Rivian senkt 2024 Verluste trotz Produktionsrückgangs

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Rivian

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Rivian hat im vierten Quartal 2024 einen Nettoverlust von 714 Millionen Euro verbucht. Die Verkaufszahlen blieben weitgehend stabil. Dennoch erreichte das Unternehmen erstmals einen positiven Bruttogewinn von 163 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor lag der Nettoverlust noch bei 1,44 Milliarden Euro. Der Bruttogewinn resultierte teilweise aus dem Verkauf von Emissionsgutschriften an andere Autohersteller. Diese benötigen sie, um gesetzliche Vorgaben einzuhalten. Im Vergleich zum Vorjahresquartal, in dem ein Bruttoverlust von 582 Millionen Euro angefallen war, bedeutet dies eine deutliche Verbesserung, wie Automotive News berichtet.

Dennoch erwartet Rivian für das laufende Jahr rückläufige Auslieferungen. 2025 sollen zwischen 46.000 und 51.000 Autos verkauft werden. Analysten hatten mit rund 55.500 Einheiten gerechnet. Im Jahr 2024 wurden 51.579 Autos ausgeliefert. Zusätzliche Kosten könnten durch geplante Importzölle von Donald Trump entstehen. Der US-Präsident plant, hohe Abgaben auf Waren aus Mexiko und Kanada zu erheben. Das könnte die Lieferkette von Rivian verteuern. Firmenchef RJ Scaringe betonte, dass solche Handelshemmnisse sich direkt auf die Kostenstruktur auswirken würden. Die aktuelle wirtschaftliche Unsicherheit beeinflusst zudem das Kaufverhalten und damit den Umsatz.

Der Umsatz im vierten Quartal 2024 lag bei 1,63 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um 32 Prozent. Trotz des positiven Bruttogewinns bleibt das Unternehmen tief in den roten Zahlen. Für das Gesamtjahr 2024 belief sich der Nettoverlust auf 4,5 Milliarden Euro.

Hohe Ausgaben veranlassten Rivian im vergangenen Jahr zu umfassenden Sparmaßnahmen. Gleichzeitig gab es Engpässe bei wichtigen Bauteilen, die die Produktion der Elektromotoren beeinträchtigten. Das Unternehmen verringerte in diesem Zeitraum die Produktionsmenge. Die Auslieferungen im letzten Quartal wuchsen nur um 1,5 Prozent auf 14.183 Autos. Die Fertigung ging im selben Zeitraum um 27 Prozent auf 12.727 Einheiten zurück.

Registrierungszahlen aus den USA zeigen ein moderates Wachstum für 2024. Laut S&P Global Mobility stiegen die Gesamtanmeldungen um 4,5 Prozent. Besonders der R1S verzeichnete mit 11 Prozent ein solides Plus. Die elektrischen Lieferwagen für Amazon legten um 6,3 Prozent zu, während die Zulassungen des R1T um 13 Prozent zurückgingen. Da Rivian keine Modell-spezifischen Verkaufszahlen veröffentlicht, dienen diese Daten lediglich als Anhaltspunkt.

Rivian investiert in neue Produktionskapazitäten. Am Standort Normal in Illinois entsteht derzeit eine Montagelinie für den R2, ein mittelgroßes Elektro-SUV. Die Markteinführung ist für 2026 geplant, der Einstiegspreis soll bei rund 43.000 Euro liegen. Das größere R1S beginnt bei 74.600 Euro inklusive Überführung, der R1T bei 68.900 Euro. Zusätzlich wird in Georgia ein zweites Werk errichtet. Hier sollen weitere R2-Modelle und das neue R3 gefertigt werden. Dieses soll preislich unterhalb des R2 angesiedelt sein. Konkrete Details dazu gibt es noch nicht. Die Produktion in dem neuen Werk soll 2028 starten.

Parallel dazu hat Rivian Ende 2024 eine Partnerschaft mit Volkswagen abgeschlossen. Der deutsche Konzern investiert 5,6 Milliarden Euro in ein Gemeinschaftsprojekt. Ziel ist die Nutzung der Rivian-Software und Elektronikarchitektur in zukünftigen Modellen der VW-Marken. Die Zusammenarbeit soll langfristig Kosteneinsparungen ermöglichen und die Technologie von Rivian in einem breiteren Markt etablieren.

Quelle: Automotive News – Rivian reports $744 million Q4 net loss, expects sales decline

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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MALL:

Super Partner hat sich VW da ausgesucht

Frank2:

Schönes Beispiel wie Donald Trump mit Zöllen auch die eigene Autoindustrie trifft.

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