Nissan will 2026 mit Vehicle-to-Grid loslegen

Nissan will 2026 mit Vehicle-to-Grid loslegen
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 6 min

Nissan ebnet den Weg für ein nachhaltiges Energie-Ökosystem: Der japanische Automobilhersteller will ab 2026 bidirektionales Laden für ausgewählte Elektroautos anbieten. Die Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) ermöglicht es, die in den Hochvoltbatterien der E-Autos gespeicherte Energie für die Stromversorgung des eigenen Hauses zu nutzen oder ins öffentliche Netz einzuspeisen. Die Technik soll nach dem Start in Großbritannien auf weitere europäische Märkte ausgeweitet werden.

Mit diesem Schritt setzt Nissan sein im Unternehmensplan „The Arc“ angekündigtes Vorhaben um, differenzierte Innovationen zu entwickeln, die den Übergang zu Elektroautos vereinfachen und gleichzeitig neue Einnahmequellen erschließen sollen. Die Initiative unterstützt zudem die langfristige „Ambition 2030“-Unternehmensvision einer saubereren, sichereren und integrativeren Welt.

Das Projekt stützt sich auf die umfassende Erfahrung von Nissan: Das Unternehmen hat mit Blick auf die V2G-Technik in den vergangenen zehn Jahren rund vierzig Pilotprojekte weltweit durchgeführt, auch in Deutschland. Nach der erfolgreichen, einjährigen Erprobung an der Universität Nottingham hat Nissan als erstes Automobilunternehmen die vom TÜV Rheinland vergebene „G99 Grid Code“-Zertifizierung für eine auf Wechselstrom (AC) basierende Lösung erhalten, die für die Stromeinspeisung ins öffentliche Netz Großbritanniens erforderlich ist.

Unter dem Namen Nissan Energy will das Unternehmen die V2G-Technologie in ganz Europa und weiteren Märkten einführen. Je nach lokaler Infrastruktur und gesetzlichen Vorgaben sollen Kundinnen und Kunden hierfür V2G-Lösungen auf Wechsel- (AC) oder Gleichstrom-Basis (DC) angeboten werden.

Vorteile der Vehicle-to-Grid-Technologie

Mit dem Einsatz der integrierten bidirektionalen V2G-Technologie von Nissan können Kundinnen und Kunden ihre jährlichen Stromkosten, die mit einem Elektroauto anfallen, bis zu fünfzig Prozent senken, stellt der Hersteller in Aussicht. Auch die Netto-CO2-Emissionen, die durch das Aufladen in einem durchschnittlichen Haushalt in Großbritannien entstehen, lassen sich demnach bis zu dreißig Prozent pro Jahr und Elektroauto verringern.

Gleichzeitig spielen V2G-fähige Elektroautos eine entscheidende Rolle bei der Integration und dem Ausbau erneuerbarer Energien: Sie können Wind- und Sonnenenergie speichern und bei Bedarf wieder in das Netz einspeisen, wodurch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert wird.

Eines der bidirektionalen Systeme, die Nissan anbietet, ist das in Großbritannien zertifizierte, integrierte On-Board-AC-Ladegerät. Es senkt die Einstiegskosten und macht die Technologie für mehr Menschen zugänglich. Nissan strebt einen Preis auf dem Niveau heutiger monodirektionaler Ladegeräte an. Neben den niedrigen Einstiegskosten biete das V2G-System den Kundinnen und Kunden über eine spezielle App auch die vollständige Kontrolle und Flexibilität über ihre Energieversorgung.

„Die Technologie hat das Potenzial, unsere Sichtweise auf das Auto zu verändern“

Die Markteinführung ist Teil der Strategie von Nissan, ein vollständig integriertes Energie-Ökosystem zu schaffen: nachhaltig hergestellte Elektroautos, die emissionsfrei fahren, mit sauberer Energie aufgeladen werden und sowohl Strom ins eigene Haus als auch ins öffentliche Netz zurückspeisen können.

Die Technologie, die wir unseren Kundinnen und Kunden anbieten, hat das Potenzial, unsere Sichtweise auf das Auto zu verändern. Es ist nicht mehr nur ein Verkehrsmittel, um von A nach B zu kommen, sondern ein mobiler Energiespeicher, der Menschen hilft, Geld zu sparen, die Abkehr von fossilen Brennstoffen unterstützt und uns einer CO2-freien Zukunft näherbringt“, erklärt Hugues Desmarchelier, Nissan Vice President Global Electrification Ecosystem & EV Programs. „Eine On-Board-Lösung für das wechselseitige Aufladen wird die Kosten für die Integration eines Elektroautos in die Energieversorgung erheblich senken und die Möglichkeit bieten, das Fahrzeug über seinen Lebenszyklus hinweg als Einnahmequelle zu nutzen.“

