Modelle erinnern, fügen sich stimmig in den Retro-Look ein.

Überraschend ist die Anmutung der Materialien, die sich wertiger anfühlen, als es der angepeilte Preis vermuten lässt. Hier lohnt allerdings ein zweiter Blick, denn die 15.000 Euro beziehen sich auf das künftige Serienmodell. Von Teuffel selbst ordnete manches im Innenraum, etwa das mobile Radio, als Spielerei eines Concept Cars ein. Wie viel davon tatsächlich in die Produktion übernommen wird, bleibt daher offen.

Warum Citroën jetzt auf die Ente setzt

Strategisch fügt sich das Projekt in einen Wandel ein, den Thomas Goldboom als Entwicklung vom klassischen Verbrennerhersteller zur Elektromarke beschreibt. Goldboom ist Geschäftsführer von Citroën Deutschland und seit dem 1. September zusätzlich für DS verantwortlich. Parallel dazu verschiebt sich der Vertrieb weg von Vermietern und taktischen Zulassungen, während das Geschäft mit Privatkund:innen an Gewicht gewinnt. Ein günstiges Elektroauto mit starkem Markenbezug passt in dieses Bild, ohne dass die Marke anderen Antrieben den Rücken kehrt.

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Diese Wahlfreiheit betont Goldboom ausdrücklich: “Wir bevormunden keinen, jeder kann sich bei uns kaufen, was er möchte.” Wohin die Reise geht, formuliert er dennoch unmissverständlich: “Der Markt, der steigt, ist elektrisch und da wollen wir mitspielen von der ersten Sekunde.” Für das Serienmodell der neuen Ente nennt er einen Zeitraum von zwei Jahren, in dem es vorgestellt werden und die Serienreife erreichen soll.

Gebaut werden soll es in Europa, positioniert zwischen Ami und C3. Außerdem soll es die künftigen europäischen Vorgaben für kleine Elektroautos erfüllen. Ob die Ente in ihrer zweiten Auflage tatsächlich wieder zu einem Auto für viele wird, hängt nun maßgeblich von den Eckdaten ab, die Citroën bislang offenlässt: Batterie, Leistung und Reichweite.

Disclaimer: Citroën hat zum Kennenlernen des 2CV Concept nach München eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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