Im Elektroauto-News Podcast hatte ich diesmal Dr. Nam Truong zu Gast, den Co-Founder und CEO von Stabl Energy. Nam kommt aus der Elektrotechnik, hat zum Thema Batteriespeicher promoviert und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Energiespeicher zu einem stabilen, erneuerbaren Energiesystem beitragen können.
Im Gespräch wurde schnell klar, warum Batteriespeicher aus seiner Sicht ein unterschätzter, aber zentraler Baustein der Energiewende sind. Lange Zeit sei das Thema kaum relevant gewesen, weil erneuerbare Energien noch keinen ausreichend hohen Anteil am Strommix hatten.
Heute sieht das anders aus: Erzeugung und Verbrauch passen immer öfter nicht zusammen. Speicher werden damit zu einer wichtigen Voraussetzung, um Stromnetze stabil zu halten. Dass die Energiewende dennoch langsamer vorankommt als möglich, führt Nam vor allem auf regulatorische Hürden zurück. Genehmigungen, Netzanschlüsse und langwierige Prozesse schrecken Investoren ab und bremsen Projekte aus.
Wie Stabl Energy Batteriespeicher technisch anders denkt
Stabl Energy setzt genau an dieser Stelle an. Das Unternehmen entwickelt Batteriespeicher für Industrie und Gewerbe und verfolgt dabei einen ungewöhnlichen technischen Ansatz. Statt klassischer Hochvolt-Batterieketten arbeitet Stabl mit flexibel aufgebauten Systemen auf Modulebene. Jedes Batteriemodul wird einzeln angesteuert und über eine eigene Leistungselektronik in das Gesamtsystem eingebunden. Der Vorteil: schwächere oder alternde Module begrenzen nicht die Leistung des gesamten Speichers. Zudem lassen sich einzelne Module austauschen und Systeme über viele Jahre hinweg betreiben. Die Folge ist eine hohe Effizienz – Nam spricht von einer Round-Trip-Efficiency von über 94 Prozent – und eine deutlich längere Nutzungsdauer.
Ein zentrales Thema im Gespräch war der Umgang mit gebrauchten Batterien. Stabl Energy verfolgt konsequent den Ansatz „Second Life, Second Chance“. Ziel ist es, Batterien aus Elektroautos weiterzuverwenden, anstatt sie frühzeitig zu recyceln. Nam schildert offen, dass er dem Second-Life-Ansatz früher selbst skeptisch gegenüberstand, weil Batteriealterung extrem komplex ist. Erst durch die modulare Wechselrichtertechnologie sei eine echte Skalierung möglich geworden. Aktuell stammen viele der eingesetzten Batterien allerdings noch nicht aus echten Second-Life-Anwendungen, sondern aus Lagerbeständen der Automobilindustrie. Hintergrund ist, dass Elektroauto-Batterien deutlich länger halten als ursprünglich prognostiziert. Die Hersteller dürfen Batterien nach einer gewissen Lagerzeit jedoch nicht mehr im Auto verbauen – für Stabl Energy sind sie dennoch ideal nutzbar.
Neben der Technik ging es auch um Wirtschaftlichkeit. Batteriespeicher werden aus Nams Sicht oft auf Eigenverbrauchsoptimierung reduziert, obwohl das der am wenigsten rentable Anwendungsfall ist. In der Industrie spielen andere Faktoren eine viel größere Rolle: Peak Shaving, Lastspitzenkappung, Netzentgelte und dynamische Stromtarife. Diese Themen seien erklärungsbedürftig und erforderten viel Aufklärung bei Kunden. Genau hier sieht Nam eine der größten Herausforderungen, aber auch Chancen für Speicherlösungen.
Weshalb staatliche Zuschüsse keine dauerhafte Lösung sind
Kritisch ordnet er staatliche Zuschüsse ein. Kurzfristig senken sie Kosten, langfristig müssten Unternehmen jedoch selbst investieren, um ihre Stromkosten zu stabilisieren. „Die Unternehmen, die es in den nächsten Jahren noch geben wird, sind diejenigen, die investieren“, sagt er sinngemäß. Wer allein auf Subventionen setze, gehe ein hohes Risiko ein.
Auch der Blick in die Zukunft kam nicht zu kurz. Nam erwartet, dass Second Life in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen wird, weil Recyclingkapazitäten in Europa nicht schnell genug wachsen. Langfristig könnten Recyclingquoten sogar wieder aufgeweicht werden, weil es schlicht an Infrastruktur fehlt. Erfolg bedeutet für ihn nicht nur wirtschaftliches Wachstum, sondern ein Energiesystem, in dem Speicher selbstverständlich sind, Stromausfälle selten werden und Batterien nicht mehr vorschnell entsorgt werden. „Wenn wir in zehn Jahren zurückblicken und sagen: Batterien wegzuwerfen war völlig unverständlich – dann haben wir etwas richtig gemacht.“
Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.
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