Lithium aus Deutschland: Neptune startet nächste Pilotphase in der Altmark

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Neptune Energy

Daniel Krenzer
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  —  Lesedauer 3 min

Deutschland könnte künftig einen größeren Teil des Lithiums für Elektroauto-Batterien selbst fördern. Neptune Energy hat in der Altmark in Sachsen-Anhalt die zweite Pilotphase seines Lithiumprojekts gestartet. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IEG soll nun vor allem untersucht werden, welches Material sich am besten für die direkte Lithiumextraktion aus dem dortigen Thermalwasser eignet.

Das geologische Potenzial ist beträchtlich: Neptune spricht von nachgewiesenen Ressourcen von rund 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent (LCE). Das Lithium befindet sich gelöst in Thermalwasser in etwa 3000 bis 4000 Metern Tiefe. Dabei handelt es sich allerdings um eine Ressourcenabschätzung und nicht um die Menge, die sich tatsächlich wirtschaftlich fördern lässt.

In der ersten Pilotphase hatte Neptune verschiedene Verfahren der Direct Lithium Extraction (DLE) untersucht. Die Adsorption habe unter den Bedingungen der Altmark die vielversprechendsten Ergebnisse geliefert und soll nun weiter optimiert werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Dafür betreiben Neptune und das Fraunhofer IEG eine Pilotanlage, die täglich bis zu 1000 Liter Thermalwasser verarbeiten kann. Verschiedene Adsorbermaterialien sollen Lithium-Ionen aus dem Wasser aufnehmen und anschließend wieder freigeben. Daraus entsteht zunächst eine konzentrierte Lithiumchlorid-Lösung, die später zu batteriefähigem Lithiumkarbonat oder Lithiumhydroxid weiterverarbeitet werden kann.

Kommerzielle Förderung ab 2030 geplant

Sollten die weiteren Projektphasen erfolgreich verlaufen, will Neptune ab 2030 schrittweise in die kommerzielle Produktion einsteigen. In den 2030er Jahren sollen jährlich bis zu 25.000 Tonnen LCE gewonnen werden. Nach Berechnungen des Unternehmens würde diese Menge rechnerisch für die Batterien von etwa 500.000 Elektroautos pro Jahr ausreichen.

Ein Vorteil des Verfahrens: Es braucht keinen klassischen Tagebau und keine großflächigen Verdunstungsbecken. Das Thermalwasser wird gefördert, das Lithium herausgelöst und das verbleibende Wasser anschließend wieder in den Untergrund zurückgeführt. Zudem kann Neptune teilweise auf Infrastruktur und geologische Daten aus der früheren Erdgasförderung zurückgreifen.

Lithiumförderung in Deutschland und Europa könnte Transportwege verkürzen und die Abhängigkeit von Rohstoffimporten verringern. Ganz ohne Nachteile ist sie allerdings nicht. Auch DLE benötigt Bohrungen, Anlagen, Energie und Hilfsstoffe und muss seine Wirtschaftlichkeit im industriellen Maßstab erst beweisen. Hinzu kommen Genehmigungsverfahren und die notwendige Akzeptanz vor Ort. Dafür gelten in Europa vergleichsweise hohe Umwelt- und Arbeitsschutzstandards.

Vulcan Energy ist bereits weiter

Dass Lithium aus deutschem Thermalwasser mehr als ein Forschungsprojekt sein könnte, zeigt Vulcan Energy. Das Unternehmen baut im Oberrheingraben sein Lionheart-Projekt auf. Dort soll lithiumhaltige Thermalsole zugleich als Quelle für Geothermie und Lithium dienen.

Geplant sind bis zu 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat pro Jahr. Vulcan hat bereits Genehmigungen für die kommerzielle Lithiumgewinnung erhalten und im Mai 2026 ein Finanzierungspaket über 2,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Der Produktionsstart ist für 2028 vorgesehen.

Damit könnten in einigen Jahren mehrere größere Lithiumprojekte in Deutschland entstehen. Europas Importabhängigkeit werden sie nicht beseitigen, doch sie könnten die Lieferketten für die europäische Batterie- und Elektroautoindustrie spürbar robuster machen.

Quelle: Neptune Energy – Pressemitteilung vom 13. August 2026

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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