Polestar-Chef irritiert über „Technologieoffenheit“

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Daniel Krenzer
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Lange war Thomas Ingenlath für Volkswagen in Führungspositionen tätig, inzwischen ist der Deutsche Geschäftsführer des schwedisch-chinesischen Elektroauto-Herstellers Polestar. Den Diskussionen in der Automobilindustrie in seinem Heimatland attestiert Ingenlath nun im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) eine gewisse Schizophrenie. „Zum einen sich zu sorgen. Zum anderen aber auch, immer wieder Zweifel zu streuen, ob Elektromobilität der richtige Weg ist. Aber in Deutschland lässt die Verbrenner-Lobby immer noch nicht locker“, wundert er sich.

In der Krise sieht er aber auch eine Chance, denn manchmal müsse es „richtig dicke kommen“, um sich einmal mit aller Kraft umzuorientieren. Für die unter anderem von der FDP angestoßene „Technologieoffenheit“ in Deutschland in Sachen Mobilität hat er aber keinerlei Verständnis. „Mein Gott, wir müssten schon längst jenseits dieser Diskussion sein. Natürlich ist Elektromobilität die Zukunft“, echauffiert er sich regelrecht. Immer noch über das Aus von Verbrennern zu diskutieren mache Deutschland zu einem „speziellen Markt“. Allerdings gibt es diese Diskussionen auch in vielen süd- und osteuropäischen Ländern.

Kritik an Zweiflern

Dass immer wieder auch von führenden Vertretern der deutschen Automobilindustrie Zweifel am eingeschlagenen Weg geäußert werden, empfindet Ingenlath als verheerend. „Wie will ich die davon überzeugen, wenn ich selber sage: Ja, aber vielleicht. Da vermisse ich einfach wirkliches Leadership“, sagt er mit Blick auf die Kunden, die sich heute überlegen, ein Elektroauto anschaffen zu wollen.

Bei der IAA in München war Polestar nicht mit einem eigenen Stand vertreten. Laut dem Geschäftsführer hat man das aktuell nicht nötig, die Marke sei in Deutschland bereits etabliert. Auch wenn Polestar wie Volvo zum chinesischen Konzern Geely gehört, hat Ingenlath auch Lob für die chinesischen Marktbegleiter übrig. „Gerade BYD, was für eine Story! Die haben einfach technologiemäßig ihre Hausaufgaben gemacht und sind da sehr gut aufgestellt“, stellt er anerkennend fest.

„Wir sind europäisch“

Allerdings würden die chinesischen Marken noch etwas Zeit benötigen, sich auf dem europäischen Markt zu behaupten. Polestar habe über die Volvo-Verbindung da erhebliche Vorteile. Außerdem sehe sich Polestar durchaus nicht als chinesische Marke. „Wir sind in Göteborg zu Hause, wir sind europäisch. Unsere Ingenieure sitzen in Großbritannien. Dass der Eigentümer chinesisch ist, klar. Aber das Produkt ist von A bis Z europäisch“, betont er. So werde das auch in China gesehen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung – „Polestar: In Deutschland lässt die Verbrenner-Lobby immer noch nicht locker“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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