Der globale Lithiumsektor blickt mit vorsichtigem Optimismus auf das Jahr 2026. Nach mehr als drei Jahren, in denen ein anhaltendes Überangebot die Preise belastet hat, mehren sich die Anzeichen für eine spürbare Veränderung. Treiber dieser Entwicklung ist weniger der Elektroauto-Markt als vielmehr der stark wachsende Bedarf an stationären Batteriespeichern, insbesondere in China, aber zunehmend auch weltweit.
Seit der zweiten Hälfte 2022 hatte das Angebot die Nachfrage deutlich übertroffen. Auslöser war ein massiver Kapazitätsausbau, der auf einen vorherigen Preissprung folgte, als der Boom bei Elektroauto-Batterien neue Investitionen anlockte. Doch während sich der Absatz von Elektroautos zuletzt langsamer entwickelte als erwartet, gewann ein anderer Bereich an Dynamik: Batteriesysteme zur Stabilisierung von Stromnetzen. Chinas Reformen im Energiesektor führten im zweiten Halbjahr 2025 zu einer stärkeren Nachfrage nach Lithium für stationäre Speicher, als viele Marktbeobachter angenommen hatten.
Rechenzentren verstärken Bedarf an stationären Speichern
Zusätzlichen Schub lieferte der weltweite Ausbau von Rechenzentren. Diese Anlagen benötigen eine zuverlässige Stromversorgung und setzen zunehmend auf Batteriespeicher, um Lastspitzen abzufedern. Jinyi Su, Analystin beim Beratungsunternehmen Fubao, sprach davon, dass das Wachstum der Lithium-Nachfrage aus dem Bereich Energiespeicherung im Verlauf von 2025 die Erwartungen klar übertroffen habe. Mit Blick nach vorn bezeichnete sie diesen Markt als möglichen Wendepunkt für die Branche, verwies jedoch zugleich darauf, dass stark steigende Preise die Wirtschaftlichkeit solcher Systeme gefährden könnten.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Segments zeigt sich auch im Außenhandel. Batteriespeicher entwickelten sich 2025 zum wertstärksten Clean-Tech-Export Chinas. In den ersten zehn Monaten wurden Anlagen im Wert von rund 66 Milliarden US-Dollar exportiert, umgerechnet etwa 56,1 Milliarden Euro. Damit lagen sie deutlich vor den Ausfuhren von Elektroautos, die auf rund 54 Milliarden US-Dollar beziehungsweise etwa 45,9 Milliarden Euro kamen.
Vor diesem Hintergrund rechnen mehrere Banken und Analysten mit einer spürbaren Verschiebung der Angebotslage. Morgan Stanley erwartet für 2026 ein Defizit von rund 80.000 Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent. UBS geht von einer Unterdeckung von etwa 22.000 Tonnen aus, nachdem für 2025 noch ein Überschuss von 61.000 Tonnen prognostiziert wurde. Weitere chinesische Analysten rechnen zumindest mit einem deutlich geringeren Überangebot.
Unsicherheit prägt Prognosen zu Nachfrage und Preisen
Beim Blick auf die Gesamtdaten bleibt das Bild allerdings gemischt. Je nach Schätzung soll die weltweite Nachfrage 2026 um 17 bis 30 Prozent steigen, während das Angebot um 19 bis 34 Prozent zulegen soll. Diese Spannbreite erklärt, warum die Preisprognosen ebenfalls weit auseinandergehen. Erwartet wird ein Korridor von 80.000 bis 200.000 Yuan je Tonne Lithiumcarbonat, was etwa 9720 bis 24.290 Euro entspricht. Im Jahr 2025 lag die Spanne noch zwischen rund 7100 und 16.350 Euro.
Der jüngste Preisanstieg hat mehrere Ursachen. In der ersten Jahreshälfte 2025 fielen die Notierungen kontinuierlich und erreichten im Juni einen Tiefpunkt. Die Margen vieler Bergbauunternehmen gerieten unter Druck, einige drosselten daher ihre Förderung. Eine Trendwende setzte ein, als Peking im Juli ankündigte, stärker gegen Überkapazitäten vorzugehen. Kurz darauf stoppte der chinesische Batteriehersteller CATL im August die Produktion in der Jianxiawo-Mine, die rund drei Prozent des weltweiten Angebots liefert.
In der Folge stiegen die Preise deutlich. An der Terminbörse in Guangzhou legte Lithiumcarbonat bis Ende Dezember um rund 130 Prozent zu. Auch Spotpreise zogen stark an. Parallel dazu wuchs der Anteil der Energiespeicherung an der Gesamtnachfrage. Für 2026 wird ein Plus von 55 Prozent erwartet, nachdem es 2025 bereits 71 Prozent gewesen waren. Nach Berechnungen des Brokers Guotai Junan könnte dieser Bereich dann knapp ein Drittel des weltweiten Verbrauchs ausmachen und damit Marktanteile von Elektroauto-Batterien übernehmen.
Gleichzeitig bleiben Risiken bestehen. Ein schnellerer Übergang zu Natrium-Ionen-Batterien für stationäre Speicher würde den Lithiumbedarf dämpfen. Zudem könnte ein schwächerer Absatz von Elektroautos, etwa durch den Abbau von Steueranreizen, die Nachfrage belasten. Der Vorsitzende des chinesischen Pkw-Verbands warnte im Dezember vor einem möglichen Rückgang der Batterienachfrage im ersten Quartal. Damit bleibt offen, ob 2026 tatsächlich den erhofften Wendepunkt markiert oder nur eine Zwischenphase in einem weiterhin volatilen Markt darstellt.
Quelle: Reuters – Energy storage boom strengthens demand outlook for beaten-down lithium









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