Novandino-Chef: Mehr Lithium fördern und Ressourcen schonen

Novandino-Chef: Mehr Lithium fördern und Ressourcen schonen
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 5 min

Lithium zählt zu den Rohstoffen, an denen die globale Energiewende hängt. Die Nachfrage wächst, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Rückverfolgbarkeit, Umweltbilanz und den Umgang mit den Förderregionen. In Lateinamerika, das über einen großen Teil der weltweiten Vorkommen verfügt, rückt damit eine Frage in den Vordergrund, die über reine Fördermengen hinausgeht: Unter welchen Bedingungen lässt sich der Rohstoff künftig gewinnen? Wasser, Energie und das Vertrauen der Gemeinden vor Ort entscheiden zunehmend darüber, ob Projekte tragfähig sind.

Carlos Díaz kennt diese Spannungsfelder aus der täglichen Praxis. Er ist CEO der Novandino Litio SpA, die 2025 aus der strategischen Partnerschaft zwischen Codelco und SQM hervorgegangen ist. Im Salar de Atacama betreibt sie eine der nach eigenen Angaben bedeutendsten Lithiumoperationen weltweit, mit einem Betriebshorizont bis 2060. Im Interview mit der Organización Latinoamericana y Caribeña de Energía (OLACDE) spricht Díaz über die neue Eigentümerstruktur, technologische Innovation, Wasser, Energieplanung und die Rolle der Region im Lithiummarkt.

Die Herausforderung habe nicht allein darin bestanden, eine neue Eigentümerstruktur aufzubauen. Es sei darum gegangen, dies ohne Einbußen bei operativer Kontinuität, kommerzieller Verlässlichkeit und dem technischen Wissen aus drei Jahrzehnten Produktion zu schaffen. Novandino versteht Díaz als öffentlich-private Partnerschaft, die die Erfahrung von SQM bewahrt und über Codelco eine stärkere staatliche Beteiligung einbindet. Der Anspruch sei klar: mehr Lithium, besseres Lithium und zunehmend nachhaltiges Lithium für den Energiewandel.

Als wichtigste Lehre formuliert er: “Ein wettbewerbsfähiges Lithiumprojekt kann sich heute nicht allein auf die Qualität der Ressource stützen.” Nötig seien klare Regeln, robuste Governance, industrielle Kapazitäten, langfristige Investitionen, Akzeptanz in der Region und Transparenz über die Produktionsweise. Für künftige Projekte in Lateinamerika und der Karibik nennt er drei Voraussetzungen: Stabilität, um langfristiges Kapital anzuziehen, Umwelt-, Sozial- und Transparenzkriterien von Beginn an sowie belastbare Beziehungen zu Gemeinden, Behörden, Kund:innen und Investor:innen. Angesichts volatiler Preise werde Glaubwürdigkeit ebenso wichtig wie Produktionskapazität.

Wie Salar Futuro mehr aus weniger holen soll

Entscheidend sei heute nicht nur, wie viel Lithium die Industrie produziert, sondern wie. Im Salar wird lithiumhaltige Sole durch natürliche Sonnenverdunstung konzentriert und anschließend in Antofagasta raffiniert, in der laut Unternehmen weltweit größten Lithiumraffinerie. Dort entstehen batterietaugliches Lithiumcarbonat und Lithiumhydroxid. Das Leitmotiv fasst Díaz knapp zusammen: “mehr mit weniger produzieren”.

Daraus ist das Projekt Salar Futuro entstanden. Es kombiniert Membran-Nanofiltration, mechanische Verdampfung und direkte Lithiumextraktion, um Wasser wiederzuverwenden und Sole kontrolliert zurückzuführen. Experimentell seien diese Verfahren nicht, mehrere laufen bereits in der Raffinerie. Im Juli dieses Jahres wurde Salar Futuro zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht, die Genehmigung erwartet das Unternehmen um 2029, die schrittweise Umsetzung soll 2031 beginnen.

Ebenso wichtig ist Díaz operative Flexibilität, also die Möglichkeit, Produktionsmodule je nach Marktanforderung zu kombinieren. Jeder Salar habe eigene geologische, chemische und hydrologische Eigenschaften, und diese Anpassungsfähigkeit sei selbst ein Wettbewerbsvorteil.