Viele Partner und ein gemeinsames Ziel

Das V2G-Pilotprojekt in Großbritannien wurde zum Teil vom Advanced Propulsion Centre (APC) der britischen Regierung finanziert. Die Einrichtung soll den Wandel in der Automobilindustrie unterstützen und beschleunigen „Dies ist ein Meilenstein für das gemeinschaftliche Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das vom Nissan Technical Centre Europe geleitet und vom Ministerium für Wirtschaft und Handel über das APC unterstützt wurde“, so Ian Constance, Vorstandsvorsitzender des APC. „Die Investition in Vehicle-to-Grid-Technologie und die entsprechende Forschung und Entwicklung in Großbritannien sind Teil eines systemischen Ansatzes zur Dekarbonisierung.“

Lilian Greenwood, britische Ministerin für die Zukunft des Straßenwesens, sagt: „Die Vehicle-to-Grid-Technologie ist eine fantastische Innovation, die das Potenzial hat, den Menschen Geld zu sparen und den Übergang zu Elektroautos in Großbritannien zu beschleunigen. Ein umweltfreundlicheres Verkehrsnetz ist eine der Hauptprioritäten unserer Regierung, und durch die Zusammenarbeit mit der Industrie werden wir das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher stärken und unser gemeinsames Ziel erreichen, mehr E-Autos auf die Straße zu bringen.“

Nissan arbeitete im Rahmen des Projekts mit verschiedenen Partnern zusammen – zum Beispiel mit Dreev und Enovates. Dreev, ein Joint Venture zwischen EDF und NUVVEF, war für die Datenerfassung, die Erstellung von Kundenprofilen und die Festlegung eines Lade- bzw. Entladeplans verantwortlich, der auf der Analyse der Wallbox-Daten beruhte.

Wir arbeiten seit Jahren gemeinsam mit Nissan an diesem revolutionären technologischen Abenteuer und freuen uns sehr, Teil dieses neuen Kapitels zu sein“, freut sich Eric Mévellec, CEO von Dreev. „Wir sind davon überzeugt, dass die V2X-Technologie eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielt. Sie senkt die Stromrechnung der Kundinnen und Kunden und bietet gleichzeitig enorme Speicherkapazitäten für das Stromnetz.

Enovates, ein in Belgien ansässiges Unternehmen für Mobilitätstechnologie, entwickelte die Wallbox und das Electric Vehicle Supply Equipment (EVSE) inklusive entsprechendem Aufbau und Testzertifizierung. Die Wallbox fungiert als Knotenpunkt des Systems: Sie sendet und empfängt Informationen über den Energiebedarf und das Energieangebot aus der Dreev-Cloud und weist das E-Auto an, zu laden oder Energie an das Haus bzw. öffentliche Netz abzugeben.

Nissan-V2G-Wallbox
Nissan

Enovates ist stolz auf die Zusammenarbeit mit Nissan und den Feldversuch, mit dem sich die realen Vorteile der AC-basierten V2G-Technologie demonstrieren lassen“, erklärt Bart Vereecke, CEO von Enovates. „Dieser Test ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen, vernetzten Energiezukunft, in der Elektroautos eine zentrale Rolle für nachhaltige Mobilitätslösungen und für die Lösung von Engpässen im Energienetz spielen.“

Enovates hat sich schon immer dafür eingesetzt, die Grenzen der V2G-Technologie zu erweitern. Wir freuen uns, unser Fachwissen im Bereich des AC-Ladens in dieses Projekt einbringen zu können“, ergänzt Stijn Vispoel, Enovates Manager für Forschung und Entwicklung. „Unsere zertifizierten AC-V2G-Ladegeräte bilden die nächste Generation der Energietechnologie, die zugängliche, effiziente und intelligente Lösungen für die Zukunft des Verkehrs und der Energie bietet.

Die Universität von Nottingham spielte bei dem Versuch ebenfalls eine zentrale Rolle: Sie stellte ihre Creative Energy Homes auf dem Campus zur Verfügung und unterstützte die akademische Forschung. Nissan arbeitet weiterhin mit diesen und weiteren Partnern zusammen, um die erforderliche Netz-Zertifizierung auch in anderen Märkten zu erreichen, ein nahtloses Kundenerlebnis sicherzustellen und die Technologie noch mehr Kundinnen und Kunden zugänglich zu machen.

Eine der großen Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft heute steht, ist die Energieversorgung – und wie wir sie erschwinglich, zuverlässig und sauber gestalten können“, so Guillaume Cartier, Nissan Chairperson für die AMIEO-Region. „Wir bei Nissan sehen eine Zukunft, in der die Energie aus dem Auto in der Einfahrt kommt und nicht nur aus dem Kraftwerk: voll integriert, flexibel und sauber.“

Quelle: Nissan – Pressemitteilung vom 10.10.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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