Nikola bündelt Wasserstoff-Energiegeschäft bei Hyla

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Das US-Unternehmen Nikola, ein Anbieter von emissionsfreien Transport-, Energieversorgungs- und Infrastrukturlösungen, hat seine neue Marke Hyla angekündigt. Dort werde das Unternehmen sein Energiegeschäft bündeln, welches auf Wasserstoff fokussiert ist. Bei Hyla gehe es um die Herstellung, den Vertrieb, die Verteilung und die Abgabe von Wasserstoff für die Lkw von Nikola sowie H2-Lkw von anderen Herstellern. Außerdem teilte Nikola mit, neue Abnehmer für seinen Brennstoffzellen-Lkw Tre gefunden zu haben. Einer davon kommt aus Deutschland und will 100 Stück einflotten.

Doch zunächst zu Hyla: „Nikola hat erfolgreich ein revolutionäres neues Produkt, den Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw, sowie die gesamte Lieferkette der Wasserstoff-Energieinfrastruktur unter einem Dach integriert“, wird Nikola CEO und Präsident Michael Lohscheller in einer aktuellen Mitteilung zitiert. Carey Mendes, Präsident von Nikola Energy, fügt hinzu, dass Wasserstoff der Katalysator für die Marke Hyla sei und den Kunden „als zukunftsorientierte Lösung dient, um ihnen zu helfen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und die gesamten CO2-Emissionen im Transportsektor drastisch zu reduzieren“.

Unter dem Dach von Hyla will Nikola mittelfristig Kapazitäten aufbauen, um an insgesamt fünf Standorten 300 Tonnen Wasserstoff pro Tag produzieren und verteilen zu können. In Buckeye, Arizona, etwa plant das Unternehmen den Aufbau eines Wasserstoff-Hubs, der in der ersten Ausbauphase, die Ende 2024 abgeschlossen sein soll, 30 Tonnen des Energieträgers herstellen soll. Im Endausbau sollen es 150 Tonnen pro Tag sein. Das Phoenix Hydrogen Hub (PHH) genannte Projekt unweit des Hauptsitzes von Nikola soll der größte Standort werden. Die endgültige Investitionsentscheidung hänge noch von den üblichen behördlichen Genehmigungen ab.

Mobile Wasserstoff-Tankstellen für mehr Flexibilität

Zudem plant Hyla, bis zum Jahr 2026 in den USA ein Netz mit 60 Wasserstofftankstellen einzurichten. Die ersten Standorte sollen in Kalifornien entstehen, in den Städten Colton und Ontario, beide im Großraum Los Angeles gelegen. Auch in der Nähe des Hafens von Long Beach soll eine H2-Tankstelle aufgebaut werden, womit sich insgesamt eine recht gute Versorgung rund um den wichtigen Umschlagplatz ergeben soll.

Um auch an entlegeneren Standorten Brennstoffzellen-Lkw mit Wasserstoff versorgen zu können, hat Hyla eine flexible mobile Kraftstofflösung angekündigt. Sie soll den Treibstoff gezielt dorthin bringen, wo er gebraucht wird. Die mobile Betankungsanlage kühlt und komprimiert Wasserstoff, um Brennstoffzellen-Lkw ortsunabhängig auftanken zu können. Das mobile System soll insgesamt 960 kg Wasserstoff mit sich führen können. Mehr als genug, um mehrere Brennstoffzellen-Lkw vollzutanken.

Die Vorstellung unseres Nikola Tre Brennstoffzellen-Lkw und des flexiblen mobilen Tankanhängers zeigt einen echten und nachhaltigen Wettbewerbsvorteil für unsere Kunden und ist ein wichtiger Beweis dafür, dass wir erreichen, was wir uns vorgenommen haben“, so Nikola-CEO Lohscheller hierzu. Die erste mobile H2-Tankstelle habe bereits die Inbetriebnahme und Prüfung abgeschlossen und sei für den Marktbetrieb freigegeben worden. Nikola teilt mit, schon mehrere der mobilen Wasserstofftanken fertiggestellt zu haben, und diese noch im ersten Quartal 2023 in Betrieb zu nehmen.

Ob Hyla auch in Europa eingeführt wird, teilte Nikola noch nicht mit. Die angekündigten Projekte beziehen sich allesamt auf die USA. In Europa scheint das Unternehmen eine andere Strategie zu verfolgen. Gemeinsam mit Eon etwa baut das US-Unternehmen bereits an einem europäischen Ökosystem für Wasserstoff-Lkw.

