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Wer die ersten beiden Tage der Schenna e.motion 2026 miterlebt hat, weiß: Das Format lebt von seiner Vielseitigkeit. Tag eins führte durch Südtirols Weinstraße, vorbei an Sektbunkern und in einen Abend voller Elektromobilitätsgeschichte. Tag zwei stellte mit dem Stilfserjoch das fahrerisch stärkste Argument des gesamten Programms auf den Tisch. Der dritte und letzte Tag nimmt das Tempo heraus, schlägt dafür aber den weitesten inhaltlichen Bogen: Bergapfelsäfte auf dem Rittner Hochplateau, Dolomitenpanoramen, handwerkliche Kaffeeröstung in Völs und ein Abschlussabend mit Preisverleihung im Florerhof.
Die Schenna e.motion ist eine dreitägige Elektro-Genussfahrt des Tourismusvereins Schenna, die zeigen will, was Elektromobilität im Alltag leistet. Nicht auf der Rennstrecke, sondern auf Landstraßen, Pässen und durch Regionen, die man sonst nicht in Verbindung mit E-Autos bringt. Tag drei unterstreicht diesen Gedanken auf seine eigene, entspannte Art.
Fahren nach Plan wäre langweilig. Dieser Meinung ist auch die Natur
Der dritte Tag beginnt wie die beiden vorangegangenen: um 8:15 Uhr Treffpunkt auf dem Raiffeisenplatz in Schenna, um 8:30 Uhr Start. Kannte man so bereits vom vergangenen Jahr. Die geplante Strecke über Barbian allerdings ist gesperrt. Das Unwetter vom Vortag hat Steinschlag ausgelöst, ein Streckenabschnitt, der laut Manfred eigentlich zu den schönsten des gesamten Programms zählt, ist nicht befahrbar. Eine Umleitung muss her.

Dass solche Situationen entstehen können, gehört zu einer mehrtägigen Ausfahrt durch alpine Regionen schlicht dazu. Die Veranstalter reagieren pragmatisch: Die Gruppe fährt über Bozen und das Eisacktal auf der Staatsstraße Richtung Brenner, zweigt in Waidbruck ins Grödnertal ab, passiert Lajen, St. Peter und St. Ulrich und erreicht über den Panidersattel schließlich Kastelruth. Eine längere, aber keineswegs weniger eindrucksvolle Route. Die Dolomiten, die sich auf diesem Weg nach und nach ins Blickfeld schieben, entschädigen für den Umweg vollständig. Rund 170 Kilometer sind an diesem Tag insgesamt zu absolvieren.
Apfelsaft, Ringe werfen und 100 Gramm Gefühl
Die erste Fun-Prüfung des Tages findet in Unterinn am Ritten statt, beim Bergapfelsaft-Produzenten Kohl. Die Aufgabe klingt nach einem angenehmen Einstieg in den Tag: Vier von sechs Apfelsaftsorten verkosten und in der richtigen Reihenfolge anordnen. Was im ersten Moment wie eine entspannte Kostprobe wirkt, entpuppt sich als echte Herausforderung.

Die Sorten unterscheiden sich im Grundcharakter zwar durchaus, in den feinen Nuancen aber nur minimal. Wer nicht regelmäßig Apfelsäfte vergleicht, und das dürften die wenigsten unter uns machen, braucht neben Konzentration auch ein gewisses Maß an Glück. Wir haben ganz ordentlich abgeschnitten. Faktor Glück hat hier aber sicherlich den größten Teil dazu beigetragen.


