Solarstrom auf Rädern für Busdepots und Autobahn-Hubs

Solarstrom auf Rädern für Busdepots und Autobahn-Hubs
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Im Elektroauto-News Podcast habe ich für die aktuelle Ausgabe mit Sven Assmuth gesprochen, Gründer, Gesellschafter und General Manager von Crocodile EnergyStorage. Sven ist seit 2007 in den erneuerbaren Energien unterwegs und beschäftigt sich zudem seit 2009 intensiv mit der Elektromobilität. Seine Motivation zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch: Energie und Mobilität so weit wie möglich autark, effizient und sinnvoll zusammenzudenken.

Sven kommt ursprünglich aus der Automobilindustrie, er war unter anderem für VW und Audi im Ausland aktiv und hat früh erkannt, dass Batterie- und Elektromobilität zum zentralen Zukunftsthema werden. Schon 2011 hat er öffentlich kritisiert, wie zögerlich europäische Hersteller unterwegs waren. Rückblickend sagt er heute, dass vieles von dem, was er damals befürchtet hat, eingetreten ist.

Gleichzeitig betont er, dass Elektromobilität für ihn immer auch Nachhaltigkeit bedeutet: kleinere Autos, weniger Ressourcenverbrauch und ein bewusster Umgang mit Energie. „Wenn ich nicht permanent viele Kilometer fahre, benötige ich auch kein großes Auto“, bringt er es auf den Punkt.

Warum das Stromnetz zum größten Engpass der E-Mobilität geworden ist

Im Gespräch wird schnell klar, dass Sven Elektromobilität nicht isoliert betrachtet. Nach Stationen wie energieautarken Häusern und der Idee eines vollständig energieautarken Autohofs hat er seinen Fokus zunehmend auf Ladeinfrastruktur und Batteriespeicher gelegt – insbesondere für Nutzfahrzeuge und Busse. Der zentrale Engpass ist aus seiner Sicht nicht die Batterie oder das Fahrzeug, sondern das Stromnetz. Netzanschlüsse kosten Zeit, Geld und bremsen die Transformation.

Genau hier setzt Crocodile EnergyStorage an. Das Kernprodukt ist der sogenannte „Crocodile BESS Trailer“: ein mobiler Batteriespeicher mit 2,51 Megawattstunden Kapazität, der vollständig DC-DC arbeitet. Die Energie stammt direkt aus Solar- und Windparks und wird ohne Umweg über das öffentliche Netz gespeichert und dorthin gebracht, wo sie gebraucht wird – etwa zu Busdepots oder Ladehubs nahe der Autobahn. „Jede Umwandlung kostet Energie. Wenn wir sauberen Strom haben, sollten wir ihn auch möglichst verlustarm nutzen“, erklärt Sven.

Ein konkretes Projekt läuft aktuell in Chile. In Santiago fahren bereits mehrere tausend batterieelektrische Busse, von denen ein Teil nachts noch mit Dieselgeneratoren geladen wird. Crocodile will dort Solarstrom aus den umliegenden Bergen per Trailer in die Depots bringen und so emissionsfreies Laden ermöglichen. Die Trailer werden direkt an PV-Parks beladen und fahren anschließend wenige Kilometer zu den Verbrauchern.

Auch in Deutschland verfolgt Sven ambitionierte Pläne. Entlang der Autobahnen sind bereits 16 Standorte gesichert, perspektivisch sollen es rund 100 werden. Crocodile tritt dabei nicht nur als Hardwareanbieter auf, sondern meist auch als Betreiber. Die Ladehubs arbeiten mit speziellen Ladetowern und Pantografen, die von oben andocken. Das erhöht die Sicherheit, senkt das Risiko von Unfällen und vereinfacht den Ladeprozess für Lkw- und Busfahrer. Pro Trailer sind zwei Ladepunkte mit jeweils 640 kW vorgesehen – real verfügbar, ohne Netzanschluss.

Schneller Ausbau durch Unabhängigkeit vom Stromnetz

Strategisch setzt Crocodile auf Geschwindigkeit und Unabhängigkeit. Da keine Netzanschlüsse nötig sind, können neue Ladepunkte innerhalb weniger Tage aufgebaut werden. Gerade für Speditionen und Busbetreiber, die durch Anreize wie die verlängerte Mautbefreiung schneller auf Elektromobilität umstellen wollen, ist das ein entscheidender Vorteil. Zusätzlich lassen sich die Trailer flexibel einsetzen – etwa für Baustellen, Events oder als Notstromversorgung. „Wir sind permanent netzdienlich, weil wir das Netz gar nicht erst belasten“, fasst Sven das Modell zusammen.

Langfristig sollen rund 100 Trailer auf die Straße kommen, was einer mobilen Speicherkapazität von etwa 250 Megawattstunden entspricht – im Idealfall mehrfach täglich im Einsatz. Produziert werden die Batteriezellen in China, die Endmontage erfolgt in Deutschland, mit Einsatzgebieten von Europa über Chile bis nach Nordafrika.

Das Gespräch zeigt sehr deutlich, wie viel Potenzial in neuen Denkansätzen jenseits klassischer Ladeinfrastruktur steckt – und wie eng Elektromobilität, erneuerbare Energien und Speicher zusammengedacht werden müssen, um wirklich zu skalieren. Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.

Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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