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Wieder einmal bin ich im HEIDELBERG Amperfied Village in Wiesloch zu Gast, und seit meinem letzten Besuch hat sich dort einiges bewegt. Robin Karpp, Geschäftsführer der Amperfied GmbH, einer Tochter der Heidelberger Druckmaschinen AG, beschreibt seine Aufgabe als Wandel: Weg vom Einproduktunternehmen für Wallboxen, hin zu einem Partner, der dafür sorgt, dass neue und bestehende Ladeinfrastruktur seiner Kund:innen zuverlässig läuft. Der Name dieses Leistungsversprechens: PerformancePRIME. Genau darüber wollte ich mit ihm sprechen.
Den Einstieg liefert eine Zahl der Bundesnetzagentur. Rund 212.000 öffentliche Ladepunkte waren es zum 1. August, gut 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Für Robin ist das allerdings nur ein Teil des Bildes, denn der private und halböffentliche Bereich sei ebenso stark gewachsen. „Allen diesen Ladepunkten gemein ist, dass sie funktionieren müssen“, sagt er. Daran ändere auch eine durchschnittliche Auslastung öffentlicher Säulen von rund zwölf Prozent nichts.
Spannend fand ich, wie bewusst dieser Kurs gewählt wurde. Bei der Ausgründung aus dem HEIDELBERG-Konzern stand auch der Schritt ins Energiemanagement rund ums Eigenheim zur Debatte, mit Batteriespeichern und Wärmepumpen. Entschieden hat sich das Team aber für die Nutzungsphase der Ladetechnik. Vorbild ist das Kerngeschäft der Mutter, wo rund einer Milliarde Euro Umsatz mit Hardware ungefähr derselbe Betrag im After-Sales-Geschäft gegenübersteht. Seit 2022 baut HEIDELBERG Amperfied eine Organisation auf, die sich genau dieser Zeit nach der Installation widmet.
Produktion und Qualität der Ladetechnik bleiben dabei beim Mutterkonzern, während HEIDELBERG Amperfied selbst die Entwicklung, den Vertrieb sowie den After-Sales-Service verantwortet. Wie bei Druckmaschinen, wo Verträge zunehmend auf garantierter Performance beruhen, will das Unternehmen für das Technologierisiko über die gesamte Nutzungsdauer geradestehen. Eine Randnotiz hat mich überrascht: Die Nachfrage nach einfachen Wallboxen zieht wieder an, in der Fertigung arbeiten heute mehr Menschen als vor rund zwei Jahren.
Warum der Bestand wichtiger ist als Neugeschäft
Beim Service greift die Amperfied GmbH auf Strukturen zurück, die HEIDELBERG über zwei Jahrzehnte weltweit aufgebaut hat, mit weit über 1000 Mitarbeitenden allein in Europa. Im Regelfall erfolgt die Reaktion innerhalb einer Stunde, bei Bedarf ist das Serviceteam binnen vier Stunden vor Ort. Aktiv ist das Unternehmen in Deutschland, Benelux, Spanien, Italien und seit Kurzem im Vereinigten Königreich. Die Techniker:innen sind inzwischen für AC- und DC-Produkte von rund 15 Fremdherstellern zertifiziert.
Das hat einen klaren Grund. „Unser Zielmarkt ist der Bestand“, betont Robin. Zwischen 22.000 und 25.000 Ladepunkte laufen bereits im Maintenance-Backend auf, rund 300 Datensätze pro Sekunde, gut die Hälfte davon unter aktivem Servicevertrag und überwiegend nicht von HEIDELBERG Amperfied selbst. Funktionierende Technik herauszureißen sei „immer nur die zweitbeste Lösung“. Eigene DC-Ladetechnik hat das Unternehmen trotzdem entwickelt, weil sie eine deutlich tiefere Diagnose erlaubt.
Genau darauf baut das Top-Performance-Paket UptimePRIME in Kombination mit dem eigens entwickelten DC-Ladesystem Amperfied Dynamic DC auf. Kund:innen müssen dabei keine hohen Anfangsinvestitionen fürchten – das DC-Ladesystem wird nicht gekauft, sondern gemietet. Für die Hardware, Inbetriebnahme und Montage sowie den dazugehörigen Service zahlen sie eine feste Rate von fünf bis neun Euro pro Betriebsstunde, bei einer HPC-Anlage mit mehreren Ladepunkten sind das etwa 5000 bis 6000 Euro im Monat. Versprochen wird dafür eine vertraglich festgelegte Ladepunkt-Verfügbarkeit. Wird diese vereinbarte Verfügbarkeit verfehlt, sinkt die monatliche Rate. „Wenn der Ladepunkt nicht funktioniert, rennen wir“, fasst Robin zusammen. Ein weiterer interessanter Aspekt: Höher wird die monatliche Rate nie.
Laden soll selbstverständlich wie Tanken werden
Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigen die 70 bis 100 Servicefälle, die HEIDELBERG Amperfied wöchentlich in Deutschland betreut. Im eigenen Maintenance-Backend sieht das Unternehmen Verfügbarkeiten, die im Regelfall zwischen 75 und 98 Prozent liegen, in Extremfällen bei 50 Prozent. Hinzu kommen Prozesskosten, die auf den ersten Blick kaum auffallen: Bei Unternehmen mit mehreren Standorten meldet jemand Störungen, koordiniert Einsätze und holt Freigaben ein. Grob umrissen entspricht das laut Robin einer Vollzeitstelle von rund 70.000 Euro im Jahr, die mit dem Serviceversprechen von HEIDELBERG Amperfied entfällt.
Mit einem weiteren Performance-Paket – BusinessPRIME – richtet sich das Unternehmen darüber hinaus an Flächeninhaber:innen mit guter Lage, die ihre Ladepunkte selbst betreiben statt verpachten möchten, während HEIDELBERG Amperfied die Betriebsführung im Hintergrund übernimmt.
Dabei hat HEIDELBERG Amperfied im Grunde zwei Kund:innen im Blick: die Betreiber und die Menschen, die an deren Ladepunkten laden. Nur wenn Letztere zufrieden sind, geht auch die Rechnung der Betreiber auf. An der Tankstelle hoffe schließlich niemand, dass die Zapfsäule heute funktioniert, während sich manche:r am Ladepunkt schon innerlich auf einen Ausfall einstellt. „Und das darf nicht sein“, sagt Robin. In drei bis fünf Jahren soll deshalb ein Großteil des Bestands unter Vertrag stehen, und er hofft, dann berichten zu können, dass ein nicht unerheblicher Teil der Ladeinfrastruktur europaweit durch HEIDELBERG Amperfied sichergestellt wird. Nun aber genug der Vorworte, lasst uns direkt in das Gespräch mit Robin einsteigen.
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