Wie die neue Förderung die E-Auto-Verkäufe pusht

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Durch eine sprunghafte Zunahme im Monat März sind im ersten Quartal des Jahres so viele Deutsche privat von einem Verbrennermotor auf ein Elektroauto gewechselt wie nie zuvor. Dies ergibt das aktuelle HUK-E-Barometer, das diese Umstiegshäufigkeit in Deutschland seit 2020 messbar macht. So war im ersten Quartal ein Umstieg bei 7,5 Prozent aller Fahrzeugwechsel der Fall (Vor-Quartal 6,3 Prozent). Gegenüber dem Gesamtjahr 2025 bedeutet das eine Zunahme um mehr als ein Drittel. Noch klarer wird der Sprung beim Blick auf den Monat März. Hier lag die Umstiegsquote um mehr als 60 Prozent höher als die im Gesamtjahr 2025 (8,9 Prozent zu 5,5 Prozent). Bei jungen Autofahrern unter 40 Jahren schnellten die Umstiege sogar auf fast das Doppelte nach oben (4,0 Prozent zu 7,8 Prozent).

Bei der Ursachensuche für den starken Anstieg liefert die im HUK-Barometer immer enthaltende bundesweite Repräsentativ-Befragung wertvolle Hinweise: So gab bei der Befragung im ersten Quartal 2026 rund jeder fünfte Bundesbürger mit Führerschein an (18 Prozent), dass die neue staatliche Förderung von Elektroautos direkte Auswirkungen auf ihn habe: Elf Prozent wollten dadurch jetzt „erstmals überhaupt über die Anschaffung eines reinen Elektroautos nachdenken“. Und sieben Prozent wollten „eine geplante Anschaffung durch die neue Förderung jetzt wahrscheinlich vorziehen“.

Noch aufschlussreicher ist aber: Preissensiblere Kunden, auf die die neue E-Förderung besonders zielt, reagieren um ein Vielfaches stärker. So stößt etwa bei jüngeren Autofahrern unter 40 Jahren die neue Förderung fast dreimal so häufig auf eine positive Resonanz wie bei älteren Autofahrern (31 Prozent zu 12 Prozent). Und auch Eltern minderjähriger Kinder äußern sich deutlich häufiger positiv (32 Prozent zu 14 Prozent ohne minderjährige Kinder). Im Ergebnis wird in beiden Gruppen jetzt auch dreimal häufiger geplant, „ein reines E-Auto wahrscheinlich früher als bisher geplant anzuschaffen“ als in ihren Referenzgruppen.

Huk-Coburg

Mit Rekordwerten bei den tatsächlich auch erfolgten Umstiegen auf reine E-Autos im März 2026 kann das HUK-E-Barometer diese Befragungsergebnisse bereits bestätigen. So erhöhten sich die Umstiege der unter 40-jährigen Autofahrer auf E-Autos im Monat März um 95 Prozent gegenüber dem Gesamtjahr 2025. Auch etwa bei allen, die zur Miete wohnen, betrug das Plus 86 Prozent. Und bei 75 Prozent lag der Zuwachs unter denjenigen, die weder über Garage noch Carport zur Autounterbringung verfügen.

Zugleich zeigt sich, dass bei Umstiegen von Verbrenner-Autos auf rein elektrische Neuwagen preisgünstigere Autos tendenziell besonders profitieren konnten, insbesondere von ausländischen Herstellern, allen voran Tesla, Kia, Citroën, Leapmotor, Peugeot, BYD und Mazda, die ihre Anteile zum Teil deutlich mehr als verdoppeln konnten.

HUK-Coburg

Dr. Jörg Rheinländer, im Vorstand der HUK-Coburg zuständig für die Kfz-Versicherung, resümiert: „Die an Einkommenshöhen und Kinderzahl gekoppelte neue staatliche Förderung für Elektroautos zeigt offenkundig Wirkung in den Zielgruppen. Viel spricht daher dafür, dass eine Ausdehnung der Förderung auch auf gebrauchte E-Autos den Trend noch deutlich verstärken könnte, weil niedrigere Anschaffungskosten ein entscheidender Hebel im E-Automarkt sind.“

Gebrauchte E-Autos als Gamechanger

Gebrauchte Autos werden in Deutschland traditionell um ein Mehrfaches häufiger angeschafft als Neuwagen. Durch die aber erst kurze Historie von E-Autos und dem erst anwachsenden Angebot an E-Gebrauchtwagen wurde hier erst 2024 ein erstmals etwa gleichgroßes Absatz-Verhältnis erreicht. Offenbar ausgelöst durch die staatliche E-Förderung nur für Neuwagen zeigte sich zuletzt im März 2026 aber im HUK-E-Barometer, dass die Zulassungen von Neuwagen prozentual kräftiger zulegten als bei E-Gebrauchtwagen. Realistisch ist daher die Prognose, dass der Gesamtabsatz an E-Autos, also Neu- plus Gebrauchtwagen, sich beschleunigt auch im Gesamtjahr 2026 fortsetzen wird. So bieten insbesondere schnell verfügbare, gebrauchte E-Autos die Möglichkeit, unmittelbar auf hohe Benzin- und Dieselpreise zu reagieren.

Wichtig für positive Resonanz auf die neue staatliche E-Auto-Förderung scheint zudem eine eigene Fahrerfahrung. So erklären in der Repräsentativumfrage diejenigen Führerschein-Besitzer, die noch nie ein E-Auto selbst gefahren haben (das sind etwa zwei Drittel aller Autofahrer) nur zu zwölf Prozent, dass sie aufgrund der neuen E-Förderung ihre eigenen Anschaffungspläne wahrscheinlich ändern wollen bzw. die Förderung Auswirkungen auf sie hat. Unter denen aber, die einen Stromer schon selbst einmal gefahren haben, ohne einen eigenen zu besitzen, liegt die Quote fast doppelt so hoch (22 Prozent). Und bei E-Auto-Besitzern beträgt sie sogar 53 Prozent.

Quelle: HUK – Pressemitteilung vom 28.05.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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