Der US-Autohersteller Rivian hat seine Quartalszahlen für das dritte Quartal vorgestellt und Investoren eine positive Überraschung beschert: Das Unternehmen hat in Q3 mit 19.248 Fahrzeugen einen neuen Auslieferungsrekord erzielt und die Zahlen aus dem Vorjahreszeitraum um 46 Prozent übertroffen. Infolgedessen wurde die Jahresprognose von zuvor 65.000 bis 70.000 auf 67.000 bis 70.000 angehoben. Gleichzeitig verzeichnete Rivian ein Umsatzplus von 38 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar, während der Nettoverlust um 22 Prozent auf 907 Millionen Dollar zurückging.
In Reaktion auf die äußerst positiven Zahlen legte die Rivian-Aktie im frühen Handel direkt um 6 Prozent zu. Das meistverkaufte Modell im letzten Quartal war der Mittelklasse-Crossover R2. Für diesen hat Rivian im Werk Normal in Illinois zuletzt sogar eine zweite Schicht eingeführt. Er war im Juni als Performance-Version mit Launch Package für 59.485 Dollar inklusive Überführung in den Verkauf gegangen. Später sollen auch noch die mittlere Premium-Version und die schon lang versprochene Basisversion für 46.485 Dollar folgen.
Dem CEO Robert Scaringe zufolge wandelten sich in den letzten Monaten mehr R2-Reservierungen in Bestellungen um als erwartet. So wurden im letzten Quartal mehr R2 verkauft als R1S und R1T zusammen. Rivians Strategie scheint damit aufzugehen: Man startete Scaringe zufolge bewusst mit der teuren Variante des R2, solange die Stückzahlen noch niedrig und die Kosten pro Fahrzeug entsprechend hoch waren. Später will man dann die günstigeren Versionen nachschieben, wodurch dem CEO zufolge eine „gesunde, positive Bruttomarge“ erreicht werden kann.
Amazon, Point to Point und Autonomy Plus
Doch nicht nur beim R2 läuft es für Rivian aktuell gut. Robert Scaringe ließ auch verlauten, dass Amazon seine Rivian-Flotte in Nordamerika weiter ausweiten will und das Unternehmen seit Oktober neue Versionen der Amazon-Lieferwagen mit Allrad und größerer Batterie ausliefere, die vor allem für ländliche Routen gedacht seien.
Zudem soll schon bald Rivians „Point-to-Point“-Funktion starten, welche Scaringe mit Teslas Full Self-Driving vergleicht. Dabei bleibt der Fahrer zwar immer in der Verantwortung, doch das Fahrzeug soll in der Lage sein, das E-Auto auf einer Route von Start bis Ziel selbstständig zu führen. Point-to-Point soll künftig Teil des kostenpflichtigen Assistenzpakets Autonomy Plus werden. Das kostet aktuell 49,99 Dollar im Monat oder einmalig 2500 Dollar.
VW-Joint-Venture nimmt Fahrt auf
Ein weiteres Projekt von Rivian, das aktuell Fahrt aufnimmt, ist das VW-Joint-Venture für softwaredefinierte Fahrzeuge. Es steuerte Rivian zufolge im vergangenen Quartal 354 Millionen Dollar beziehungsweise 59 Prozent zum Software- und Serviceumsatz des Unternehmens bei. Von den insgesamt 5,8 Milliarden Dollar, die VW für das Projekt zugesagt hatte, erhielt Rivian bereits 5,3 Milliarden. Und schon nächstes Jahr will VW in Europa ein erstes Fahrzeug mit der im Joint Venture entwickelten Technik starten.
Scaringe zufolge soll dieses Auto für etwa 20.000 Euro auf den Markt kommen und damit direkt gegen europäische und chinesische Hersteller antreten. Die verschiedenen Berichte, welche es in Bezug auf Probleme bei der Integration von Rivians Software in VW-Fahrzeuge gab, nannte Scaringe derweil „noisy“ und bezeichnete die Beziehung mit VW als „sehr positiv“.
Quellen: Automotive News – Rivian’s bet on pricey R2 crossover trim at launch pays off as EV maker lifts 2026 delivery guidance / Rivian – Pressemitteilung





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