Nissan: Neuer weltweiter Strategieplan führt ins Elektro-Zeitalter

Nissan: Neuer weltweiter Strategieplan führt ins Elektro-Zeitalter
Copyright ©

Nissan

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Nissan hat einen neuen Geschäfts- und Strategieplan erarbeitet – genannt „The Arc“ –, mit dem der japanische Autohersteller seine Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität steigern will. Das neue Produktportfolio, mit dem das gelingen soll, treibe die Elektrifizierung voran, führe neue Wege in der Entwicklung und Produktion ein und nutze etablierte wie auch neue Partnerschaften, um die Vision der Ambition 2030 zu erreichen, so Nissan in einer aktuellen Mitteilung.

Der Plan gilt demnach als Brücke zwischen dem Tranformationsplan NEXT der Geschäftsjahre 2020 bis 2023 und der Nissan Ambition 2030, der langfristigen Vision des Unternehmens. Der neue Plan ist in kurz- und mittelfristige Imperative für die Geschäftsjahre 2024 bis 2026 und mittelfristige Maßnahmen unterteilt, die bis 2030 durchgeführt werden müssen.

Im Rahmen des zweiteiligen Plans will Nissan zunächst Maßnahmen ergreifen, um das Volumenwachstum durch eine maßgeschneiderte regionale Strategie zu gewährleisten und sich auf einen beschleunigten Übergang zu Elektroautos vorzubereiten. Das Ziel ist, den Fahrzeugabsatz bis 2026 um eine Million Einheiten und so die Marge auf mehr als 6 Prozent zu erhöhen. 2023 verkauften die Japaner weltweit gut 3,4 Millionen Fahrzeuge.

Die Steigerung des Fahrzeugabsatzes um gut ein Drittel soll den Weg für den zweiten Teil des Plans ebnen, der fokussiert darauf abziele, den Übergang zu Elektroautos zu beschleunigen und ein langfristiges profitables Wachstum zu etablieren.

16 elektrifizierte Fahrzeuge bis 2026

Nissan plant, innerhalb der kommenden drei Jahre weltweit 30 neue Modelle auf den Markt zu bringen, von denen 16 elektrifiziert und 14 reine Verbrenner sein sollen, um die vielfältigen Kundenbedürfnisse in verschiedenen Märkten und Regionen zu erfüllen, in denen sich das Tempo der Elektrifizierung stark unterscheidet. Nissan plant im Anschluss, bis 2030 insgesamt 34 elektrifizierte Modelle auf den Markt gebracht zu haben, um alle Segmente abdecken zu können. Im Modellmix rechnet Nissan bis 2026 mit einer Elektroauto-Quote von 40 Prozent und bis 2030 in Höhe von 60 Prozent.

Die Produktoffensive werde durch neue Entwicklungs- und Fertigungsansätze unterstützt, die darauf abzielen, Elektroautos erschwinglicher zu machen und die Rentabilität zu steigern. Durch die Entwicklung von E-Autos in „Familien“, wie Nissan es nennt, die Integration von Antriebssträngen, die Nutzung der modularen Fertigung der nächsten Generation, durch eine verbesserte Gruppenbeschaffung und durch Batterieinnovationen zielt Nissan darauf ab, die Kosten von Elektroautos der nächsten Generation im Vergleich zum aktuellen Crossover-Modell Ariya um 30 Prozent zu senken. Bis zum Geschäftsjahr 2030 will Nissan die Kostenparität zwischen Elektroautos und Verbrenner-Modellen erreicht haben.

Allein im Bereich der Fahrzeugentwicklung, so Nissan in seiner Mitteilung, könnten die Kosten für nachfolgende Fahrzeuge – diejenigen, die auf der Grundlage des Hauptfahrzeugs der Familie entwickelt wurden – um 50 Prozent reduziert, die Variation der Trimmteile um 70 Prozent und gleichzeitig die Vorlaufzeit für die Entwicklung um vier Monate verkürzt werden. Durch die Einführung der modularen Fertigung werde zudem die Produktionslinie verkürzt, wodurch die Produktionszeit pro Fahrzeug um 20 Prozent verringert werde.

