Nio Deutschland: Neuer Chef tritt schwieriges Erbe an

Nio Deutschland: Neuer Chef tritt schwieriges Erbe an
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Nio hat es nicht einfach in Europa, im Speziellen in Deutschland. Auf Marius Hayler folgt David Sultzer ab sofort als neuer General Manager Nio Deutschland. Dieser nimmt sich dem operativen und strategischen Geschäft der chinesischen Marke in Deutschland an. Hayler indes räumt seinen Posten, den er erst im Oktober 2023 angetreten hat und wird künftig für Polestar in Norwegen tätig sein.

All dies geschieht nicht ohne Vorzeichen. Seit dem Markteintritt Ende 2022 hat der Hersteller Schwierigkeiten, Käufer für seine Premium-Elektroautos zu finden. Trotz vieler positiver Testberichte konnte Nio im letzten Jahr lediglich 1263 Autos auf deutschen Straßen platzieren. 2024 sieht es bisher noch düsterer aus: Von Januar bis Mai registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt nur 190 neue Nio-Stromer. Die Strafzölle auf E-Autos aus China erleichtern die Situation hierbei nicht gerade.

In einer Stellungnahme betonte das Unternehmen, dass es entschieden gegen die Verwendung erhöhter Zölle als Strategie zur Behinderung des normalen globalen Handels mit Elektroautos sei. Diese Herangehensweise behindere eher den globalen Umweltschutz, die Emissionsreduktion und die nachhaltige Entwicklung, so das Unternehmen. William Li, CEO und Gründer des Unternehmens, äußerte sich EAN gegenüber, dass Nio seine E-Autos weltweit verkaufen möchte. Trotz der Strafzölle betont Nio, dass sein Engagement für den europäischen Markt ungebrochen bleibt. Das Unternehmen erklärte, dass es weiterhin seine Nutzer in Europa bedienen und neue Chancen in der Region erkunden werde, ungeachtet des Protektionismus.

Beim Vertrieb der eigenen Modelle setzt der Hersteller auf sogenannte Nio-Hubs in Städten wie Berlin, Frankfurt und Düsseldorf, die sich jedoch nicht als effektive Verkaufsstätten erweisen, wie das Manager-Magazin berichtet. Um dem entgegenzuwirken, plant Nio nun die Eröffnung von autohausähnlichen „Hubs“ in München, Köln und Frankfurt. Bisher ist nur der Münchener Standort in Betrieb. Ein fehlendes Werkstatt- und Servicenetz werde von Mitgliedern der Nio-Community bemängelt. Auch die Verbreitung der sogenannten „Power Swap Stations“ – Batteriewechselstationen, in denen Nio-Fahrer ihre Akkus in wenigen Minuten tauschen können – sei unzureichend. Aktuell gibt es in Deutschland nur 15 solcher Stationen, europaweit sind es 43.

Ende 2023 stoppte Lihong Qin, Nios Nummer zwei, die Expansion in weitere europäische Märkte wie Österreich, Belgien und die Schweiz, um die Verluste zu begrenzen. 2023 verbrauchte Nio im operativen Geschäft fast 3 Milliarden Euro, im ersten Quartal 2024 waren es rund 667 Millionen Euro. Nun liegt es an Sultzer, das Beste aus der aktuellen Situation zu machen.

David Sultzer ist aktuell als Regional Manager East für Nio Deutschland tätig und erst seit September 2023 im Unternehmen. Zuvor war er Leiter des Direktvertrieb Außendienst von Genesis in Deutschland. „Ich freue mich darauf, in meiner neuen Position als General Manager Nio Deutschland die Zukunft des Unternehmens noch stärker aktiv gestalten und den Weg meiner Vorgänger mit eigenen Impulsen erweitern zu können. Wir werden kontinuierlich daran arbeiten, unsere Infrastruktur auszubauen und Nio somit weiter auf dem Markt zu etablieren“, so Sultzer selbst über sein Verständnis seiner Rolle bei Nio.

Quelle: Nio – Pressemitteilung / Manager-Magazin – Nio kommt in Deutschland nicht zur Ruhe

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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