Nach dem Kaffeestopp im Hotel Überbacher in St. Peter, eingebettet in eine Panoramastraße mit Blick auf die umliegenden Berge, wartet in Seis am Schlern die zweite Prüfung. Ein Halbkreis aus Pylonen ist aufgebaut, man fährt langsam mit dem E-Auto daran vorbei, während die Person auf dem Beifahrersitz Ringe aus dem offenen Fenster auf aufgestellte Stangen werfen muss.
Was nach Geschicklichkeit klingt, hat eine tückische Variable: Wind. Die Ringe sind leicht, die Beifahrerseite dem Fahrtwind ausgesetzt, jeder Wurf eine kleine Lotterie. Koordination zwischen Fahrer und Beifahrer ist gefragt, Timing ebenso. Eine Prüfung, bei der am Ende mehr gelacht als gezählt wird. Egal, ob man durchs Beifahrerfenster oder durchs Schiebedach geworfen hat.

Beim Mittagsstopp am Völser Weiher, ein kurzer Fußmarsch vom Parkplatz entfernt am idyllischen Gasthaus am Weiher gelegen, lässt sich das bisherige Programm in Ruhe verdauen. Die Kulisse entschädigt für jeden Strafpunkt.



Elektroauto-News | Völser Weiher
Von der Bohne bis in die Tasse – es wird aufgeräumt mit Kaffee-Vorurteilen
Am Nachmittag steht die Kaffeerösterei Caroma in Völs auf dem Programm. Fabian, Barista und zuständig für Führungen im Haus, empfängt die Gruppe in der Produktionsstätte. Was hier sichtbar wird, ist der Abstand zwischen handwerklicher und industrieller Kaffeeproduktion, anschaulicher lässt er sich kaum darstellen.
Der Rohkaffee kommt in 60-Kilo-Jutesäcken an, wird in einer eigenen Anlage von Staub und Verunreinigungen befreit und anschließend in einem Silo gelagert, der bis zu 80 Paletten fasst und in 20 Spalten mit je rund 2,5 Tonnen pro Sorte aufgeteilt ist. Eine automatisierte Mischanlage stellt die gewünschten Blends zusammen, bevor der Kaffee in den 120-Kilogramm-Trommelröster wandert. Dort dauert der Röstvorgang zwischen zwölf und 18 Minuten bei maximal 210 Grad Celsius.

Was die Industrie in zwei bis drei Minuten bei bis zu 800 Grad erledigt, braucht hier die vierfache Zeit. „Übertrieben gesagt, ist die Bohne bei der Schnellröstung außen verbrannt und innen noch roh. Und das ist oft ein Grund, wieso viele Menschen Kaffee nicht so gut vertragen“, erklärt Fabian. Nach dem Rösten wird die Charge so schnell wie möglich abgekühlt, die Abgase durchlaufen Nachbrenner und Katalysator, Abwärme wird über eine Wärmerückgewinnung zurückgewonnen. Jede Sorte hat ihr eigenes gespeichertes Röstprofil im hauseigenen Rezeptsystem, damit das Ergebnis reproduzierbar bleibt. Was heute geröstet wird, wird am nächsten Morgen intern verkostet. Die Jahresproduktion: rund 200 Tonnen. Der größte italienische Röster schafft das an einem halben Tag.

Dass Kaffee als Thema weit über die Rösterei hinausgeht, zeigt die anschließende Diskussion. Der Mythos vom exzellenten italienischen Kaffee bröckelt bei näherer Betrachtung erheblich. Italien importiert vor allem günstigen Robusta-Kaffee, häufig aus Vietnam, was den Espresso für einen Euro erst möglich macht. Qualität hat dabei wenig Platz.

Hinzu kommt der Klimawandel: Die beiden größten Kaffeeproduktionsländer, Brasilien und Vietnam, kämpfen mit Frost beziehungsweise Dürre, während die Nachfrage aus neuen Märkten wie China und Indien wächst. Wer auf Qualität achten möchte, sollte laut Fabian vor allem auf die Verpackung schauen: Je mehr Informationen zu Herkunft, Varietät und Aufbereitungsmethode angegeben sind, desto transparenter agiert der Röster. Und: immer Bohnen kaufen, nie gemahlen.