Im Rahmen des Arc-Plans sollen mehr Werke in Japan und im Ausland dieses Nissan Intelligent Factory genannte Konzept übernehmen, wobei die Oppama- und Nissan Motor Kyushu-Werke in Japan, das Sunderland-Werk in Großbritannien und die Anlagen von Canton und Smyrna in den USA mit der Einführung zwischen 2026 bis 2030 beginnen sollen. In der Zwischenzeit werde der EV36Zero-Produktionsansatz von Sunderland in Großbritannien zwischen 2025 und 2028 auf Werke wie Canton, Decherd und Smyrna in den USA sowie Tochigi und Kyushu in Japan erweitert.

Neue Batterie-Technologien für die E-Autos von morgen

Nissan will laut dem neuen Plan auch verbesserte Batterien – NCM, LFP sowie Festkörper – anbieten, um diversifizierte Elektroautos bereitzustellen, die unterschiedlichen Kundenbedürfnissen gerecht werden sollen. Bei den NCM-Batterien liege der Fokus darauf, die Schnellladezeit um 50 Prozent zu verringern und die Energiedichte im Vergleich zum Ariya um 50 Prozent zu erhöhen. LFP-Batterien, die in Japan entwickelt und hergestellt werden sollen, sollen die Kosten im Vergleich zum Kleinststromer Sakura um 30 Prozent senken.

Die ersten Elektroautos mit verbesserten NCM-, LFP- und mit Festkörperbatterien sollen im Geschäftsjahr 2028 auf den Markt kommen. Bei der Eigenproduktion von E-Auto-Batterien will Nissan eine Produktionskapazität von 135 Gigawattstunden aufbauen.

Nissan werde weiterhin seine strategischen Partnerschaften nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und ein globales Portfolio an Produkten und Technologien anzubieten, etwa auch die Allianz mit Renault und Mitsubishi in Europa, LATAM, ASEAN und Indien. In China will Nissan seine lokalen Kapazitäten voll ausschöpfen, um die Bedürfnisse Chinas und darüber hinaus zu erfüllen; neue Partnerschaften sollen vor allem für Japan und die USA erkundet werden.

Quelle: Nissan – Pressemitteilung vom 25.03.2024

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Ähnliche Artikel

CO₂-Vorgaben: BMW liefert, der Rest hinkt hinterher

CO₂-Vorgaben: BMW liefert, der Rest hinkt hinterher

Sebastian Henßler  —  

BMW erfüllt als einziger deutscher Hersteller die EU-Klimaziele. Mercedes und Volkswagen liegen teils deutlich über den Grenzwerten, trotz gelockerter Fristen.

Rabattaktion: Dacia verbilligt den Spring auf 11.900 Euro

Rabattaktion: Dacia verbilligt den Spring auf 11.900 Euro

Michael Neißendorfer  —  

Noch billiger gibt es bis auf zwei, drei Ausnahmen auch keine Verbrenner mehr: Dacia bietet sein E-Auto Spring 5000 Euro günstiger als regulär an.

Stellantis-Patent soll Batteriebrände frühzeitig stoppen

Stellantis-Patent soll Batteriebrände frühzeitig stoppen

Sebastian Henßler  —  

Stellantis-Patent zielt auf kritische Batteriesituationen: Eine Schaummischung im Batteriepack soll Hitze binden und thermisches Durchgehen früh eindämmen.

Hongqi testet Feststoffbatterie im Tiangong 06

Hongqi testet Feststoffbatterie im Tiangong 06

Sebastian Henßler  —  

Hongqi integriert erstmals eine Feststoffbatterie in ein reales E-Auto. Der Prototyp Tiangong 06 markiert den Schritt hin zu Tests im Gesamtfahrzeug.

Ford zögert mit neuer Elektroplattform für Europa

Ford zögert mit neuer Elektroplattform für Europa

Sebastian Henßler  —  

Ford hält die neue UEV Elektroplattform für Europa zurück. Nicht die Technik bremst, sondern Investitionen, Risiken und Erfahrungen aus früheren Allianzen.

Nio plant für 2026 mindestens 1000 neue Wechselstationen

Nio plant für 2026 mindestens 1000 neue Wechselstationen

Laura Horst  —  

Nio will dieses Jahr 1000 neue Batteriewechselstationen errichten und dabei die fünfte Generation seiner Stationen mit 20 Prozent höherer Kapazität einführen.