Warum Range Rover beim E-Auto keine Kompromisse eingeht

Warum Range Rover beim E-Auto keine Kompromisse eingeht
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Range Rover

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Wenn eine Marke 56 Jahre Unternehmensgeschichte mitbringt, stellt sich beim Schritt zum E-Auto eine einfache Frage: Was bleibt, was ändert sich? Genau darüber habe ich mit Martin Limpert gesprochen, Global Managing Director Range Rover. Gemeinsam haben wir uns Range Rover Electric und Range Rover Sport Electric angeschaut, und ein Gedanke zog sich durch das gesamte Gespräch: keine Kompromisse.

Den Ausgangspunkt bildet eine Befragung, die Range Rover vor fünf bis sechs Jahren unter den eigenen Kund:innen durchgeführt hat. Die Antwort fiel klar aus. Ein elektrischer Range Rover soll aussehen, sich anfühlen und fahren wie ein Range Rover, erst dann darf der elektrische Antrieb ihn besser machen. Visuell ändert sich deshalb nichts, zumal das Exterieur weltweit zu den wichtigsten Kaufgründen zählt. Martin formuliert es so: „Das soll nicht ein elektrischer Range Rover sein, das soll ein Range Rover sein, der einen elektrischen Antrieb hat.“

Überrascht hat mich, wer sich bislang für die elektrischen Modelle interessiert. Rund 70 Prozent der Vorreservierungen stammen von Neukund:innen, die Marke und Design schon länger mochten, aber auf eine elektrische Variante gewartet haben. Die übrigen 30 Prozent kommen aus dem bestehenden Kundenstamm.

Trotz gemeinsamer DNA soll jedes Modell einen eigenen Charakter bekommen. Der Range Rover gilt als reinster Ausdruck der Marke, der Range Rover Sport steht für sportlichen Luxus. Beim Sport Electric zeigt sich das in anderer Fahrwerkshardware, einer sportlicheren Abstimmung und einem tieferen Schwerpunkt. Das Drehmoment steht bereits im Comfort-Modus 33 Prozent schneller zur Verfügung, im Dynamic-Modus sind es 50 Prozent. Wer möchte, aktiviert zusätzlich ein Sound Enhancement, das den elektrischen Klang authentisch verstärkt.

Lieber länger entwickeln als Abstriche machen

Angekündigt war der elektrische Range Rover ursprünglich für 2024, auf die Straße kommt er 2026. Ein Geheimnis macht Martin daraus nicht: „Wenn es sein muss, entwickeln wir länger.“ Geplant war zunächst ein permanenterregter Motor hinten und ein Induktionsmotor vorne. Bei Tests am Polarkreis in Schweden, am Red Rock in Dubai und in den Wüstendünen reichte jedoch die Wiederholbarkeit nicht: Ein-, zweimal gelang die Auffahrt, danach ließ es nach. Deshalb arbeitet an der Vorderachse nun ebenfalls eine permanenterregte Maschine.

Hinzu kam die Akustik. Ohne Verbrennungsmotor treten Geräusche hervor, die zuvor übertönt wurden, etwa Wind, Reifenabrollen und die elektrischen Antriebseinheiten selbst. Weil die ruhige Kabine zum Kern der Marke gehört, floss zusätzliche Ingenieursarbeit in die Beseitigung dieser Geräusche. Das Ziel laut Martin: der leiseste Range Rover aller Zeiten.

Auch bei den Kennzahlen hält Range Rover am gewohnten Niveau fest. Die Wattiefe liegt bei 900 Millimetern, das Drehmoment bei 850 Newtonmetern, die Verteilung auf die einzelnen Räder erfolgt innerhalb von 50 Millisekunden. Offen spricht Martin die Anhängelast an: 2,5 Tonnen statt 3,5 Tonnen beim Diesel. Hier sei es um die richtige Balance zwischen Reichweite, Anhängelast und Fähigkeiten gegangen.

Beim Marktstart setzt Range Rover auf Flexibilität. Da alle Antriebsvarianten im Werk Solihull über eine Produktionslinie laufen, lässt sich die Fertigung an der Nachfrage ausrichten. Nord-, West- und Mitteleuropa sowie England dürften von Beginn an größere Anteile haben, im Mittleren Osten und Teilen Amerikas geht es langsamer voran. Ein Ende der Mehrgleisigkeit auf der MLA-Plattform ist nicht absehbar, allerdings gilt: „Wir werden nicht überall alles anbieten.“

Ein fünftes Familienmitglied steht in den Startlöchern

Was Range Rover von der deutschen Konkurrenz unterscheidet, beantwortet Martin zunächst augenzwinkernd mit „British Originality, British Design und British Engineering“. Wichtiger sind ihm die Werte der Marke. Die Loyalität liegt in vielen Märkten auf dem höchsten Stand seit 2019, teils jenseits von 70 Prozent.

Zum Schluss gab es noch einen Ausblick. Neben Evoque, Velar, Range Rover und Range Rover Sport arbeitet die Marke an einem fünften Familienmitglied, dem ersten Range Rover auf der EMA-Plattform. Es soll die Marke neu interpretieren, zusätzliche Kundengruppen erschließen und die bestehenden Modelle ergänzen. Ruhige Kabine, Refinement und Geländefähigkeit bleiben dabei Kern der DNA. Nun aber genug der Einleitung, hören wir direkt rein, was Martin zu erzählen hat.

Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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