Die dritte Fun-Prüfung schließt thematisch direkt an. Aus dem Bauchgefühl heraus gilt es, 100 Gramm Kaffeebohnen abzuwiegen, ohne Vergleichsgewicht, ohne Hilfsmittel. Nur Erfahrung, Gefühl und eine ruhige Hand. Eine Prüfung, die zeigt, wie wenig man intuitiv über Gewichte weiß, und gleichzeitig passender kaum platziert sein könnte.
Abschluss mit Aussicht im Florerhof
Den Abschluss der Schenna e.motion 2026 bildet ein gemeinsamer Abend im Florerhof oberhalb von Schenna, erreichbar per Shuttlebus. Die moderne Buschenschank, erst seit dem vergangenen Jahr in Betrieb, liegt mit einer weiten Aussicht über das Tal. Ein Drei-Gänge-Menü, regionale Küche, angenehme Gesellschaft nach drei langen Tagen auf der Strecke.

Dann folgt die Preisverleihung. Glück und Können spielen bei der Schenna e.motion gleichermaßen eine Rolle, wie die Vielfalt der Fun-Prüfungen über drei Tage eindrücklich belegt. Beides hatten wir in diesem Jahr nicht im ausreichenden Maß beisammen. Der Titel aus dem Vorjahr musste abgegeben werden, das Ergebnis bewegt sich im soliden Mittelfeld. Wer weiß, vielleicht gibt es 2027 eine neue Gelegenheit den Titel wieder nach Deutschland zu bringen?
Was bleibt, ist ein Format, das seinen Zweck erfüllt, und das ohne große Worte. Drei Tage, drei unterschiedliche Regionen Südtirols, mehr als ein Dutzend Prüfungen und Begegnungen mit Betrieben, die zeigen, dass Nachhaltigkeit kein Schlagwort ist, sondern gelebte Praxis. Dass das alles mit dem E-Auto funktioniert, reibungslos und ohne Reichweitenangst, ist am Ende vielleicht die unauffälligste, aber wirkungsvollste Botschaft der ganzen Veranstaltung.
Ein Haus mit Charakter: Hotel Schmied Hans
Wer beim Aufwachen direkt ins Tal schauen möchte, ist im Schmied Hans richtig. Das familiengeführte Hotel liegt in Schenna mit einem Ausblick, der sich nicht erst beim zweiten Kaffee erschließt, sondern vom ersten Blick vom Balkon an überzeugt. Die Zimmer sind großzügig, modern eingerichtet und gepflegt, die Atmosphäre familiär ohne beengt zu wirken. Was besonders auffällt, ist das junge, dynamische Team, das mit echtem Engagement bei der Sache ist und den Aufenthalt angenehm unkompliziert macht.

Küchenchef Lukas sorgt abends für kreative, regional geprägte Gerichten, die nach Aussage vieler Stammgäste ein eigenständiger Grund sind, ins Schmied Hans zurückzukehren. Das Frühstück hält, was die Bewertungen versprechen. Ein Hinweis für alle, die mit dem E-Auto anreisen: Die hoteleigene Lademöglichkeit bietet aktuell nur 3,6 kW bei 0,55 Euro pro kWh, was für einen längeren Aufenthalt suboptimal ist. Die gute Nachricht: Ein HPC-Lader im Ortszentrum ist vom Hotel aus in rund fünf Minuten zu Fuß erreichbar und eignet sich deutlich besser für eine zügige Zwischenladung.

Das Hotel Schmied Hans ist die dritte und letzte Unterkunftsempfehlung unserer Schenna e.motion-Berichterstattung. Drei Tage, drei unterschiedliche Häuser, alle in oder um Schenna, alle mit ihren eigenen Qualitäten. Wer die Genuss-Rallye als Anlass nimmt, die Region zu entdecken, hat damit eine gute Ausgangsbasis.
Quelle: Elektroauto-News – Recherche vor Ort im Mai 2026









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