Wasserverbrauch sinkt, während die Produktion wächst

Dass sich Wachstum und Ressourcenverbrauch entkoppeln lassen, belegt Díaz mit einer Kennzahl: Zwischen 2016 und 2025 sank die Wasserintensität pro Tonne Lithiumcarbonat-Äquivalent um mehr als 80 Prozent, während die Produktion deutlich zulegte. Möglich machten das höhere Ausbeuten, präzisere Prozesssteuerung, eine umfassendere Nutzung der Sole und neue Produktionswege. Aus diesen neuen Prozessen stammt inzwischen mehr als ein Drittel der Produktion.

Ein Beispiel ist Lithiumsulfat aus sulfatreicheren Solen, gewonnen über ein patentiertes, eigens für den Salar de Atacama entwickeltes Verfahren mit einer Kapazität von 50.000 Tonnen im Jahr 2025. Salzhalden und Stoffströme, die bis vor wenigen Jahren ungenutzt blieben, werden so zum Ausgangsstoff für batterietaugliche Produkte. Ein öffentliches Monitoringsystem macht zudem Daten zu Soleentnahme und Wassernutzung einsehbar.

Bis 2028 will Novandino die Soleentnahme halbieren, auf 822 Liter pro Sekunde. Mitte der 2030er-Jahre soll kontinentales Wasser dann vollständig entfallen. Díaz sieht darin auch eine regionale Aufgabe: Der kontinuierliche Dialog mit den Gemeinden, Respekt vor ihrer Weltanschauung und gemeinsame lokale Wertschöpfung seien für Salar Futuro entscheidend gewesen.

Ohne sauberen Strom keine sauberere Förderung

Energie bezeichnet Díaz als bestimmenden Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit. Hohe Lithiumkonzentrationen und solare Verdunstung ermöglichen im Salar eine vergleichsweise geringe CO2-Bilanz. Genau daraus erwächst ein Zielkonflikt: Technologien, die Wasser sparen und mehr Lithium gewinnen, benötigen mehr Strom, ihr Umweltnutzen hängt also an sauberer, verlässlicher und bezahlbarer Energie. Salar Futuro sieht deshalb vorrangig erneuerbare Energien und neue Übertragungsleitungen vor.

Chile habe mit dem Ausbau der Erneuerbaren gute Voraussetzungen geschaffen, nun müsse die Infrastruktur mit Technologie und Kapazität Schritt halten. Regional gehe es darum, grünen Strom in komplexe Gebiete zu bringen, in denen Gemeinden, Ökosysteme und verschiedene Nutzungen nebeneinander bestehen. Das erfordere frühe Planung, Beteiligung, regulatorische Klarheit und Abstimmung zwischen Staat und Wirtschaft.

Konkret zeigt sich das an der Flotte elektrischer Schwerlast-Lkw, die Sole zwischen Salar und Raffinerie transportiert. Hin und zurück sind das knapp 500 Kilometer, laut Díaz die längste elektrische Güterverkehrsroute Chiles. Die Strecke erforderte Feldtests und eigens angepasste Ladestationen. Energieplanung funktioniere nur, wenn sie an die operative Realität des Bergbaus angebunden sei.

Rohstoffreichtum allein reicht nicht zur Führungsrolle

Lateinamerika verfügt nach Darstellung von Díaz über mehr als die Hälfte der weltweiten Lithiumressourcen und knapp 40 Prozent der Reserven. Geologische Verfügbarkeit garantiere jedoch keine Marktführerschaft. Es komme darauf an, Vorkommen in Projekte zu überführen, die betriebsfähig, finanzierbar, ökologisch belastbar und sozial tragfähig sind.

Novandino will dazu die Erfahrung aus über dreißig Betriebsjahren einbringen. Der Standort wird nach dem IRMA-Standard für verantwortungsvollen Bergbau geprüft und ist nach Unternehmensangaben bislang die einzige Lithiumoperation weltweit mit einer Bewertung von IRMA 75. In diesem Jahr begann ein neues Re-Audit. Steigende Erwartungen der Stakeholder seien Antrieb, die eigene Arbeitsweise fortlaufend zu hinterfragen.

Die Region habe die Chance, zum globalen Maßstab zu werden, nicht allein wegen ihrer kritischen Mineralien, sondern durch Lösungen, die die Dekarbonisierung beschleunigen. Führung zeige sich darin, wie Rohstoffe gewonnen werden.

Quelle: olacde – Novandino Litio: Resource Efficiency, Governance and the Future of Sustainable Brine Lithium

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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