Neue Bestellungen für den Nikola Tre Brennstoffzellen-Lkw

Die Brennstoffzellen-Version des Nikola Tre – den es auch rein Batterie-elektrisch gibt – weist eine Reichweite von bis zu 800 Kilometer auf. Und das mit deutlichen Gewichtseinsparungen im Vergleich zu batterieelektrischen Lkw mit ähnlicher Reichweite. Nikola geht davon aus, dass der Tankvorgang an speziellen Wasserstoff-Tankstellen des Unternehmens etwa 20 Minuten dauern wird.

Ein Konzept, das einen weiteren Kunden überzeugt hat: Das US-Unternehmen Biagi Brothers aus Kalifornien hat 15 der Wasserstoff-Lkw von Nikola geordert, sie sollen Ende 2023 ausgeliefert werden. Das Unternehmen hatte die H2-Lkw bereits seit gut einem Jahr im Testbetrieb nutzen können.

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Nikola

Ein weiterer möglicher neuer Kunde kommt aus Deutschland: GP Joule, ein integrierten Energieversorger in allen Bereichen der Energie-Wertschöpfungskette mit Sitz in Reußenköge, hat eine Absichtserklärung über die Bestellung von 100 Nikola Tre mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb bekannt gegeben. Die Nikola Tre FCEV in der europäischen 6×2-Variante laufen im Ulmer Produktionswerk des Joint Ventures von Nikola und der Iveco Group vom Band.

Die ersten 30 der insgesamt 100 H2-Lkw werden voraussichtlich im Jahr 2024 an GP Joule ausgeliefert. Die restlichen 70 Fahrzeuge sollen im Jahr 2025 zur Auslieferung kommen. GP Joule halte sich dabei die Möglichkeit offen, die zweite Charge über GATE – Green & Advanced Transport Ecosystem, dem All-inclusive-Vermietungsmodell für elektrische Lkw von Iveco, zu beziehen, so das Unternehmen in einer aktuellen Mitteilung. GP Joule will die 100 Wasserstoff-Lkw seinen Transport- und Logistik-Kunden zur Verfügung stellen. Der Auftrag steht unter Vorbehalt einer erfolgreichen Bewerbung um eine KsNI-Förderung, dem deutschen Förderprogramm nach der „Richtlinie über die Förderung von leichten und schweren Nutzfahrzeugen mit alternativen, klimaschonenden Antrieben und dazugehöriger Tank- und Ladeinfrastruktur für elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge“ des Bundesamtes für Logistik und Mobilität.

Darüber hinaus wurde in der Absichtserklärung vereinbart, dass GP Joule ab 2026 weitere Sattelzugmaschinen mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb an Kunden in Europa vermarktet und an GP Joule-Tankstellen mit 100 Prozent grünem Wasserstoff versorgt. „Der Auftrag von GP Joule ist ein Beispiel dafür, wie der Nikola Tre FCEV gewerbliche Kunden in Deutschland bei der Umstellung auf lokal emissionsfreie Nutzfahrzeuge bereits einige Jahre vor den anderen Herstellern unterstützen kann, um das Ziel der Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs zu erreichen“, so Michael Lohscheller, Präsident und CEO der Nikola Corporation.

Eine Notlösung von GP Joule?

100 Prozent erneuerbare Energie für alle, das ist unser Antrieb“, ergänzt André Steinau, Geschäftsführer der GP Joule Hydrogen GmbH. „Gemeinsam mit Nikola und Iveco bieten wir unseren Kunden alle Komponenten für den klimaneutralen Schwerlastverkehr aus einer Hand: von der Produktion und dem Einkauf des grünen Wasserstoffs über die Wasserstofftankstellen bis hin zu den bedarfsgerechten Brennstoffzellen-Sattelzugmaschinen und dem Service. Das ist der einfache Einstieg in den lokal emissionsfreien Straßengüterverkehr.

Mit dem Deal bei Nikola scheint sich GP Joule auf das mögliche Aus von Clean Logistics zu rüsten: Bei dem Wasserstoff-Lkw-Retrofitter hatte GP Joule im vergangenen Jahr 5000 (!) Fahrzeuge bestellt, der bis dato größte Auftrag weltweit für die emissionsfreien Schwerlaster. Doch wie es scheint, droht Clean Logistics die Insolvenz: Über eine Notmaßnahme versucht das Unternehmen aus Hamburg derzeit, Geld an der Börse einzusammeln. Insgesamt sollen bis zu 2,7 Millionen neue Aktien zu 1,80 Euro je Aktie platziert werden.

Quelle: Nikola – Pressemitteilungen vom 25.01.2023 / GP Joule – Pressemitteilung vom 23.01.2023 / Hamburger Abendblatt – Scharfe Kritik an Clean Logistics: „Viel Geld verbrannt“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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