Die USA importieren nach wie vor einen Großteil des für die Batterieproduktion benötigten Lithiums aus dem Ausland. Um diese Abhängigkeit zu reduzieren, hat das Startup R3 Lithium in Georgia eine insolvent gegangene Recyclinganlage übernommen und will nun unter Beweis stellen, dass batterietaugliches Lithiumcarbonat auch ohne neuen Bergbau im industriellen Maßstab hergestellt werden kann.
Bereits im Juli 2026 hatte das junge Unternehmen die 14.300 Quadratmeter große Recyclinganlage in Covington übernommen. Diese hatte zuvor dem Batterierecycler Ascend Elements gehört, welcher wenige Monate zuvor Insolvenz anmelden musste. Durch die schnelle Übernahme konnte das bisherige Führungsteam der Anlage übernommen werden, was den Hochlauf der Produktion für R3 Lithium erleichtern könnte.
Vor der Insolvenz war in Covington bereits Lithiumcarbonat mit 99 Prozent Reinheit aus vollständig recyceltem Ausgangsmaterial hergestellt worden. R3 Lithium zufolge hatte der frühere Eigentümer rund 150 Millionen US-Dollar in den Aufbau der Anlage investiert, wobei sie ohne alte Verbindlichkeiten übernommen werden konnte. Auch dies wird der Wirtschaftlichkeit der heimischen Lithiumproduktion laut eigener Darstellung zugutekommen.
Der CEO des Startups Linh Austin verfügt derweil über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Industrie und hat bereits bei McDermott International, BP und ARCO gearbeitet. Ihm zufolge könnte R3 Lithium für die USA einen echten Unterschied machen. Schließlich sei bereits jahrelang über die Notwendigkeit von mehr Unabhängigkeit bei kritischen Rohstoffen diskutiert worden, während ein Großteil der Lithiumverarbeitung im Ausland stattfand. Nun habe man jedoch die nötigen Experten, das Kapital und die Anlage, um dies zu ändern.
Technik und Finanzierung der Covington-Anlage
Die neu erworbene Recyclinganlage hat eine Zerkleinerungskapazität von 30.000 Tonnen pro Jahr und eine Produktionslinie für 2500 Tonnen Lithiumcarbonat. Zudem ist Platz für den Aufbau einer zweiten identischen Linie. Dabei läuft der gesamte Prozess an einem Standort, womit sich die Covington-Anlage klar von den meisten anderen Batterierecyclern abhebt.
Im Recyclingverfahren werden Batteriereste und der Ausschuss der Produktion im ersten Schritt zu sogenannter Black Mass verarbeitet. Danach wird das darin enthaltene Lithium über ein kalzinatorbasiertes Kristallisationsverfahren sowie eine wasserbasierte Fällung zurückgewonnen. Bei diesem Verfahren bleibt ein CMO genanntes Konzentrat übrig, welches Nickel, Kobalt, Mangan und Grafit enthält und das von R3 Lithium separat weiterverkauft wird.
Parallel zum Produktionsstart hat das Unternehmen eine Series-A-Finanzierung über 15 Millionen US-Dollar gemeldet. Das Kapital stammt unter anderem von Integral GlobalTech Partners, TDK Ventures und Axial Partners und soll vorrangig für die Modernisierung der bestehenden Produktionslinie genutzt werden. Gleichzeitig gibt es laut R3 Lithium bereits unterzeichnete Abnahmeverträge mit einem Wert von rund 1 Milliarde US-Dollar.
Ein schnellerer Weg als klassischer Bergbau
Laut R3 Lithium importieren die USA auch heute noch einen Großteil ihres Lithiums. 85 bis 95 Prozent der weltweiten Produktion von Batteriezellen und dazugehörigen Komponenten finden demnach außerhalb der USA und Europas statt. Dabei ist es schwer, mit klassischem Bergbau schnell etwas an dieser Situation zu ändern.
Zwar gibt es in den USA durchaus Lithiumvorkommen, doch laut Unternehmensangaben dauert der Genehmigungsprozess einer neuen Mine sieben bis zehn Jahre und von der Entdeckung eines Vorkommens bis zur tatsächlichen Produktion können sogar 20 Jahre vergehen. Die recyclingbasierte Produktion kommt dahingegen deutlich schneller ins Laufen. Schon für 2027 rechnet R3 Lithium damit, dass allein die Covington-Anlage mehr als 50 Prozent der gesamten US-Produktion von Lithiumcarbonat ausmachen wird.
Derweil wächst der Bedarf an Lithiumcarbonat branchenübergreifend weiter. Sowohl im Verteidigungssektor als auch von E-Auto-Herstellern, für Unterhaltungselektronik und insbesondere für Rechenzentren wird der Rohstoff dringend benötigt. Auch die globale Nachfrage nach Batteriespeichern steigt stetig und bis 2030 wird laut von R3 Lithium zitierten Prognosen eine Versechsfachung bei jährlichen Wachstumsraten von circa 42 Prozent erwartet.
Das Unternehmen plant daher bereits, ein ganzes Netzwerk an Lithiumcarbonat- und Black-Mass-Zerkleinerungsanlagen in Nordamerika und Europa aufzubauen. Dabei sind modulare Anlagen geplant, die über eine Jahreskapazität von jeweils 5000 Tonnen verfügen. Um Risiken zu minimieren, sollen neue Standorte jedoch immer erst dann erschlossen werden, wenn passende Abnahmeverträge abgeschlossen werden konnten.
Quellen: Battery-News – R3 Lithium startet Produktion von Lithiumcarbonat aus Altbatterien / R3 Lithium – Critical minerals to the US battery supply chain








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