Der deutsche Reifenhersteller Continental hat im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts einen Konzeptreifen entwickelt und vorgestellt, der zu rund 43 Prozent aus recycelten Materialien besteht. Der Reifen ist zwar nicht für die Serienproduktion vorgesehen – er soll aber zeigen, was mit Blick auf die zirkuläre Wertschöpfung von E-Autos technisch möglich ist und wo die Grenzen liegen.
Das zugrundeliegende EU-Projekt hört auf die Bezeichnung ZEvRA, ein Akronym für „Zero Emission Electric Vehicles Enabled by Harmonized Circularity“. Im Rahmen des auf zwei Jahre angelegten und in diesem Jahr auslaufenden Projekts soll untersucht werden, wie sich bei der Produktion von Elektrofahrzeugen eine Kreislaufwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette errichten beziehungsweise optimieren lässt. Continental ist laut einer Pressemitteilung des Konzerns der einzige Reifenhersteller unter den 28 Projektpartnern.
Aus Altreifen mach neu: Continental nutzt recycelten Ruß für die Reifenherstellung
Zu den wiederverwendeten Bestandteilen des Konzeptreifens zählen etwa recyceltes Tallöl, Stahl, Kautschuk aus Altreifen und Polyestergarn, das aus gebrauchten PET-Flaschen gewonnen wird. Hinzu kommt sogenannter recycelter Industrieruß (rCB), der via Pyrolyse aus Altreifen gewonnen wird. Continental nutzt den Ruß laut eigenen Angaben bereits seit 2023 am Standort Korbach, wo er in der Serienfertigung von Vollgummireifen für Gabelstapler zum Einsatz kommt. Auch Sand, der etwa in Gießereien als Reststoff anfällt, wird aufbereitet und als alternative Silica-Variante genutzt.
Neben den 43 Prozent Recyclinganteil im Konzeptreifen spielen auch erneuerbare Rohstoffe eine Rolle im Projekt: Im Konzeptreifen liegt ihr Anteil bei 13 Prozent. Weitere rund 25 Prozent basieren auf massenbilanzzertifizierten Materialien. Massenbilanzierung beschreibt ein Bilanzierungsverfahren, bei dem Rohstoffe rechnerisch über die gesamte Produktionskette verteilt werden, die Materialien müssen also nicht vollständig physisch im Reifen enthalten sein. In Summe stammen somit über 80 Prozent der im ZEvRA-Reifen eingesetzten Materialien aus recycelten, erneuerbaren oder massenbilanzierten Quellen.
Laut Herstellerangaben erzielt der Konzeptreifen zudem Bestwerte beim EU-Rollwiderstandslabel – genaue Zahlen oder die konkrete Klasse nennt Continental aber nicht.
Mindestens 40 Prozent erneuerbare oder recycelte Produktionsmaterialien bis 2030
Continental plant ausdrücklich nicht mit einer Serienfertigung des Reifens – wer darauf wartet, dass das Produkt im Handel erscheint, wartet also vergeblich. Der Konzern beschreibt den Reifen als eine Grundlage für die Weiterentwicklung von Materialien und Herstellungsprozessen. Dabei soll die Frage im Fokus stehen, ob recycelte Rohstoffe in ausreichender Menge und Qualität industriell verfügbar gemacht werden können.
Continental verweist jedoch auf Nachhaltigkeitsbestrebungen und recycelte Bestandteile in der Serienproduktion: Seit 2022 kommen in ausgewählten Pkw-Reifen Polyesterkarkassen aus recycelten PET-Flaschen zum Einsatz. 2023 führte Continental mit dem UltraContact NXT einen Serienreifen mit bis zu 65 Prozent erneuerbaren, recycelten und massenbilanzzertifizierten Materialien ein. 2025 lag der Anteil eingekaufter erneuerbarer und recycelter Produktionsmaterialien im Reifenportfolio des Konzerns bei 28 Prozent. Bis 2030 soll der Anteil auf mindestens 40 Prozent steigen.
Continental: Grenzen des Recyclings sind auch regulatorischer Natur
Continental will das Projekt auch nutzen, um politische Forderungen zu formulieren. Andreas Topp, Leiter Plattformentwicklung und Industrialisierung im Pkw-Reifenbereich von Continental, erklärt:
„Das ZEvRA‑Projekt zeigt, dass technologischer Fortschritt nur dann seine volle Wirkung entfalten kann, wenn verlässliche und abgestimmte Rahmenbedingungen Planungssicherheit schaffen und den Markthochlauf neuer Verfahren unterstützen.“ So seien europaweit einheitliche Definitionen für recycelte Materialien sowie klar festgelegte Kriterien, wann aufbereitete Stoffe als recycelte Rohstoffe gelten, erforderlich. Ebenso wichtig seien Technologieoffenheit und der weitere Ausbau von Recyclingtechnologien sowie der entsprechenden Infrastruktur, um ausreichende Mengen hochwertiger recycelter Rohstoffe bereitstellen zu können.
„Der nächste Schritt besteht darin, innovative Recyclinglösungen im industriellen Maßstab zu etablieren und geschlossene Stoffströme aufzubauen“, sagt Jorge Almeida, Leiter Nachhaltigkeit des Reifenbereichs von Continental. „Ein einheitlicher Ansatz für Berechnung und Berichterstattung sollte in engem Dialog zwischen politischen Entscheidungsträgern und Stakeholdern entwickelt werden. Wenn er regulatorisch umgesetzt wird, muss er einfach, transparent und für Verbraucher leicht verständlich sein, um echten Fortschritt zu fördern, anstatt unnötige Bürokratie zu schaffen.“
Quelle: Continental AG – Pressemitteilung vom 25.08.2026








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