Public Charging Study 2025: Autobahnen top, Städte schwach

Public Charging Study 2025: Autobahnen top, Städte schwach
Copyright:

Shutterstock / 2421765673

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Deutschland entwickelt sich zunehmend zweigleisig. Während das Schnellladen auf der Langstrecke inzwischen auf einem hohen Niveau angekommen ist, bleiben viele innerstädtische Ladeangebote hinter den Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer zurück. Das ist das zentrale Ergebnis der neuen „Public Charging Study 2025“ von Uscale, für die im Herbst 2025 knapp 2800 E-Mobilistinnen und E-Mobilisten befragt wurden, davon rund 1600 explizit zu ihren Erfahrungen mit öffentlichem Laden.

Die Studie zeigt, dass insbesondere entlang der Autobahnen ein sehr leistungsfähiges Netz entstanden ist. Ladeleistungen von 300 kW und mehr sind dort inzwischen weit verbreitet, und liegen somit häufig sogar höher, als die Fahrzeuge überhaupt aufnehmen können. Entsprechend verliert die maximale Ladeleistung für viele Fahrerinnen und Fahrer an Bedeutung, wenn es um die Wahl des Ladeorts geht. Stattdessen rückt der Preis zunehmend in den Fokus. Wer unterwegs lädt, orientiert sich primär an den Kosten pro Kilowattstunde, weniger an technischen Details der Säule.

Anders stellt sich die Situation im urbanen Raum dar. Hier ist öffentliches Laden für viele Menschen kein Komfort, sondern eine Notwendigkeit, weil sie weder über eine eigene Wallbox noch über Ladeangebote am Arbeitsplatz verfügen. Gleichzeitig sind die Ladepunkte in Städten häufig langsamer, weniger zuverlässig oder schlecht in den Alltag integrierbar. Nur rund ein Fünftel der Befragten nutzt innerstädtische Schnelllade-Standorte, stattdessen dominieren AC-Ladepunkte mit 11 Kilowatt oder weniger.

AC-Ladepunkte oft unpraktisch

Diese führen im Alltag oft zu einem Missverhältnis zwischen Ladezeit und Parkdauer, insbesondere dort, wo Blockiergebühren greifen oder Parkplätze knapp sind. In der Folge werden Ladepunkte als unpraktisch empfunden, selbst wenn sie technisch funktionieren. Studienleiter Axel Sprenger bringt das Problem klar auf den Punkt: „Wer in der Stadt wohnt und weder zuhause noch beim Arbeitgeber laden kann, hat ein echtes Problem.“ Der bisherige Fokus auf die großen Verkehrsachsen greife aus seiner Sicht zu kurz, denn „wir haben das Langstreckenladen sehr gut gelöst, aber den Alltag vieler Menschen dabei aus dem Blick verloren“.

Die Studie macht zudem deutlich, dass sich die Nutzerstruktur der Elektromobilität verschiebt. Während frühe Käuferinnen und Käufer häufig im ländlichen Raum lebten und zu Hause laden konnten, wächst der Anteil urbaner Nutzer, die stärker auf öffentliche Infrastruktur angewiesen sind. Damit steigen die Anforderungen an Standortwahl, Ladeleistung und Verfügbarkeit. In der Stadt zählen nicht allein die Kosten, sondern vor allem die Frage, ob ein Ladepunkt dann verfügbar ist, wenn man ihn braucht, und ob er schnell genug lädt, um in den Tagesablauf zu passen. Preis bleibt wichtig, verliert aber gegenüber Funktionalität und Zuverlässigkeit an Gewicht.

Mehr und schnellere Ladepunkte für die Stadt

Aus Sicht der Studienautoren braucht es deshalb mehr leistungsfähige Ladeangebote in Städten, mehr Gleichstromlader im öffentlichen Raum und im Einzelhandel sowie perspektivisch auch leistungsstärkere AC-Ladepunkte jenseits der heute weit verbreiteten 11 kW. Viele Fahrzeuge könnten technisch längst schneller laden, stoßen aber an infrastrukturelle Grenzen.

Unterm Strich zeichnet die Public Charging Study 2025 von Uscale ein Bild, das gleichermaßen ermutigend wie warnend ist. Deutschland hat beim Schnellladen auf der Langstrecke viel erreicht, doch der Engpass der nächsten Jahre liegt in den Städten. Wenn Elektromobilität auch für Menschen ohne eigene Lademöglichkeit attraktiv bleiben soll, muss der Ausbau der urbanen Ladeinfrastruktur stärker in den Mittelpunkt rücken. Andernfalls droht die Kluft zwischen gut versorgter Fernstrecke und unzureichend erschlossenem Stadtverkehr größer zu werden und damit ein zentrales Versprechen der Elektromobilität für einen großen Teil der Bevölkerung – vorrangig den Laternenparkern – unerfüllt zu bleiben.

Quelle: Uscale – Pressemitteilung vom 14. Januar 2026

worthy pixel img
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

Energiewende kommt voran – aber noch zu langsam

Energiewende kommt voran – aber noch zu langsam

Michael Neißendorfer  —  

Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat zuletzt an Dynamik gewonnen, reicht aber weiterhin nicht aus, um die gesetzlich festgelegten Ausbauziele zu erreichen.

Milliardenverlust: Ford kämpft mit Trumps Zöllen und schleppenden E-Auto-Verkäufen

Milliardenverlust: Ford kämpft mit Trumps Zöllen und schleppenden E-Auto-Verkäufen

Tobias Stahl  —  

US-Autobauer Ford hat im vierten Quartal 2025 tiefrote Zahlen geschrieben. Ford-CEO Jim Farley erwartet für das laufende Jahr dennoch eine starke Performance.

In diesen zwei Nischen wächst der Markt für Wasserstoff-Fahrzeuge

In diesen zwei Nischen wächst der Markt für Wasserstoff-Fahrzeuge

Michael Neißendorfer  —  

Gut 16.000 Brennstoffzellen-Fahrzeuge wurden 2025 weltweit zugelassen, fast alle in Südkorea und China. Im Rest der Welt dampft der Markt stark ein.

VDA warnt vor „massiver Standortkrise“ in Deutschland und Europa

VDA warnt vor „massiver Standortkrise“ in Deutschland und Europa

Michael Neißendorfer  —  

Eine VDA-Umfrage zeigt: Nach Investitionen wandern nun Arbeitsplätze ins Ausland ab. Die Folgen könnten für die deutsche Autoindustrie schmerzhaft sein.

Rekordjahr 2025: So viele Privatkunden wie nie wechseln zum E-Auto

Rekordjahr 2025: So viele Privatkunden wie nie wechseln zum E-Auto

Daniel Krenzer  —  

Rekordjahr für E-Autos: 2025 wechseln so viele Privatkunden wie nie zuvor vom Verbrenner zum Stromer – mit deutlichen Unterschieden zwischen Stadt und Land.

Europa: Neue Elektroautos erreichen schnell hohe Volumina

Europa: Neue Elektroautos erreichen schnell hohe Volumina

Sebastian Henßler  —  

Zwar der Spitzenplatz, aber das Tesla Model Y verliert deutlich Marktanteile. VW, Škoda und Renault holen auf und verändern die Kräfteverhältnisse im Markt.

Kreislaufwirtschaft: Deutschland unter den Vorreitern beim Batterierecycling

Kreislaufwirtschaft: Deutschland unter den Vorreitern beim Batterierecycling

Michael Neißendorfer  —  

Das Batterierecycling gehört zu den bedeutenden Zukunftsfeldern für die deutsche Wirtschaft. Um sein Potenzial zu nutzen, braucht es weitere Innovationen.